Googles Realnamen-Satire

Ich musste eben doch heftig grinsen.
Auch mein Second Life Püppi sollte ein Google+-Profil bekommen. Viel machen wollte ich nicht, nur halt aus Prinzip wegen Pseudonym und so. Und da sieht man doch tatsächlich Dinge, die die Realnamenpflicht zur Realsatire machen.
Wenn man jetzt, wo G+ für alle offen steht, einen Account eröffnet, werden von den bestehenden Mitspielern einige schön in Kategorien angeordnet vorgeschlagen.
Man bekommt zum Beispiel folgende Vorschläge in der Kategorie “Lustig & Interessant”:
(Bitte aufs BIld klicken, um es in voller Größe zu sehen).
Da ist zum Beispiel Kassem G. Das ist ein Komiker. Eigentlich heisst er ja Kassem Gharaibeh, aber das ist ein Künstlername, mithin ein Pseudonym.
Oder April Summers, die auch auf den Namen April Flowers hört und sicherlich auf ihrem Führerschein auch einen ganz anderen Namen trägt.
Und auch Violet Blue ist ein Pseudonym, und wie ich vermute nicht das der Schriftstellerin, sondern das der Pornodarstellerin.
Diese Google+-Profile wurden von Google-Mitarbeitern angesehen, als vorschlagswürdig empfunden und nach einer Bewertung in bestimmte Kategorien gesteckt. Dass wenigestens Kassem G ein Pseudonym benutzt, das jedem als solches auffallen muss, steht außer Frage.
Aber klar: Amerikanische Komiker und Pornodarsellerinnen müssen ja vor zudringlichen Fans geschützt werden, anders als chinesische Dissidenten, die gefahrlos unter ihren Realnamen auf Google+ agieren können.

Oder seh ich das zu eng?

5 thoughts on “Googles Realnamen-Satire

  1. Enno

    Lustig ist auch, dass “Die Ennomane” immer wieder empfohlen wird, sogar mir selbst. Wenn man dann draufklickt, kommt aber “Not found”.

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  2. vk Post author

    Naja, Hackbyte, ich will getzt nicht Godwin heraufbeschwören, aber etwas plakativ gesagt: Die Weisse Rose würde heute keine Matrizendrucke mehr verteilen, sondern würde per TOR oder anderem Anonymisierungsdienst z.B. bei blogger.com posten und soziale Netze wie Twitter, Facebook Google+ dienen der schnellen Kommunikation.
    Blogger.com gehört Google und wird, wenn G+ als Verzeichnisdienst etabliert ist, nicht mehr pseudonym nutzbar sein. Je weiter die Netzwelt von OpenGraph und OAuth durchdrungen ist, um so wichtiger ist es, dass die großen Anbieter auch Pseudonyme akzeptieren.

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  3. hackbyte

    Ahoi Volker.

    Im grossen und ganzen stimme ich dir zwar zu, aber grad die erlebnisse aus diesem jahr haben mich durchaus gelehrt, das in krisen eher der zugang zu einer landline aka funktionierenden telefonanschluss mit fernwahlmöglichkeit wichtiger ist, um darüber brauchbare multiplikatoren erreichen zu können.

    Und das waren dann im wesentlichen eher journalisten die vieles direkt über twitter an die öffentlichkeit brachten.

    Also stimme ich dir nachwievor zu. Sehe aber z.b. auch, das es ausser blogger.com noch andere sites gibt, auf denen menschen sich blogs einrichten können. Die allmacht die google dabei unterstellt wird ist soo gross dann doch nicht. (Auch die frage ob blogger.com dann irgendwann einer realnamenpflicht unterliegen wird ist ja bisher noch nicht von “offizieller seite” aufgebracht worden, oder?;)

    Desweiteren wissen wir ja nun grad vom immer als beispiel genutzten china, das diese sehr fix dabei sind, seiten zu sperren, auf denen dissidenten unliebsames material publizieren.

    Im endeffekt “glaube” ich nachwievor an die möglichkeiten des Internets, in denen schonimmer jedwede gruppierung eine möglichkeit und eine ecke fand, in denen sie relativ ungestört und meist auch brauchbar anonym kommunizieren konnten. Insofern ist das herumgemäkele grad an google+ ein bischen … hhmm.. überzogen? ;) Zumal die thematik schon wesentlich älter ist als G+ und vorher nie derartig polarisierend auf den tisch gebracht wurde.

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  4. vk Post author

    Hackbyte, die Thematik kam schon so oft auf den Tisch. Anfang der 90er im /CL, siehe auch hier http://www.volkerkoenig.de/2011/09/05/real-irreal-scheissegal-zur-klarnamendiskussion/
    Auch in den administrativeren Boards im FIDO kam das alle Nasen lang auf und unsere per Verein betriebene Box ging daher ins FNet, weil das ohne Realnamenzwang lief.
    Ich bin so, wie ich hier, auf Twitter und Facebook und G+ agiere, nicht an ein Pseudonym gebunden. Aber ich war es früher und vielleicht hab ich ja weitere Identitäten im Netz, die Pseudonym laufen?
    Google will G+ als Identitätsdienst mit beigeheftetem Social Network sehen und wird vielen anderen Anbietern erlauben, die Authentifizierungsdienste zu nutzen, so, wie man sich heute schon bei Disqus-Kommentarsystemen per Twitter oder Facebook einloggen kann. Es sind also langfristig nicht nur die originären Google-Dienste betroffen.

    Bislang waren alle Google-Dienste pseudonym nutzbar. Das ändert sich, sobald Du ein G+-Profil anlegst. Der Realnamenzwang hat für Google keinen echten Nutzen und die Erklärungen kann man mit einem “Wir wollen das halt so” umschreiben, und das ist zu substanzlos, um alle Google-authentifizierten Dienste für Regimegegner und Whistleblower zu verbrennen.

    Vor diesem Hintergrund ist die Scheinheiligkeit bei den Künstlern eine Frechheit.

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