Ursula von Eulenspiegel

Till Eulenspiegel war Hochstapler und Tunichgut. Und in einer seiner Geschichten Arzt. Behauptete er jedenfalls. Und er versprach, alle Patienten in einem Hospital gesunden zu lassen.

Und tatsächlich waren am Ende des Tages alle Patienten aus dem Krankenhaus verschwunden, es ging ihnen schon viel besser, vielen Dank auch Doktor Eulenspiegel.
Wer die Geschichte kennt weiss, dass Eulenspiegel von Patient zu Patient ging und allen etwas ins Ohr flüsterte: um alle zu heilen müsse er aus der Asche des kränksten unter den Patienten eine Tinktur herstellen, die er den anderen verabreicht.
Natürlich wollte niemand als der kränkste Patient erkannt werden und daher ging es allen sofort besser.

Ursula von der Leyen ist Ärztin. Im Moment behauptet sie, Arbeits- und Sozialministerin zu sein.
Um die Anzahl der Hartz IV-Empfänger zu senken, will sie das Konzept der Bürgerarbeit einführen. Bürgerarbeit bedeutet, dass alle Hartz IV-Empfänger, die sich als „unvermittelbar“ erweisen, gemeinnützige Dienste ausführen sollen: Hilfe in Alters- und Pflegeheimen, in öffentlichen Parks aufräumen. Als Beispiel. Der Lohn dafür soll bei 7 EUR die Stunde liegen.
In Kürze startet eine sechsmonatige Einführungsphase. Die Arbeitsagenturen werden versuchen, alle Langzeit-Hartz IV-Empfänger in den „ersten Arbeitsmarkt“ zu vermitteln. Frau von der Leyen rechnet mit 20% unvermittelbaren Personen. Diese „Restposten des Arbeitsmarktes“ sollen dann unsere Parks aufräumen und sich sonst gemeinnützig betätigen.
Jetzt sind 7 Eur die Stunde nicht unbedingt die Welt, das sind bei den geplanten 30 Stunden pro Woche weniger als 900 EUR Brutto im Monat. Aus dem Empfang von Hartz IV kommen damit nur die Wenigsten heraus, eine vierköpfige Familie mit Kleinkind hat incl. Angemessener Miete einen höheren Anspruch. Auch ohne Elterngeld.
Es ist ein klares Konzept: Die meisten Langzeitarbeitslosen, die z.B. aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit verloren haben und nun nicht mehr in qualifizierte Jobs zurückfinden, werden auch unterqualifizierte Arbeiten annehmen, um nicht zu den Restposten des Arbeitsmarktes zu zählen, die sich ihr Hartz IV zukünftig in großen Teilen selber erarbeiten müssen.
Dennoch wird das ihre Chancen, wieder in ihren alten Beruf zurückzukehren, reduzieren. Sie werden vermutlich den Rest ihres Arbeitslebens als ungelernte oder umgeschulte Seiteneinsteiger in Berufen arbeiten, für die viele falsch oder überqualifiziert sind.
Und die Chancen einer gelernten Hotelfachfrau, wieder als Hotelfachfrau Arbeit zu finden, wenn sie einige Zeit als Reinigungskraft gearbeitet hat, sind verständlicherweise nicht wirklich gut.
Erst recht hat möglicherweise gar keine Chance, Arbeit oder einen Ausbildungsplatz zu erhalten, wer einmal in die „Bürgerarbeit“ gerutscht ist.
Hartz IV-Empfänger werden tatsächlich schon länger geringfügig für ein paar Stunden in der Woche zu gemeinnützigen Arbeiten herangezogen, das kennen wir schon ein paar Jahre. Kritik, dass dadurch Arbeitsplätze vernichtet würden, wurde ausgehebelt. Es war Teil des Konzepts, dass nur Arbeit gemacht werden solle, die sonst keiner macht.
Tatsächlich habe ich erlebt, wie schwierig es war, im sozialen Bereich derartige Stellen über die anerkannten Träger einzurichten, gleichzeitig aber „Hartzies“ in den Trägerverbänden und Behörden entdeckt, wo sie z.B. einfache Büroarbeiten in der Poststelle ausgeführt haben.
Genauso sind die Stadtreinigungen schon heute eine Branche, die Parks säubert, und das Geschirr wird auch heute in Alters- und Pflegeheimen schon abgeräumt. Diese Arbeiten bleiben defnitiv nicht liegen.
Durch Bürgerarbeit werden also Arbeitsplätze, die ansonsten mit ausgebildeten Kräften besetzt würden, durch den Einsatz von „Zwangsarbeitern“ vernichtet.
Auch, wenn auf dem „ersten Arbeitsmarkt“ für diese Stellen keine Besetzung gefunden wurde, ist die Zwangsbesetzung mit schwer vermittelbaren Hartz IV-Empfängern ein Bärendienst sowohl für die gemeinnützigen Tätigkeiten als auch für spätere Generationen:
Die Qualität der Arbeiten wird gegenüber motivierten, freiwilligen und qualifizierten Mitarbeitern deutlich zurückstehen
Junge Menschen, die in genau diese Berufe hinein wollen, werden durch die wesentlich billigeren „Bürgerarbeiter“ keinen Ausbildungsplatz finden.
Bleibt zu hoffen, dass Ursula von der Leyen nicht auch noch Bildungsministerin wird. Nachher versucht sie, Eseln das Lesen beizubringen.

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