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	<title>Volker König &#187; Allgemein</title>
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	<description>Heilpraktiker (Psychotherapie) und freier Journalist</description>
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		<title>T&#228;ter oder paranoid?</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 11:54:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie schwierig es ist, mit psychisch kranken T&#228;tern umzugehen, zeigt sich aktuell im Fall Anders Breivik. W&#228;hrend Gutachter bei ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostizierten, h&#228;lt das Personal der psychiatrischen Klinik ihn f&#252;r zurechnungsf&#228;hig.
Gerade, wenn es um die strafrechtliche Beurteilung von Taten geht, die irgendwo politisch sind, begeben sich alle Beteiligten schnell auf d&#252;nnes Eis.
Terroristen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie schwierig es ist, mit psychisch kranken T&#228;tern umzugehen, zeigt sich aktuell im Fall Anders Breivik. W&#228;hrend Gutachter bei ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostizierten, h&#228;lt das Personal der psychiatrischen Klinik ihn f&#252;r zurechnungsf&#228;hig.<br />
Gerade, wenn es um die strafrechtliche Beurteilung von Taten geht, die irgendwo politisch sind, begeben sich alle Beteiligten schnell auf d&#252;nnes Eis.<span id="more-536"></span><br />
Terroristen neigen zu Beschaffungskriminalit&#228;t. Sowohl Baader-Meinhof als auch die &#8220;Zwickauer Zelle&#8221; haben Banken &#252;berfallen, um sich zu finanzieren. Auch Terroristen, die nur wegen der Bank&#252;berf&#228;lle verurteilt wurden, werden von Amnesty International als politische Gefangene einsortiert.<br />
Denn: In Unrechtsregimen ist es Gang und G&#228;be, die politischen Gegner wegen anderer, gerne auch konstruierter Delikte als politischen Taten &#8220;f&#252;r immer wegzusperren&#8221; oder gar zu t&#246;ten. Da w&#228;ren Verurteilungen wegen Bank&#252;berf&#228;llen, am besten noch in Tateinheit mit Mord an ein paar Polizeibeamten oder Geiseln, nat&#252;rlich eine Steilvorlage.<br />
Noch beliebter ist das Wegsperren wegen psychischer St&#246;rungen. T&#228;ter (was auch immer sie getan haben), die unter einer psychischen St&#246;rung leiden, k&#246;nnen f&#252;r ihre Tat nicht verantwortlich gemacht werden. Ein Gerichtsverfahren kann sich daher auf die Feststellung beschr&#228;nken, dass die Tat grausam war, aber der T&#228;ter ver&#252;ckt. Au&#223;erdem muss man sich nicht mit der Intention seiner Tat auseinandersetzen, die politische Diskussion wird durch die Diagnose hinf&#228;llig.<br />
Aber auch nach einer langen, langen Haftstrafe ohne Behandlung w&#228;re der T&#228;ter eben nicht weniger gef&#228;hrlich. Also wird er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, damit er nicht noch weitere Menschen gef&#228;hrdet und behandelt werden kann.<br />
Dass Menschen durch Behandlungen, die im Allgemeinen als Gehirnw&#228;sche bezeichnet werden, gef&#252;gig gemacht werden k&#246;nnen, ist bekannt.<br />
Jetzt wurde Anders Breivik, dessen Tat zweifelsohne politisch motiviert war, von gerichtsbestellten Gutachtern untersucht. Sie <a href="http://web.de/magazine/nachrichten/panorama/14241412-gutachter-breivik-paranoid-schizophren.html">stellten fest</a>, dass er unter einer paranoiden Schizophrenie leidet:</p>
<blockquote>
<p>Der zust&#228;ndige Staatsanwalt Svein Holden gab an, dass Breivik nach Meinung der Psychiater komplett von &#8220;bizarren und gr&#246;&#223;enwahnsinnigen (&#8220;grandiosen&#8221;) Zwangsvorstellungen&#8221; beherrscht sei. &#8220;Danach kann er nach eigener Auffassung entscheiden, wer leben darf und wer sterben muss&#8221;, berichtete Holden weiter aus dem 243 Seiten umfassenden Gutachten.<br />
Holden sagte, die Rechtspsychiater h&#228;tten ihn als jemanden geschildert, &#8220;der sich f&#252;r den perfektesten Ritter seit dem Zweiten Weltkrieg h&#228;lt&#8221;. Breivik habe in den 13 Gespr&#228;chen von insgesamt 36 Stunden Dauer auch vermittelt, dass er sich f&#252;r einen &#8220;zuk&#252;nftigen Regenten&#8221; halte. Er habe au&#223;erdem menschliche &#8220;Zuchtprojekte mit Norwegern in Reservaten&#8221; angek&#252;ndigt.</p></blockquote>
<p>Nicht &#8220;w&#228;hrend der Tat litt&#8221;, sondern chronisch, jetzt auch noch.<br />
Die Symptome der paranoiden Schizophrenie sind im ICD-10 definiert:</p>
<blockquote><p><b>F20.0 Paranoide Schizophrenie</b><br />
Die paranoide Schizophrenie ist durch best&#228;ndige, h&#228;ufig paranoide Wahnvorstellungen gekennzeichnet, meist begleitet von akustischen Halluzinationen und Wahrnehmungsst&#246;rungen. St&#246;rungen der Stimmung, des Antriebs und der Sprache, katatone Symptome fehlen entweder oder sind wenig auffallend.</p></blockquote>
<p>Zu den spezifischen Symptomen kommen die allgemeinen Symptome der Schizophrenie hinzu:</p>
<blockquote><p><b>F20.- Schizophrenie</b><br />
Die schizophrenen St&#246;rungen sind im allgemeinen durch grundlegende und charakteristische St&#246;rungen von Denken und Wahrnehmung sowie inad&#228;quate oder verflachte Affekte gekennzeichnet. Die Bewusstseinsklarheit und intellektuellen F&#228;higkeiten sind in der Regel nicht beeintr&#228;chtigt, obwohl sich im Laufe der Zeit gewisse kognitive Defizite entwickeln k&#246;nnen. Die wichtigsten psychopathologischen Ph&#228;nomene sind Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung, Wahnwahrnehmung, Kontrollwahn, Beeinflussungswahn oder das Gef&#252;hl des Gemachten, Stimmen, die in der dritten Person den Patienten kommentieren oder &#252;ber ihn sprechen, Denkst&#246;rungen und Negativsymptome.</p></blockquote>
<p>Generell haben schizophrene Menschen also ein ver&#228;ndertes Gef&#252;hlsleben, das sind die inad&#228;quaten oder verflachten Affekte. Freude, Trauer und insbesodnere die Empathie mit anderen Lebewesen sind abgeschw&#228;cht oder unpassend. Ich will das nicht als Erkl&#228;rung f&#252;r Breiviks Kaltbl&#252;tigkeit w&#228;hrend der Tat heranziehen, obwohl es sich aufdr&#228;ngt.<br />
Weitere &#8220;Standardsymptome&#8221; sowohl der allgemeinen als auch der paranoiden Schizophrenie sind verschiedene Auspr&#228;gungen von Wahnvorstellungen sowie die deutlich davon abzugrenzenden Haluzinationen.<br />
Haluzinationen sind Wahrnehmungen von Dingen, die nicht der Realit&#228;t entsprechen, also das H&#246;ren von objektiv nicht vorhandenen Stimmen, visuelle Erscheinungen und so weiter. Im weitesten Sinne verwandt sind die erw&#228;hnten Gedankeneingebungen, also das Gef&#252;hl, dass man von au&#223;en gesteuert wird, oder der entgegengesetzte Gedankenentzug.<br />
Wahnvorstellungen sind &#220;berzeugungen von Sachverhalten, die objektiv nicht stimmen. Die &#220;berzeugung, dass Michael Jackson eine Au&#223;erirdischer war ist ebenso eine Wahnvorstellung wie die &#220;berzeugung, dass ein Geheimbund von Illuminaten, Pastamonstern oder kleinen, behaarten Lebewesen mit spitzen Ohren, Reissz&#228;hnen und langen Schw&#228;nzen die Welt beherrscht und uns alle unterjocht. Genauso ist es eine Wahnvorstellung, wenn man glaubt, Superman zu sein und fliegen zu k&#246;nnen &#8211; und Breiviks Selbstbild erf&#252;llt die Voraussetzungen f&#252;r die Diagnose einer Wahnvorstellung.<br />
Erforderlich als Ausschlusskriterium f&#252;r die Diagnos eder paranoiden Schizophrenie ist weder die Haluzination noch die Wahnvorstellung.<br />
Nun widersprechen die &#196;rzte der psychiatrischen Klinik, in  der Breivik untergebracht ist, dem Gutachten.</p>
<blockquote><p>
Die aufsehenerregenden Bewertungen von Breiviks Zustand stammen von drei Psychologen und einem Psychiater, die in Ila die H&#228;ftlinge betreuen. Seitdem Breivik am 26. Juli dort eintraf, haben sie ihn mehr als 80 Mal untersucht, die ersten sieben Wochen lang sogar t&#228;glich, berichtet die Zeitung Aftenposten. Der Untersuchungsh&#228;ftling sei bei guter Gesundheit, er wirke nicht depressiv, nichts deute auf eine Psychose hin, notierten die Fachleute ein ums andere Mal ins Journal. Es bestehe weder Selbstmordgefahr noch Bedarf f&#252;r irgendeine Art von Behandlung.<br />
<i>Quelle: <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/gutachten-zu-anders-behring-breivik-schizophrener-streit-1.1250982">Schizophrener Streit</a></i>
</p></blockquote>
<p>Auch an anderer Stelle wird <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/10/151162">vergleichbares</a> berichtet:</p>
<blockquote><p>
Er h&#246;re keine Stimmen, habe keine anderen Halluzinationen, halte Blickkontakt und seine Zelle in Ordnung, er sei psychisch stabil, meist normaler, manchmal guter Stimmung und aufmerksam, die Suizidgefahr sei niedrig
</p></blockquote>
<p>Was ist davon zu halten?<br />
Suizidgefahr hat sehr wenig mit Schizophrenie zu tun. Suizid im Rahmen der Wahnvorstellungen h&#228;ngt davon ab, was f&#252;r Wahnvorstellungen vorliegen. W&#228;re er der &#220;berzeugung, ein M&#228;rtyrer zu sein, w&#252;rde das fehlen suizidaler Tendenzen bemerkenswert sein, aber als zuk&#252;nftiger Regent gibt der Wahn das nicht her. Schizophrenie und die erw&#228;hnte Depression sind diagnostisch eben zwei Paar Schuhe.<br />
Auch sind die intellektuellen F&#228;higkeiten eines schizophrenen Menschen ausdr&#252;cklich nicht beeintr&#228;chtigt und verwahrlosen muss er auch nicht, nur, weil er schizophren ist.<br />
Breiviks <a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,776299,00.html">Manifest</a> zeigt eher einen sehr gr&#252;ndlich und pr&#228;zise planenden Menschen.<br />
Pers&#246;nlich sehe ich in den Zweifeln am Gutachten weniger wissenschaftlich fundierte Zweifel als vielmehr &#8220;W&#252;nsche&#8221; einzelner Menschen. Die verst&#228;ndlich sind:</p>
<blockquote><p>
Familienangeh&#246;rige von Breiviks Opfern wollten aber nicht einfach dessen Abschiebung in die Psychiatrie akzeptieren. Sie haben ein zweites Gutachten verlangt, der Staatsanwalt Holden lehnt dies aber ab, da auch die Kommission keine Einspr&#252;che erhaben habe. Auch Breivik selbst und sein Verteidiger wollen kein weiteres Gutachten, auch wenn sie das vorliegende kritisieren. Breivik selbst sieht sich nicht als psychisch krank.<br />
<i>Telepolis</i>
</p></blockquote>
<p>Das Gro&#223;artige daran f&#252;r Breivik: Durch die Enweisung in die Psychiatrie und die Zweifel ander Diagnose kann er seine Legende aufrecht erhalten. Zumindest f&#252;r seine eigenen Augen.<br />
Bleibt zu hoffen, dass er dadurch keine Anh&#228;nger findet.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.volkerkoenig.de/?flattrss_redirect&amp;id=536&amp;md5=09bfe018cafb9fe0122ae2b221613853" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Urheberrecht I</title>
		<link>http://www.volkerkoenig.de/2011/12/30/urheberrecht-i/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 16:34:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Nein, keine Angst, kein Fernkurs. Soviel Ahnung vom Urheberrecht hab ich auch nicht.
Aber das Thema verfolgt mich seit der Schule und ich stelle fest, dass die gesetzlichen Regelungen von der Digitalisierung geradezu &#252;berrollt wurden. Ich meine von der Digitalisierung der letzten 30 Jahre.
Da es viele Aspekte gibt, werde ich sie in mehrere Pakete gliedern.
W&#228;hrend ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, keine Angst, kein Fernkurs. Soviel Ahnung vom Urheberrecht hab ich auch nicht.<br />
Aber das Thema verfolgt mich seit der Schule und ich stelle fest, dass die gesetzlichen Regelungen von der Digitalisierung geradezu &#252;berrollt wurden. Ich meine von der Digitalisierung der letzten 30 Jahre.<span id="more-532"></span><br />
Da es viele Aspekte gibt, werde ich sie in mehrere Pakete gliedern.<br />
W&#228;hrend des Studiums hatte ich das Gl&#252;ck, in direkter N&#228;her der Zentrale unserer Stadtbibliothek zu wohnen, wo alle erforderlichen Gesetzestexte, -kommentare und Fachzeitungen ausreichend aktuell vorhanden waren. So konnte ich mir den Weg in die Bibliothek der Hochschule sparen.<br />
Die Zentralbibliothek hatte auch eine Musikabteilung, in der man die Partituren aller erdenklichen klassischen Musik einsehen und ausleihen durfte. Allerdings befand sich in der N&#228;he der Musikabteilung kein Fotokopierer. Und an den anderen Kopierern hing ein deutliches Schild mit einem Sinnspruch:</p>
<blockquote><p>Das Kopieren von Noten<br />
ist gesetzlich verboten</p></blockquote>
<p>&#8220;Wieso das?&#8221; fragte ich mich. Schlie&#223;lich darf ich Artikel aus Fachzeitungen und Passagen aus Fachb&#252;chern kopieren, die B&#252;cherei zahlt wie jeder Inhaber eines Kopierers Geb&#252;hren f&#252;r Ger&#228;t und Verbrauchsmaterial an die Verwertungsgesellschaften und die sch&#252;tten es an die Urheber der kopierten Seiten aus. Bei klassischer Musik kam dazu, dass das Urheberrecht an ihr in den meisten F&#228;llen schon 70 Jahre nach dem Tod der Komponisten verfallen war.<br />
Doch im §53 Absatz 4 des Urhebergesetzes steht:</p>
<blockquote><p>(4) Die Vervielf&#228;ltigung<br />
a) graphischer Aufzeichnungen von Werken der Musik,<br />
b) eines Buches oder einer Zeitschrift, wenn es sich um eine im wesentlichen vollst&#228;ndige Vervielf&#228;ltigung handelt,<br />
ist, soweit sie nicht durch Abschreiben vorgenommen wird, stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zul&#228;ssig [...]</p></blockquote>
<p>Es gibt ein vielzitiertes Urteil des Bundesgerichtshofs. Es hat den &#8220;Spitznamen&#8221; <i>Notenstichbilder</i> und wird auf unterschiedlichste Weise interpretiert. Um es zu verstehen, muss man sich mit dem Notensatz im Druck befassen.<br />
Um 1450 herum hatte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gutenberg">Johannes Gutenberg</a> den Buchdruck mit beweglichen Lettern und die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Druckerpresse">Druckerpresse</a> erfunden. Er schuf dadurch eine M&#246;glichkeit, Schriftwerke relativ preiswert und schnell zu reproduzieren. Heute ist der Buchdruck so fortgeschritten und allt&#228;glich, dass die Arbeiten des Schriftsetzers in den Hintergrund r&#252;cken. Nicht zuletzt, weil bei Buchstaben und festgelegten Schriftarten nicht allzu viele Variationsm&#246;glichkeiten bestehen.<br />
Anders ist das bei Musiknoten. Diese waren auch nach der Erfindung von fotomechanischem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Offsetdruck">Offsetdruck</a> bei komplexen Werken stets von einem Notenstecher per Hand gezeichnet. Alle <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Notensatz">Verfahren</a> zum Druck von Noten mit beweglichen Lettern waren nur f&#252;r einfache Notationen geeignet. Bis zur Verf&#252;gbarkeit von Computersoftware, mit der letztlich jeder Musiker seine Noten selber druckreif setzen und auf dem Laserdrucker ausdr&#252;cken kann, waren Notenbl&#228;tter immer das Wert von speziell ausgebildeten Notenstechern.<br />
Die zitierte Vorschrift aus dem Urhebergesetz dient dem Schutz der Notenstecher, man darf ihre Notenbl&#228;tter nicht einfach kopieren, sondern musste die Noten abschreiben. Das gilt auch, wenn der Komponist bereits hunderte von Jahren tot ist.<br />
Die erw&#228;hnte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsschutz_von_Schriftzeichen#Notenstichbilder">Entscheidung</a> des Bundesgerichtshofes definiert als Ausnahme, dass durchaus kopiert werden darf, wenn es sich um ein gemeinfreies Werk (dessen Urheber z.B. l&#228;nger als 70 Jahre tot ist) ohne Ver&#228;nderung handelt.<br />
Zu St. Martin 2011 stellte die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gema">GEMA</a> &#252;berraschend fest, dass die beim Martingszug gesungenen Lieder zwar inzwischen gemeinfrei sind, aber ihre Texte und Notationen z.T. vereinfacht in Liederb&#252;chern wiedergegeben wurden. Also, ganz klar: Kinderg&#228;rten und Kirchengemeinden, die diese Lieder einfach so kopierten und den Kindern in die Hand dr&#252;ckten, mussten <a href="http://www.shortnews.de/id/860540/Piraterie-GEMA-moechte-Lizenzgebuehren-von-Kindergaerten-fuer-St-Martins-Lieder">zumindest Lizenzgeb&#252;hren</a> zahlen.<br />
Schneller, als sich die beiden Konfliktparteien &#8220;Kultusminister&#8221; und &#8220;GEMA&#8221; auf einen Termin f&#252;r Verhandlungen einigen konnten, gr&#252;ndeten sich die <a href="http://musik.klarmachen-zum-aendern.de/">Musikpiraten</a>.<br />
Sie sammelten gemeinfreie Versionen der Lieder und setzten sie per Computer, stellten sie dann unter eine Lizenz, die das Kopieren erlaubte und verteilten die Notenhefte. Das ist keine neue Idee, denn es gibt schon l&#228;nger die Initiative <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Free_Sheet_Music">Free Sheet Music</a>, die diese im Zeitalter von Desktop Publishing und Computersatzprogrammen f&#252;r Noten, die die gesetzten St&#252;cke direkt danach auf MIDI-Keyboards abspielen k&#246;nnen, vorgestrige Reglementierung des Notenkopierens durch gemeinfreie Notenbl&#228;tter gemeinfreier Musik aushebeln will.<br />
Dabei w&#228;re es doch ganz einfach.<br />
Ich hab die ersten Notensatzprogramme f&#252;r den Hausgebrauch Anfang der 1990er Jahre benutzt. Sp&#228;testens mit dem Vordringen dieser Technik auf den PC ist der Schutz des vom Notenstecher gesetzten Blattes gegen Fotokopie hinf&#228;llig.<br />
Also seit gut und gerne 20 Jahren.<br />
Ein Blatt Notenpapier, vom Komponisten selber per Computer gesetzt, hat die Produktionskette vom Komponisten zum Notenstecher, der mit der Hand Druckvorlagen herstellt, ersetzt. Sie muss nicht mehr gesch&#252;tzt werden. Seit 20 Jahren.</p>
<p>Und es ist nicht hinzunehmen, dass Musikverlage z.B. durch das Umsetzen der neuen Rechtschreibung in Martinsliedern gemeinfreie Werke <i>ver&#228;ndern</i> und dadurch einen Schutz vor zitierenden Fotokopien etc. von Ausschnitten erhalten, den der Urheber eines Romans oder Lyrikbandes selbst zu Lebzeiten nicht genie&#223;t.<br />
<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/97a573614ea4428387f95f4cb8782589" width="1" height="1" alt=""></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.volkerkoenig.de/?flattrss_redirect&amp;id=532&amp;md5=e6b15a81893370f3d1a2cb0a9aa2847e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Grundsteuereinheitsbetragsurteilserwartungsantrag</title>
		<link>http://www.volkerkoenig.de/2011/12/27/grundsteuereinheitsbetragsurteilserwartungsantrag/</link>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 15:48:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Mal ein ganz anderes Thema. Wer (wie ich) Grundbesitz hat, der muss (wie ich) Grundsteuer zahlen. Wie diese Grundsteuer berechnet wird mag jeder bei Wikipedia nachlesen. Jetzt steht eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ins Haus, die (mal wieder) zu verwirrenden Pressemeldungen f&#252;hrt.
Die Grundsteuer wird nach bestimmten Formeln aus dem Einheitswert der Immobilie berechnet. Der Einheitswert ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mal ein ganz anderes Thema. Wer (wie ich) Grundbesitz hat, der muss (wie ich) Grundsteuer zahlen. Wie diese Grundsteuer berechnet wird mag jeder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grundsteuer_(Deutschland)">bei Wikipedia nachlesen</a>. Jetzt steht eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ins Haus, die (mal wieder) zu verwirrenden Pressemeldungen f&#252;hrt.<span id="more-527"></span><br />
Die Grundsteuer wird nach bestimmten Formeln aus dem Einheitswert der Immobilie berechnet. Der Einheitswert ist grob gesagt die Summe, die das Haus kosten w&#252;rde, wenn man es zum Preisniveau von 1963 so bauen w&#252;rde, wie es heute ist.<br />
Das ist ein sehr theoretisches Ding, denn in der Regel wird der EW nur einmal ermittelt &#8211; wenn das Haus fertiggestellt wird. Mein Haus wurde in den 1950er Jahren gebaut und hatte damals nur ein Haupthaus mit Plumpsklo im Garten. Angesichts des Verlaufs der Kanalisation wird klar, dass damals eben nichtmal ein Kanal existierte. Die Erweiterungen um einen Schuppen, der inzwischen K&#252;che und Bad beherbergt, und die Kanalisation etc. waren erheblich wertsteigernd. Das alles wird im EW nicht ber&#252;cksichtigt.<br />
W&#252;rde ein von der Fl&#228;che und Ausstattung vergleichbares Haus heute gebaut, w&#252;rde es ber&#252;cksichtigt. Der Einheitswert eines Altbaus ist daher in der Regel erheblich niedriger als er gemessen an den steigenden Ausstattungsmerkmalen sein m&#252;sste. Aber auch die Entwicklung der Grundst&#252;ckslage kann den Wert (zu dem auch der Grundst&#252;ckswert geh&#246;rt, der lageabh&#228;ngig ist) beeinflussen.<br />
Was an der Berechnung des Einheitswertes so gravierend ungerecht ist, dass man damit rechnet, dass er 2012 vom Bundesverfassungsgericht &#8220;gekippt&#8221; wird, haben einige Immobiliensachverst&#228;ndige <a href="http://www.immowertermittlung.de/einheitswert.htm">hier</a> ganz verst&#228;ndlich ausgef&#252;hrt.<br />
Jetzt gibt es Menschen, die sparen wollen.<br />
Ob man durch eine Neuregelung der Grundsteuerberechnung Gewinn oder Verlust macht, kann man sich ausmalen: Die neue Regelung, die nach dem Urteil kommen wird, wird gerechter sein. Ich werde Verlust machen weil meine Grundsteuer steigen wird, die Eigent&#252;mer von Neubauten werden hingegen weniger zahlen.<br />
Aber Sparf&#252;chse merken: Wenn das Bundesverfassungsgericht das Gesetz kippt, gibt es zwei M&#246;glichkeiten:</p>
<ul>
<li>Das Gesetz war schon immer verfassungswidrig und wird umgehend aufgehoben und damit alle Grundsteuerbescheide und Einheitswertbescheide ung&#252;ltig, </li>
<li>Das Verfassungsgericht mahnt eine Neuregelung binnen einer Frist an und erkl&#228;rt das Gesetz nach Ablauf der Frist f&#252;r aufgehoben.</li>
</ul>
<p>Nun sind die Grundsteuerbescheide der Gemeinden, auf deren Basis man Geld zahlen muss, genauso, wie die Einheitswertbescheide der Finanz&#228;mter nach Ablauf eines Monats unanfechtbar, auch, wenn die Rechtsgrundlage sp&#228;ter als verfassungswidrig erkannt wird. Aber m&#246;glicherweise kann man in Variante 1 davon profitieren, dass man ein Verwaltungsverfahren in Gang setzt, das eine neue Festsetzung des Einheitswertes als Ziel hat und wegen des schwebenden Verfahrens vor dem Bundesverfgassungsgericht bis zur Entscheidung ausgesetzt wird. Wird die Regelung ohne &#220;bergangsfrist gekippt h&#228;tte man <i>den Gemeinden</i> m&#246;glicherweise die Rechtsgrundlage zwischen Antrag und unter dem Hintern weggezogen.<br />
Und das auch r&#252;ckwirkend, da man den Einheitswert auch f&#252;r das laufende Jahr neu feststellen lassen kann.<br />
Das steht <a href="http://www.nw-news.de/lokale_news/buende/buende/5610018_Widerspruch_gegen_Grundsteuer_B.html">hier</a> etwas verwirrend und <a href="http://www.nw-news.de/lokale_news/buende/buende/5617800_Grundsteuerantrag_nur_ans_Finanzamt.html">hier</a> dann korrigiert. Recht unscharf ist auch die Ausf&#252;hrung <a href="http://wirtschaft.t-online.de/steuern-und-immobilien-ringen-um-die-grundsteuer/id_52379096/index">hier</a>.<br />
Was an den Aussagen wichtig ist:</p>
<blockquote><p>Je nachdem, was das Bundesverfassungsgericht in diesem Fall als &#220;bergangsregelung bestimmt, kann das eine Steuerersparnis f&#252;r Eigenheimbesitzer und Wohnungseigent&#252;mer bedeuten.</p></blockquote>
<p>und</p>
<blockquote><p>Es ist damit zu rechnen, dass das Finanzamt den Antrag zur&#252;ckweist. Dann muss auch noch gegen diesen Bescheid Einspruch eingelegt werden. </p></blockquote>
<p>Was ich machen werde?<br />
Nichts. Meine Grundsteuer ist nicht so hoch, dass ich f&#252;r die bestenfalls 50%ige Chance, dass ich je nach &#220;bergangsregelung einen Gewinn mache, den Aufwand, erst eine Neuberechnung zu fordern und dann gegen die Ablehnung Widerspruch einzulegen, nicht einsehe. Aber das muss jeder anhand seines Sparwillens und seines Grundsteuerbescheides selber ermitteln.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.volkerkoenig.de/?flattrss_redirect&amp;id=527&amp;md5=63b99bc6afb8633481939695ea7fcab2" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>And the winner is&#8230;.</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Nov 2011 18:24:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[...in der Kategorie "br&#228;sigste Redaktion des Tages": ntv!
Herzlichen Gl&#252;ckwunsch! Heute um 13:15 habt Ihr unter @ntvde auf Twitter einen Link auf eine Schlagzeile gebracht. Es geht um einen erkrankten S&#228;nger. 
 Tata! 
Michael Jackson liegt seit 13:15 in einem Spezialbett. Ja Michael Jackson, der eigentlich in einem Sarg liegen sollte. 
Gemeint ist nat&#252;rlich George ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;in der Kategorie &#8220;br&#228;sigste Redaktion des Tages&#8221;: <strong>ntv</strong>!<br />
Herzlichen Gl&#252;ckwunsch! Heute um 13:15 habt Ihr unter @ntvde auf Twitter einen Link auf eine Schlagzeile gebracht. Es geht um einen erkrankten S&#228;nger. <span id="more-518"></span><br />
<a href="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/uploads/2011/11/Vollbildaufzeichnung-28.11.2011-190930.bmp.jpg"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/uploads/2011/11/Vollbildaufzeichnung-28.11.2011-190930.bmp-300x159.jpg" alt="" title="Vollbildaufzeichnung 28.11.2011 190930.bmp" width="300" height="159" class="alignleft size-medium wp-image-519" /></a> Tata!<br />
Michael Jackson liegt seit 13:15 in einem Spezialbett. Ja <em>Michael Jackson</em>, der eigentlich in einem Sarg liegen sollte.<br />
Gemeint ist nat&#252;rlich George Michael, wie im verlinkten <a href="http://www.n-tv.de/leute/Michael-Jackson-im-Spezialbett-article4875366.html">Artikel</a> sofort zu sehen ist. Jedenfalls im Artikel, denn im URL steht </p>
<blockquote><p>http://www.n-tv.de/leute/<strong>Michael-Jackson-im-Spezialbett</strong>-article4875366.html</p></blockquote>
<p>Inzwischen ist es 19:15, der <a href="https://twitter.com/#!/ntvde/status/141128014401519616">Tweet</a> wurde 50 mal retweetet, ich habe ihn zum Pick of the Day auf Favstar gemacht, unz&#228;hlige Mentions sollten der Redaktion inzwischen ersichtlich gemacht haben, dass ein Teil der Web 2.0-Gemeinde sich k&#246;stlich am&#252;siert<br />
Gro&#223;artig, ntv, so geht Web 2.0: Den Praktikanten Links auf die neuen Artikel in die Timeline pusten lassen und wieder schlafen legen.<br />
R&#252;ckkanal?<br />
Feedback?<br />
Qualit&#228;tssicherung (auch bekannt als &#8220;Redakteur&#8221;)?<br />
N&#246;.<br />
Brauchen wir nicht.<br />
Hat das Fernsehen doch nie.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.volkerkoenig.de/?flattrss_redirect&amp;id=518&amp;md5=b84452db40890fe66def4be5a4d8f5fa" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Minority Report</title>
		<link>http://www.volkerkoenig.de/2011/10/07/minority-report/</link>
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		<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 12:24:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Philip K. Dick seine Kurzgeschichte "Der Minderheiten-Bericht" schrieb, thematisierte er einen Wunschtraum, den viele Sicherheitspolitiker bis heute haben: Das Aufsp&#252;ren von Kriminellen bevor sie &#252;berhaupt ihre Tat begehen.
W&#228;hrend Dick das Aufsp&#252;ren der zuk&#252;nftigen T&#228;ter in die H&#228;nde von Personen legte, die mit Hilfe von Drogen hellseherische F&#228;higkeiten bekamen, schlagen Forscher in der realen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Philip_K._Dick">Philip K. Dick</a> seine Kurzgeschichte &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Minderheiten-Bericht">Der Minderheiten-Bericht</a>&#8221; schrieb, thematisierte er einen Wunschtraum, den viele Sicherheitspolitiker bis heute haben: Das Aufsp&#252;ren von Kriminellen bevor sie &#252;berhaupt ihre Tat begehen.<span id="more-508"></span><br />
W&#228;hrend Dick das Aufsp&#252;ren der zuk&#252;nftigen T&#228;ter in die H&#228;nde von Personen legte, die mit Hilfe von Drogen hellseherische F&#228;higkeiten bekamen, schlagen Forscher in der realen Welt andere Wege ein.<br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4kognition">Pr&#228;kognition</a> ist nun nicht unbedingt ein Feld, in das seri&#246;se Wissenschaftler und Politiker viele Hoffnungen stecken. Stattdessen wird immer wieder versucht, mit technischen Mitteln Einblicke in das menschliche Gehirn und die Gedanken, die darin gerade gedacht werden, zu bekommen.<br />
Da gibt es beispielsweise gerade einen <a href="http://www.netzwelt.de/news/88611-wissenschaft-gross-fortschritt-gedankenlesen.html">Bericht aus Berkeley</a>, der so klingt, als k&#246;nne man in wenigen Jahren auch gegen den Willen einer Person nachvollziehen, was sie tr&#228;umt oder sieht. Dass es weder neu aber doch nur ein erster Ansatz ist und auch nicht unbedingt den praktischen Nutzwert hat, den die Begeisterung &#252;ber das Experiment vorgaukelt, wurde aber <a href="http://www.scilogs.de/blogs/blog/menschen-bilder/2011-09-28/hirnforscher-traeume-entschluesseln">auch schon ausgef&#252;hrt</a>.<br />
Eine andere Meldung fiel mir gestern in die Finger und f&#252;hrte in einer <a href="https://www.facebook.com/groups/220889434631573/">Facebook-Gruppe</a> schon zu einer sehr fruchtbaren Diskussion.<br />
&#8220;<a href="http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wissen/article13643991/Hirnscanner-erkennt-paedophile-Neigungen-bei-Maennern.html">Hirnscanner erkennt p&#228;dophile Neigungen bei M&#228;nnern</a>&#8221; titelte die WELT und selbstverst&#228;ndlich hat auch der Sender mit den anscheinend meisten Fachleuten f&#252;r Sexualdelikte, RTL, <a href="http://www.rtl.de/cms/news/rtl-aktuell/paedophile-koennen-an-hirnstroemen-erkannt-werden-1ace0-51ca-12-889206.html">einen Bericht gebracht</a> und die Forscher interviewt.<br />
Was machen die Forscher?<br />
Mit einem bildgebenden Verfahren k&#246;nnen schon l&#228;nger die Aktivit&#228;ten innerhalb der Gehirnareale sichtbar gemacht werden. Bestimmte Areale k&#246;nnen schon seit Jahrzehnten <a href="http://www.netdoktor.de/Krankheiten/Anatomie/Gehirn-Aufbau-und-Funktionen-9372.html">bestimmten Emotionen und Aktivit&#228;ten zugeordnet</a> werden. Da dr&#228;ngt sich ein Experiment geradezu auf:<br />
Den Probanden wurden wenige Sekunden lang Bilder von nackten Kindern und von nackten Erwachsenen gezeigt.</p>
<blockquote><p>Die mittels funktionellem MRT gemessene Hirnaktivit&#228;t auf die jeweiligen Bilder wurde einem automatischen Klassifikationsprogramm zugef&#252;hrt, das nach Angaben der Forscher eine Zuordnungssicherheit von 95 Prozent erzielte. Bei p&#228;dophilen M&#228;nnern waren beim Betrachten von nackten Kindern andere Hirnareale aktiv, als bei gesunden M&#228;nnern. Die mit der neuen Methode erreichte Treffsicherheit wurde nach Angaben der Autoren bislang von keinem anderen Testverfahren auf P&#228;dophilie erreicht.<br /><i>Quelle: Die WELT</i></p></blockquote>
<p>&#8220;Jetzt kann man den T&#228;tern nachweisen, dass sie p&#228;dophil sind!&#8221; war nat&#252;rlich eine der ersten Reaktionen und v&#246;llig verst&#228;ndlich. Ich hab das auch im ersten Moment gedacht. Aber der Gedanke ist zu kurz gefasst.<br />
Sexualit&#228;t dient &#8211; was zun&#228;chst verwirrend klingt &#8211; nicht nur der Befriedigung rein sexueller Bed&#252;rfnisse. Wir sind nunmal keine nach einem Bauplan geschaffenen Maschinen, sondern jeder von uns ist &#8220;anders gestrickt&#8221;. Und es gibt reichlich Menschen, bei denen Sexualit&#228;t weniger auf sexuellen Reizen beruht, sondern auf Machtaus&#252;bung oder Unterwerfung. In vielen F&#228;llen kommt es bei Personen, <a href="http://www.miomedi.de/sexualitaet/sexualmedizin/stoerungen-sexualverhalten/paraphilien/sadismus/sadismus.html">die diese Spielarten praktizieren</a> gar nicht zwingend zu sexuellen Handlungen, der &#8220;Lustgewinn&#8221; wird auch aus dem Einnehmen der Rollen gezogen. Solange das im Konsens der Beteiligten geschieht mag das f&#252;r Au&#223;enstehende verst&#246;rend sein, aber ist eine legale und nicht zu beanstandende Spielart, auch, wenn Alice Schwarzer das in ihren Berichten &#252;ber den Kachelmann-Prozess immer wieder anders sah.<br />
Nat&#252;rlich spiegelt sich diese Spielart auch bei Sexualstraft&#228;tern wider. Es sind ausreichend F&#228;lle dokumentiert, wo sich bei Serient&#228;tern durch die erforderliche Gewaltaus&#252;bung der Reiz verschoben hat, und die sp&#228;teren Opfer nicht mehr missbraucht, sondern &#8220;nur&#8221; noch bestialisch get&#246;tet wurden. Und sowas kann durchaus in Einzelf&#228;llen auch schon die erste Tat motivieren &#8211; wie im Bericht von RTL ausgef&#252;hrt hatte der M&#246;rder von Mirco, der in Krefeld aktuell verurteilt wurde, offenbar gar keine sexuellen Absichten, sondern wollte augenscheinlich nur Macht aus&#252;ben.<br />
Auf diese Weise kann also nur ein Teil der T&#228;ter erkannt werden. Und &#8211; Moment! &#8211; es kann genau genommen gar kein T&#228;ter erkannt werden. Es kann mit 95%iger Sicherheit erkannt werden, ob eine Person durch Kinder sexuell erregt wird. Das sagt recht wenig dar&#252;ber aus, ob diese Person mal zum T&#228;ter wird. Auch in einem Prozess sagt das nichts aus. Mal unterstellt, es g&#228;be zwei Verd&#228;chtige, einer wird per Gehirnscan als zurecht p&#228;dophil erkannt, der andere nicht &#8211; anhand der Tat ist nicht zu erkennen, ob eine Sexualstraftat als Form der Machtaus&#252;bung stattfand oder aus sexueller Erregung. W&#252;rden Verd&#228;chtige derart gescannt, fielen alle rein macht- oder gewaltorientierten T&#228;ter durch das Raster und es g&#228;be eine tr&#252;gerische Sicherheit:</p>
<blockquote><p>Vorsichtige Sch&#228;tzungen gehen von 50.000 bis 200.000 p&#228;dophilen Menschen in Deutschland aus.<i><br />Quelle: <a href="http://www.kidsschutz.de/index.php?option=com_content&#038;task=view&#038;id=31&#038;Itemid=37">www.kidsschutz.de</a></i></p></blockquote>
<p>Trotz der vermuteten hohen Dunkelziffer sollte man davon ausgehen, dass der Gro&#223;teil der p&#228;dophil veranlagten Menschen keine Straftaten begeht. W&#252;rden derartige Gehirnscans also vor Gericht genutzt, um einen (rechtlich h&#246;chstwahrscheinlich sowieso nicht haltbaren) Schuldbeweis zu finden, liegt auf der Hand, dass durch die Ergebnisse T&#228;ter ent- und Unschuldige belastet werden, also echte T&#228;ter weiter frei herumlaufen. Weiterhin besteht die Gefahr, dass sexuelle und machtorientierte Reize als Motivation  zu unterschiedlichen Strafma&#223;en f&#252;hren &#8211; das will wirklich niemand, denn die Tat bleibt ungeachtet der durch sie befriedigten Triebe dieselbe.<br />
Die Methode ist also &#8211; genauso wie der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCgendetektor">Polygraph</a> &#8211; als forensische Methode vollkommen ungeeignet, da sie keine Hinweise darauf bringt, <em>ob</em> eine Person eine Tat begangen hat. Sie geh&#246;rt in die Scheinwelt der CSI-Serien verbannt.<br />
Und wie ist das mit einer Art &#8220;P&#228;dophilieprophylaxe&#8221;, einem Scan, um mutma&#223;liche T&#228;ter zu finden? Damit potentielle T&#228;ter nicht beruflich mit Kindern in Kontakt kommen?<br />
Da sind wir genau bei dem Problem, das Philip K. Dick in seiner Kurzgeschichte beschrieben hat: Es kann nur festgestellt werden, welche Personen von Kindern sexuell erregt werden, nicht, welche Personen zu T&#228;tern werden. Und selbst diese Trefferquote ist tr&#252;gerisch.<br />
Angenommen, man w&#252;rde alle M&#228;nner ab 16 Jahren derart scannen, um P&#228;dophile zu erkennen. Bei den angenommenen bis zu 200.000 P&#228;dophilen und 95% Trefferquote w&#252;rden 10.000 der Betroffenen gar nicht erkannt. Auch wenn das akzeptabel erscheint &#8211; die Gegenprobe gibt zu Denken.<br />
2009 lebten in Deutschland 81,8 Millionen Menschen, davon waren 70,8 Millionen &#228;lter als 15. 49,03% der Bev&#246;lkerung sind m&#228;nnlich, das entspricht 34,7 Millionen M&#228;nnern &#252;ber 15 Jahren.<br />
Eine Trefferquote von 95% klingt zun&#228;chst hervorragend, aber sie entspr&#228;che 1,7 Millionen f&#228;lschlicherweise als p&#228;dophil eingestuften M&#228;nnern.<br />
Es w&#252;rde also eine Zahl von Menschen, die der Bev&#246;lkerung von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg">Hamburg</a> entspricht, in ihren Grundrechten z.B. auf freie Berufswahl eingeschr&#228;nkt, um zu verhindern, dass 200.000 Personen (ungef&#228;hr die Einwohnerzahl von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mainz">Mainz</a>) also 12% von ihnen, weniger Chancen bekommen, T&#228;ter zu werden? Hier f&#252;hren die 95% Trefferquote zu einer realen Fehlerquote von 88%! </p>
<p>Nochmal die Zahlen zusammengefasst:</p>
<ul>
<li>Sexuellen Straftaten an Kindern beruhen nicht zwangsl&#228;ufig auf sexuellen Reizen.</li>
<li>Die vorgestellte Methode kann lediglich erkennen, ob eine Person von Kindern sexuell erregt wird, Personen, bei denen die Machtaus&#252;bung den Reiz ausl&#246;st, werden nicht erkannt</li>
<li>Es kann nicht erkannt werden, ob eine Person eine bestimmte oder irgendeine Tat begangen hat.</li>
<li>Derzeit geht man von bis zu 200.000 p&#228;dophilen Menschen in Deutschland aus, die auf diese Weise erkannt werden k&#246;nnten</li>
<li>Bei 95% Trefferquote und 34,7 Millionen m&#228;nnlichen Personen &#252;ber 15 w&#252;rden hingegen bis zu 1,7 Millionen Personen falsch positiv erkannt
</li>
</ul>
<blockquote><p>Die Autoren der Studie sind davon &#252;berzeugt, dass das von ihnen entwickelte neue Verfahren in Zukunft zur objektiven Diagnose einer P&#228;dophilie genutzt werden kann.<br /><i>Quelle: Die WELT</i></p></blockquote>
<p><strong>Nennen wir dieses Forschungsergebnis nun eher &#8220;seri&#246;s&#8221; oder eher &#8220;mediengeil&#8221;?</strong><br />
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/6268886cd774475d9df0129930fcc32e" width="1" height="1" alt=""></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.volkerkoenig.de/?flattrss_redirect&amp;id=508&amp;md5=e737ad37fad3d30e24f483978870b246" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Googles Realnamen-Satire</title>
		<link>http://www.volkerkoenig.de/2011/10/07/googles-realnamen-satire/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 23:09:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich musste eben doch heftig grinsen.
Auch mein Second Life P&#252;ppi sollte ein Google+-Profil bekommen. Viel machen wollte ich nicht, nur halt aus Prinzip wegen Pseudonym und so. Und da sieht man doch tats&#228;chlich Dinge, die die Realnamenpflicht zur Realsatire machen.
Wenn man jetzt, wo G+ f&#252;r alle offen steht, einen Account er&#246;ffnet, werden von den ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich musste eben doch heftig grinsen.<br />
Auch mein Second Life P&#252;ppi sollte ein Google+-Profil bekommen. Viel machen wollte ich nicht, nur halt aus Prinzip wegen Pseudonym und so. Und da sieht man doch tats&#228;chlich Dinge, die die Realnamenpflicht zur Realsatire machen.<span id="more-502"></span><br />
Wenn man jetzt, wo G+ f&#252;r alle offen steht, einen Account er&#246;ffnet, werden von den bestehenden Mitspielern einige sch&#246;n in Kategorien angeordnet vorgeschlagen.<br />
Man bekommt zum Beispiel folgende Vorschl&#228;ge in der Kategorie &#8220;Lustig &#038; Interessant&#8221;:<br />
<a href="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/uploads/2011/10/Vollbildaufzeichnung-07.10.2011-005359.bmp.jpg"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/uploads/2011/10/Vollbildaufzeichnung-07.10.2011-005359.bmp-300x243.jpg" alt="" title="Vollbildaufzeichnung 07.10.2011 005359.bmp" width="300" height="243" class="alignleft size-medium wp-image-503" /></a> (Bitte aufs BIld klicken, um es in voller Gr&#246;&#223;e zu sehen).<br />
Da ist zum Beispiel <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kassem_G">Kassem G</a>. Das ist ein Komiker. Eigentlich heisst er ja Kassem Gharaibeh, aber das ist ein K&#252;nstlername, mithin ein Pseudonym.<br />
Oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/April_Flowers">April Summers</a>, die auch auf den Namen April Flowers h&#246;rt und sicherlich auf ihrem F&#252;hrerschein auch einen ganz anderen Namen tr&#228;gt.<br />
Und auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Violet_Blue">Violet Blue</a> ist ein Pseudonym, und wie ich vermute nicht das der Schriftstellerin, sondern das der Pornodarstellerin.<br />
Diese Google+-Profile wurden von Google-Mitarbeitern angesehen, als vorschlagsw&#252;rdig empfunden und nach einer Bewertung in bestimmte Kategorien gesteckt. Dass wenigestens Kassem G ein Pseudonym benutzt, das jedem als solches auffallen <em>muss</em>, steht au&#223;er Frage.<br />
Aber klar: Amerikanische Komiker und Pornodarsellerinnen m&#252;ssen ja vor zudringlichen Fans gesch&#252;tzt werden, anders als chinesische Dissidenten, die gefahrlos unter ihren Realnamen auf Google+ agieren k&#246;nnen.</p>
<p>Oder seh ich das zu eng?</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.volkerkoenig.de/?flattrss_redirect&amp;id=502&amp;md5=f407beeab9a07436a67adcf0faa0349d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Spa&#223; mit Facebook: Was man so &#8220;intelligent&#8221; nennt</title>
		<link>http://www.volkerkoenig.de/2011/09/21/spas-mit-facebook-was-man-so-intelligent-nennt/</link>
		<comments>http://www.volkerkoenig.de/2011/09/21/spas-mit-facebook-was-man-so-intelligent-nennt/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 11:57:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.volkerkoenig.de/?p=482</guid>
		<description><![CDATA[Google+ hat eine Reihe praktischer Features wie die M&#246;glichkeit, mit asymmetrischen Followings &#252;ber Listen zu kontrollieren, wer welche Updates sehen darf und wessen Updates man selber sehen will. Da will Facebook nat&#252;rlich nicht hintanstehen, denn die G+-Features k&#246;nnten vielleicht den einen oder anderen Facebookuser dazu bewegen, Facebook zu verlassen.
Es fing mit der M&#246;glichkeit an, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Google+ hat eine <a href="http://www.volkerkoenig.de/2011/07/03/ein_plus_von_google/">Reihe praktischer Features</a> wie die M&#246;glichkeit, mit asymmetrischen Followings &#252;ber Listen zu kontrollieren, wer welche Updates sehen darf und wessen Updates man selber sehen will. Da will Facebook nat&#252;rlich nicht hintanstehen, denn die G+-Features k&#246;nnten vielleicht den einen oder anderen Facebookuser dazu bewegen, Facebook zu verlassen.<span id="more-482"></span><br />
Es fing mit der M&#246;glichkeit an, auch Menschen, mit denen man keine (bilaterale) Freundschaft hat zu &#8220;<a href="http://www.mobilfunk-talk.de/news/39238-facebook-neues-feature-twitter-follower/">folgen</a>&#8220;, also deren Updates mit auf der eigenen Pinwand zu sehen, sofern sie dies erlauben.<br />
Vor einigen Tagen kamen &#8220;intelligente Listen&#8221; hinzu.<br />
Listen sollen die Organisation der Freunde vereinfachen, augenscheinlich analog zu den Kreisen bei Google+. Und die Intelligenten Listen, in die schon Freunde &#8211; soweit das anhand ihrer Profildaten erkennbar war &#8211; vorsortiert wurden, schienen zuerst eine Art Ansto&#223; f&#252;r die Facebookianer zu sein, die noch keine Listen verwendet hatten.<br />
<a href="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/uploads/2011/09/Vollbildaufzeichnung-21.09.2011-132024.bmp.jpg"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/uploads/2011/09/Vollbildaufzeichnung-21.09.2011-132024.bmp.jpg" alt="" title="'Intelligente' Listen" width="207" height="158" class="alignleft size-full wp-image-483" /></a>So hatte ich auf einmal eine Reihe solche automatisch generierter Listen. Die Liste &#8220;Enge Freunde&#8221; f&#252;llte ich selber, f&#252;r &#8220;T&#246;nisvorst-Umgebung&#8221; gab es einige korrekt einsortierte Mitglieder und Vorschl&#228;ge. Die ich dann auch alle hinzuf&#252;gte &#8211; ich wollte schon l&#228;nger die Listen nutzen, scheute nur den Aufwand, und wenn Facebook mir die Arbeit jetzt abnimmt? Toll, dachte ich.<br />
Allerdings hatten andere schon <a href="http://www.wirtschaftsfaktor-sprache.de/als-ich-ueber-100-facebook-kontakte-zu-mitarbeitern-machte/">lustige Erlebnisse</a> mit der sogenannten &#8220;Intelligenz&#8221;.<br />
<a href="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/uploads/2011/09/Vollbildaufzeichnung-21.09.2011-134038.bmp.jpg"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/uploads/2011/09/Vollbildaufzeichnung-21.09.2011-134038.bmp-150x150.jpg" alt="" title="Vollbildaufzeichnung 21.09.2011 134038.bmp" width="150" height="150" class="alignleft size-thumbnail wp-image-486" /></a>Und auch ich wurde stutzig, als ich von Facebook gefragt wurde, ob die Einordnung eines fr&#252;heren Kollegen zu seiner jetzigen Firma korrekt sei.<br />
Ganz offensichtlich f&#252;hrt das Einsortieren einer Person in die Liste zu einer Anfrage bei dieser Person, ob das OK ist &#8211; und passt nach Best&#228;tigung ggf. das Profil der Person an.<br />
Auch <a href="http://pr-doktor.de/">Kerstin Hoffmann</a> fiel das auf &#8211; bei ihr war es das Einsortieren in eine Listen der Leute, die in der N&#228;he wohnen.<br />
Die &#8220;Intelligente Liste&#8221; hat also nicht nur f&#252;r den Benutzer einen Sinn &#8211; der gewollte Nebeneffekt ist, dass Facebookprofile detaillierter werden. Dass von Familie Zuckerberg mal wieder &#8220;vergessen&#8221; wurde, die Au&#223;enwirkung der Listen zu dokumentieren, ist sicher nur ein mal wieder ein &#8220;Versehen&#8221;.<br />
Den finanziellen Vorteil durch unz&#228;hlige versehentlich um Wohnorte, Arbeitgeber und mehr erweiterte Profile, denen noch zielgerichter Werbung zugeordnet werden kann, k&#246;nnte Facebook durchaus mal einem guten Zweck zukommen lassen.<br />
Au&#223;erdem bin ich gespannt, was Thilo Weichert dazu sagen wird, wo er doch gerade den Anschein erwecken konnte, Facebook in die Knie gezwungen zu haben, was die Nutzung der via Like-Button <a href="http://www.volkerkoenig.de/datenschutzhinweis/">gesammelten Daten</a> angeht.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.volkerkoenig.de/?flattrss_redirect&amp;id=482&amp;md5=8e471ad348162be870a914770a150f54" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Real, irreal, scheissegal? Zur Klarnamendiskussion (Nachtrag)</title>
		<link>http://www.volkerkoenig.de/2011/09/05/real-irreal-scheissegal-zur-klarnamendiskussion/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 15:34:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Moment werde ich durch die Klarnamendiskussion auf Google+ an die Gute Alte Zeit erinnert, als Computernetze nur von Nerds bev&#246;lkert wurden. Seit dem ist alles etwas komplizierter geworden. 
In der ersten H&#228;lfte der 1990er war ich in mehreren Computernetzen online. Also quasi, das waren n&#228;mlich Mailboxnetze, die Mails und Forennachrichten nachts per Telefonanruf ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Moment werde ich durch die Klarnamendiskussion auf Google+ an die Gute Alte Zeit erinnert, als Computernetze nur von Nerds bev&#246;lkert wurden. Seit dem ist alles etwas komplizierter geworden. <span id="more-474"></span><br />
In der ersten H&#228;lfte der 1990er war ich in mehreren Computernetzen online. Also quasi, das waren n&#228;mlich Mailboxnetze, die Mails und Forennachrichten nachts per Telefonanruf in Pushing- und Pollingwellen verbreitet haben. Offline-Netze sozusagen.<br />
Obwohl in den rein lokalen Mailboxen die meisten User unter Pseudonymen unterwegs waren, war es in den Netzen damals Usus, den Realnamen zu offenbaren. Zumindest im internationalen FIDO-Netz und dem ComLink bzw. /CL. Der Grund war simpel: Die Netzressourcen waren wirklich knapp und wurden von idealistischen Sysops bereitgestellt, da wollte man Trollereien tunlichst vermeiden. Was die echten Trolle aber nicht daran hinderte, trotzdem aktiv zu werden.<br />
Obwohl &#8211; oder gerade weil? &#8211; die Realnamen bekannt waren, gab es reichlich Teilnehmer, die eine besondere Funktion vieler sogenannter &#8220;Pointprogramme&#8221; &#8211; der Offline-Reader f&#252;r die Netze &#8211; nutzten. XPoint (Crosspoint, sehr sch&#246;ne Software, die viele Netze unter einer Oberfl&#228;che versammelte) zum Beispiel unterst&#252;tzte sie: Das Posten ohne Angabe der realen Uhrzeit. Damit sollte verhindert werden, dass der Staatsschutz/der BND/die Kripo/Einbrecher und andere b&#246;se Buben anhand der Uhrzeiten der Postings Bewegungsprofile herstellen konnten.<br />
Ein Freund von mir wollte im /CL statt seines Vornamens seinen Spitznamen benutzen &#8211; der Nachname blieb gleich und durch die gleichen Anfangsbuchstaben von Vor- und Spitznamen passte sogar die Mailadresse auf beide Varianten. Es ging ihm nur um den Anzeigenamen und darum, dass sogar die Familie ihn mit dem Spitznamen rief, also kaum jemand den amtlichen Vornamen kannte.<br />
Es wurde ihm mit Verweis auf die /CL-Statuten nicht erlaubt.<br />
Er verwies auf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Padeluun">padeluun</a>, &#252;ber dessen Namen auch regelm&#228;&#223;ig diskutiert wurde. padeluun jedoch (oder //padeluun, wie er sich damals in der Mailsignatur schrieb) schl&#252;pfte durch eine L&#252;cke der /CL-Statuten. Die besagten, dass man unter jedem Namen, der im Personalausweis oder Reisepass steht, arbeiten kann &#8211; und er hatte den K&#252;nstlernamen l&#228;ngst in seine Papiere aufnehmen lassen.<br />
Rund 20 Jahre sp&#228;ter ist das Vorzeichen um 180° gedreht.<br />
Wenn Facebook und Google+ mit exakt den gleichen Argumenten wie damals eine Realnamenplicht vorschreiben wollen, wird dagegen genauso gewettert, wie andererseits Kontrollverlust bzw. Post Privacy-Bef&#252;rworter keine gro&#223;en Geheimnisse aus ihren Lebensumst&#228;nden machen.<br />
Der Platz der Netze im realen, t&#228;glichen Leben hat sich rapide ver&#228;ndert.<br />
Das eine Internet ist viel unterschiedlicher bev&#246;lkert, als die Mailboxnetze es damals waren. F&#252;r immer mehr Menschen ist es allt&#228;glich, sich &#8220;im Netz zu bewegen&#8221;, und sie wollen dabei m&#246;glichst den Komfort haben, den sie auch in der Kohlenstoffwelt haben: Sie wollen ohne Namenstag &#252;ber ihrem Kopf in den Supermarkt gehen und schnell die Toilette des Burgerbr&#228;ters benutzen, ohne dort etwas verzehren zu m&#252;ssen oder hinterher eine Rechnung zugeschickt zu bekommen, weil ihre Identit&#228;t und dass sie dort nichts konsumiert hatten nachtr&#228;glich ermittelt werden kann,<br />
Anonymit&#228;t ist in 95% aller Alltagsgesch&#228;fte die Regel. Wenn ich am Kaffeeautomaten im B&#252;ro einen Kaffee ziehe brauche ich mich dem Automaten gegen&#252;ber nicht zu identifizieren und ohne DNA-Analyse wird es schwierig, den eingeworfenen M&#252;nzen anzusehen, dass sie von mir sind.<br />
Es gibt viele Rechtsgesch&#228;ft von Belang, die aus guten Gr&#252;nden nicht anonym ausgef&#252;hrt werden k&#246;nnen. Aber bei den meisten ist es egal. Es ist der FAZ egal, ob ich sie kaufe oder mein Nachbar, Hauptsache sie wird bezahlt.<br />
Das Internet, in dem viele Angebote &#252;ber Reklame finanziert werden, hat nun Begehrlichkeiten geweckt. Personenprofile sollen Reklame individueller machen. Die Anonymisierungsm&#246;glichkeiten der Browser haben zu einer Art <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/6/150231">Wettr&#252;sten</a> mit der &#8220;Profilindustrie&#8221; gef&#252;hrt.<br />
Dieses Bed&#252;rfnis nach Anonymit&#228;t hat sogar der in Sachen Internet oft etwas tr&#228;ge deutsche Gesetzgeber verstanden und im §13 Abs. 6 des <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/tmg/BJNR017910007.html">Telemediengesetzes</a> vorgeschrieben:</p>
<blockquote><p>Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu erm&#246;glichen, soweit dies technisch m&#246;glich und zumutbar ist. Der Nutzer ist &#252;ber diese M&#246;glichkeit zu informieren.</p></blockquote>
<p>Jetzt wehren sich Google und Facebook genau dagegen, und das mit einem Argument, das schon in den fr&#252;hen 1990ern widerlegt wurde &#8211; viel schlimmer noch: auf /CL und im FIDO-Netz schwirrten die ersten 419er-SCAM-Bettelbriefe &#246;ffentlich durch die Foren und mussten von den Admins und Sysops per Kill-Posting wieder global gel&#246;scht werden.<br />
Selber nutze ich seit &#252;ber 15 Jahren kaum noch Pseudonyme, aber wenn ich es tu, dann aus gutem Grund. Manchmal ist es gerade gesellschaftlich wichtig, seine Identit&#228;t zu verschleiern, und dazu muss man kein Whistleblower sein.<br />
Beratungsangebote und Selbsthilfegruppen k&#246;nnen ohne Pseudonyme nicht existieren. Ihre Angebote w&#252;rden Google und Facebook aus ihren sozialen Netzen aussperren, wenn Teilnehmer sich nicht unter Pseudonym an sie wenden k&#246;nnten.</p>
<p>Ohne Pseudonyme wird der Nutzen der Nutzen von Social Media eingeschr&#228;nkt. Pseudonyme sind erforderlich, damit die Passanten in den Social Media, die nicht als Protagonisten oder Meinungsf&#252;hrer agieren wollen, sondern nur rezipieren, was andere sagen, weiter Passanten bleiben. Die Argumentation der Dienstebetreiber ist da auch nicht nachvollziehbar:<br />
Wenn Google und die Zuckerbergs echte Realnamen haben wollen, m&#252;ssen sie mit PostIdent oder einem &#228;hnlichen Dienst alle pr&#252;fen. Aber wieso? Durch Cookies und Mailadressen k&#246;nnen sie ja sowieso alle Bewegungen einer Person zum Profiling zusammenf&#252;hren. Da spielt es doch sowas von keine Rolle, ob der Sascha wirklich Lobo mit Nachnamen heisst &#8211; Hauptsache, die Werbung ist zielpersonenbezogen.</p>
<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/71c060500d9f473ea4833c0d2a603420" alt="" width="1" height="1" /><br />
<strong>Nachtrag</strong><br />
Ich wusste, dass ich es noch irgendwo habe, und jetzt hab ichs im Archiv gefunden. Eine der ersten Beleidigungsklagen. FIDO-Netz, Realnamenzwang. Was hat es gebracht? Nichts. Nur Diskussionen &#252;ber das F&#252;r und Wider.</p>
<hr />
<p><code><br />
===========================================================<br />
* Forwarded by Karin Janssen (2:2433/401.46)<br />
* Area : MAILBOXRECHT.GER<br />
* From : Karin Janssen@2:2433/401.46<br />
* To : Alle<br />
* Subj.: Zukunft von FidoNet<br />
* Date : 18.02.96<br />
===========================================================</p>
<p>Hallo an alle,<br />
manch einem wird noch bekannt sein, dass es im Herbst vorigen Jahres dazu kam, dass ein Fido-Node einen anderen Fido-Node wegen Beleidigung in einem Fido-Echo angezeigt und Strafantrag nach 185 gestellt hat.</p>
<p>Detlef Nick informierte darueber in der NODE_ORG.024. In diesem Zusamenhang wurde unter anderem geaeussert, dass man sich bei einem eventuellen Richterspruch Gedanken machen muesse, ob, bzw. wie entsprechende Fido-Echos weitergefuehrt werden sollen, in denen vorrangig ein "anderer" Umgangston als gegeben vorausgesetzt wird.</p>
<p>Vergangen Montag fand nunmehr vor dem Amtsgericht in Rheinbach die Verhandlung im Rahmen eines Strafverfahrens nach  185 statt.</p>
<p>Ich habe persoenlich an dieser Verhandlung teilgenommen und moechte nunmehr auf diesem Wege darueber informieren, aber auch dazu anregen, dass sich jeder Einzelne mal Gedanken darum macht, wie etwaige<br />
Auswirkungen auf das FidoNet zu sehen sind. Im Grossen und Ganzen handelt es sich um ein Gedaechtnisprotokoll und erhebt damit keinen Anspruch auf Vollstaendigkeit, aber ich hoffe, die Kernaussagen schon richtig wiedergeben zu koennen.</p>
<p>Jetzt aber erst mal zur bereits angesprochenen Verhandlung.</p>
<p>Ich werde jetzt bewusst Namen rauslassen, da mir die Sache an sich wichtig ist, und nicht, ob der verklagte Node dies nun verdient habe oder nicht. Im Vorfeld hatte der Beklagte in einer ersten Stellungnahme wahrheitsgerecht dargestellt, dass die Echo-Mail, in der die Beleidigung geaeussert wurde auch von ihm geschrieben wurde.</p>
<p>Festzustellen bleibt erst mal, dass die Staatsanwaltschaft sich hier eingeklinkt hat und hier also die Wahrung des oeffentlichen Interesses bekundet wird.</p>
<p>Dieser verlas zu Beginn die Klageschrift, wobei die besagte Mail, die der Beklagte an die Klaegerin schrieb Wort fuer Wort zitiert wurde. Das Wort "Message" verunsichterte ihn. Mit dem zitieren des Headers hoerte man schon leichte Stolperer heraus. Beim Subject kam folgendes: "Subjekt: RE: - wobei ich jetzt nicht weiss, was das bedeuten soll - Berliner Schnepfe". (Das ist jetzt fast woertlich zitiert!)</p>
<p>Mehr war im Laufe des Prozesses von Seiten des Staatsanwaltes nicht mehr zu vernehmen.</p>
<p>Der Anwalt des Beklagten, Herr Rechtsanwalt Stroemer versuchte darzulegen, unter welchem Hintergrund diese Mail geschrieben wurde, versuchte ueberhaupt klar zu machen, dass es in diversen Foren innerhalb der DFUe einen gewissen Sprachjargong gaebe, der diese Beleidigung relativieren koenne.</p>
<p>Der Richter konterte damit, dass auch in solchen Foren Beleidigungen nur erlaubt seien, wenn es eine Einwilligung in eine Rechtsgutverletzung geben wuerde. D.h. jeder Teilnehmer muesse vorab erklaeren, dass er damit einverstanden ist, eventuell beleidigt werden zu koennen. Eine solche Einwilligung sei von der Klaegerin nicht abgegeben worden.</p>
<p>Ein erneuter Vorstoss, auf eine eigene Kulturwelt innerhalb der Kommunikationnetze hinzuweisen, wurde mit der spoettischen Bemerkung des Richters quittiert, dass das ja wohl kein Aushaengeschild fuer diese Art der Kommunikation sein koenne.</p>
<p>Der Versuch, klar zu machen, dass speziell in der CHAUVI.GER das Wort "Schlampe" zum Umgangston gehoere, und dass in diesem speziellen Fall die Teilnehmer dieses wissen und der Hinweiss, dass dies nicht beleidigend vom Angeklagten gemeint sei und deshalb auch in Anfuehrungszeichen stehe, wurde mit einer weiteren klaren Aussage des Richters quittiert:<br />
Das Worte 'Schlampe' ist in der Rechtssprechung eine klare Herabsetzung der Ehre. Dabei spielt es keine Rolle, ob es mit oder ohne Anfuehrungszeichen geschrieben sei.</p>
<p>Als naechstes unternahm Herr Stroemer den Versuch, klar zu stellen, dass es sich bei der Person der Klaegerin um ein Art Pseudonym eines anderen an der Diskussion beteiligten handle und er der eigentlich Angesprochene sei, dass der Beklagte also ein Spiel, dass von diesem Node mit diesem Namen gespielt wurde nur fortsetzen wuerde.</p>
<p>Richtig, auch hier hatte der Richter klare Einwaende: In diesem Brief wuerde eine direkte Ansprache an die Klaegerin erfolgen. Daher sehe er keinen Grund, hier eine andere Person in irgendeiner Weise mit beruecksichtigen zu koennen.</p>
<p>Ganz klar gab der Richter zu verstehen, dass es im vorliegenden Fall einen Absender und einen Empfaenger gaebe, beide Personen seien identifizierbare Personen, es gaebe den Straftatbestand der Beleidigung nach  185 und der Strafantrag sei fristgerecht gestellt worden. Das seien die Tatsachen, daran wuerde er sich eben auch halten.</p>
<p>Herr Stroemer versuchte dann, darauf hinzuweisen, dass eine Strafverfolgung wie in diesem Falle ungeahnte Auswirkungen haben wuerde, die eben in einer Vielzahl von aehnlich gelagerten Prozessen fuehren koennte.</p>
<p>Der Richter aeusserte ganz klar, dass diese Verhandlung in seinen Augen eine Einzelsache sei, also kein Exempel und daher wuerde auch keine Prozesswelle zu befuerchten sein. Er geht ganz klar davon aus, dass sich das Verhalten der User in Kommunikationsnetzen aendern sollte.</p>
<p>Als letztes wurde versucht zu verdeutlichen, dass die technischen Gegebenheiten innerhalb der Kommunikationsnetze jeden Spielraum lassen wuerden, unter jedem beliebigen Namen eine entsprechende Mail schreiben zu koennen.</p>
<p>Auch hier blockte der Richter ganz klar ab. Ein Hinweis darauf, dass der Absender fraglich sei, ziehe nicht.</p>
<p>Es erfolgte ein Vorstoss von Herrn Stroemer in die Richtung, dass eben bei diesem neuen Medium der Kommunikation ueber Datennetze nicht geklaert sei, ob hier Presserecht zur Anwendung kommen koenne, dass also der Schreiber einer Mail gleichzeitig sein eigener Verfasser sei.</p>
<p>Fast ein wenig empoert meinte der Richter, der Herr Verteidiger wolle damit doch wohl nicht andeuten, dass es dort einen rechtsfreien Raum geben wuerde. Weiterhin koenne man nicht davon ausgehen, dass die Freiheit der Rede die Erlaubnis zur formellen Beleidigung beinhalten wuerde.</p>
<p>Mit einer nicht zu uebersehenen Ungehaltenheit des Richters unterbracht er mehr oder weniger jeden weiteren Versuch des Herrn Stroemer, um noch weitere Ansaetze zu benennen, die zur Verdeutlichung haetten dienen<br />
koennen. Er wuerde die Sache zum Schluss bringen und schlug eben dann die Ermahnung und Geldbusse von DM 300,-- vor.</p>
<p>Herr Stroemer forderte darauf die Einstellung des Verfahrens wegen Geringfuegigkeit. Der Staatsanwalt machte daraufhin die Bemerkung, dass die Geringfuegigkeit bei diesem Strafmass schon beruecksichtigt sei.</p>
<p>Der Richter blieb unbeirrbar bei seinem Strafmass, drunter wuerde er auch keinen Fall gehen. Er gab nochmal ausdruecklich bekannt, dass sowohl die Staatsanwaltschaft als auch er die Eindeutigkeit in diesem Fall als gegeben ansehen.</p>
<p>Herr Stroemer bat um 5 Minuten Besprechungszeit mit seinem Mandanten. Herr Stroemer und der Beklagte haben dann diesen Richterspruch angenommen.</p>
<p>Der Beklagte wurde also leidglich ausdruecklich ermahnt, Beleidigungen gegen Dritte, egal wo auch immer, ob in einem Kommunikationsnetz oder per Telefon in Zukunft zu unterlassen. Ergaenzt wurde diese Ermahnung dadurch, dass er hoffentlich gemerkt habe, dass dies sehr ernst gemeint ist. Mit der Auflage der Zahlung einer einmaligen Geldbusse in Hoehe von DM 300,-- wurde das Verfahren vorlaeufig eingstellt.</p>
<p>Der Richter gab dann bekannt, sobald die Geldbusse gezahlt sei, wuerde dann die endgueltige Einstellung des Verfahrens folgen. Die Kosten der Verhandlung traegt die Staatskasse, die Kosten der Verteidigung traegt<br />
der Beklage selbst.</p>
<p>==============================================================</p>
<p>So, anmerkend sei noch hinzugefuegt, dass es zu diesem geringen Strafmass kam, weil dieser Prozess nach dem Jugendstrafrecht gefuehrt wurde. Zum Zeitpunkt der Tat war der Beklagte noch nicht volljaehrig. Weiterhin<br />
konnte so vermieden werden, dass der Beklagte als vorbestraft gelten wuerde. Im Vorfeld wurde hier auch das Jugendamt eingeschaltet, dass dem Richter einen entsprechenden befuerwortenden Bericht abgegeben hatte.</p>
<p>In dieser Angelegenheit wird es aber sicherlich noch zu einem zivilrechtliche Verfahren kommen, in welchem die Klaegerin mit ihrem Anwalt (Herrn v. Gravenreuth) versuchen wird, finanzielle Forderungen durchsetzen zu koennen.</p>
<p>Soweit also der Ablauf des Prozesses im Grossen und Ganzen. Anschliessend fand auf dem Flur noch ein ziemlich ausfuehrliches Gespraech mit Herrn Stroemer statt. Er ist der Meinung, dass dieses sehr wohl weitere Auswirkungen haben wird und das es weitere Prozesse dieser Art geben wird.</p>
<p>Ganz klar wurde erkannt, dass weder der Richter, noch der Staatsanwalt gewillt waren, irgendwelche Hinweise auf Besonderheiten der Kommunikation ueber Datennetze annehmen zu wollen. Dass da schlichtweg eine Unsicherheit, wegen dem Unbekannten hinterstand, liegt auf der Hand. Nur aendert dieser Umstand nichts an der Tatsache, dass trotzdem Urteile in solchen Prozessen gesprochen werden. Hier zwar ein relativ mildes Urteil, eben weil es im Rahmen des Jugendstrafmasses erfolgte, aber jeder andere Erwachsene haette hier in diesem Fall den Saal mit<br />
Tagessaetzen verlassen. Daran gibt es nichts zu ruetteln.</p>
<p>Auf die Erklaerung zur Einwilligung der Rechtsgutverletzung gab er ganz klar die Antwort, dass dann jeder Teilnehmer eines Echos eine schriftliche Erklaerung dazu abgeben muesse, dass er damit einverstanden sei, Beleidigungen hinzunehmen ohne eine Strafrechtsverletzung zur Anzeige bringen zu wollen. Also im Fido schlichtweg ein Ding der Unmoeglichkeit.</p>
<p>Der alleinige Hinweis in entsprechenden Rules habe keine rechtswirksamen Auswirkungen, diese werden - wenn ueberhaupt - als eine Art Spielregeln ausgelegt, an die man sich halten koenne oder auch nicht. Also hat Fido auch hier keine greifbare Moeglichkeit, einen Ansatz zur Problemloesung zu finden.</p>
<p>Ach ja, von Herrn Stroemer kam noch der Hinweis, dass die Rechtslage einfacher zu klaeren und darzulegen sei, wenn man Fido als einen Verein definieren wuerde und eine Satzung haette. Aber ich weiss genauso gut wie jeder andere, dass das Thema Fido und Verein ein ueberaus schwieriges Thema ist.</p>
<p>Sicherlich werden viele das verharmlosen, weil man ja im Normalfall auf Grund der technischen Voraussetzungen im FidoNet jederzeit eine Mail faelschen oder auch verfaelschen kann. Nur aendert das nichts an der Tatsache, dass jegliche Art einer Aeusserung, die in der deutschen Rechtssprechung unter den Tatbestand der Beleidigung dargestellt ist, auch jederzeit geahndet werden wird, sofern jemand meint, eine entsprechende Beleidigung zur Anzeige bringen zu wollen.</p>
<p>Weiterhin kann es nicht Sinn vom Fido sein, dass die technische Unmoeglichkeit, den 100%igen Nachweis zu erbringen, dass eine Mail auch von der danach identifizierten Person geschrieben wurde, dazu fuehrt, dass dies als Freibrief gesehen wird, zu beleidigen, zu flamen und zu mobben, da man sich ja so sicher fuehlen kann, und im Falle eines Falles immer alles abstreiten kann. Auf Grund dieses technischen Mankos wird vieles im Fido geschrieben, was unter anderen Umstaenden eben nicht geschehen wuerde.</p>
<p>Vor allem sollte man nicht vergessen, diese ganze Sache langfristig zu sehen und zu beurteilen. Wenn es moeglich sein sollte, in folgenden Prozessen eine Einstellung zu erwirken, weil eben kein direkter Absender namentlich auf Grund technischer Gegebenheiten feststellbar ist, so wird dies von Seiten der Rechtssprechung sicherlich nicht lange akzeptiert werden. Im Rahmen der Rechtssprechung im Verkehrsstrafrecht gibt es eben mittlerweile Delikte, fuer die der Halter eines Fahrzeuges haftbar gemacht wird, eben dann, wenn sich der Fahrer nicht einwandfrei identifizieren laesst.</p>
<p>Dies laesst sich eben auch sehr gut im Fido ummuenzen, indem eben dann der entsprechende Node, von dessen Box oder System die Mail nachweisbar ausging, zur Rechenschaft gezogen werden wird.</p>
<p>Dieses wuerde dann jeglichem Missbrauch Vorschub leisten. Die Folgen kann sich wohl jeder selber ausmalen.</p>
<p>Was geschieht nun hier im Fido? Hat dies alles Auswirkungen, wenn ja, wie kann reagiert, oder mehr noch agiert werden?</p>
<p>Fido ist lebendig, aber damit auch verletzbar. Und dies zeigt sich in der heutigen Zeit nur zu klar. Und das Gefuehl jedes Einzelnen, mit Ohnmacht und mit einem "schweren Herzen" davor zu stehen, fuehrt zu schnell dazu, dass man cool reagiert und eine gewisse Haerte zeigt. Aber dies fuehrt nur zu einer Starre und Schwere, die jegliches Agieren verhindern wird. Soweit darf es aber mit und im Fido nicht kommen.</p>
<p>Wir Deutschen gelten nun mal als besonders pedantisch und suchen natuerlich immer nach Moeglichkeiten, alles bis ins letzte zu regeln. Dies wird auch notwendig, da der naechste Pedant sofort irgend ein Schlupfloch findet um aus einer Sache rauszukommen.</p>
<p>Schoen waere es, wenn wir keine dieser dummen Regeln brauchen wuerden. Und einfach der normale Menschenverstand die Zusammenarbeit und das Miteinander regelt. Dass dieses Blauaeugigkeit ist, kann sich jeder selbst vorstellen.</p>
<p>Soviel von mir zu diesem Thema.</p>
<p>Tschuess<br />
Karin</p>
<p></code></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.volkerkoenig.de/?flattrss_redirect&amp;id=474&amp;md5=f3a8f00939b59d360b4c791b37cb2ac9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Aus einer anderen Zeit.</title>
		<link>http://www.volkerkoenig.de/2011/08/15/aus-einer-anderen-zeit/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Aug 2011 09:52:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach Herrn Haekelschwein, der Opalkatze und Die Ennomane schlie&#223;e ich mich auch an.
Ein Text, der die Frage aufwirft: Was, zum Teufel, ist seit 1969 schief gelaufen? Machen wir die Welle!
    „Wir wollen mehr Demokratie wagen. Wir werden unsere Arbeitsweise &#246;ffnen und dem kritischen Bed&#252;rfnis nach Information Gen&#252;ge tun. Wir werden darauf ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach <a href="http://haekelschwein.de/blogartikel/items/willy.htm">Herrn Haekelschwein</a>, der <a href="http://opalkatze.wordpress.com/2011/08/15/aus-einer-anderen-zeit-willy-brandt-1969/">Opalkatze</a> und <a href="http://www.ennomane.de/2011/08/15/aus-einer-anderen-zeit/">Die Ennomane</a> schlie&#223;e ich mich auch an.<br />
Ein Text, der die Frage aufwirft: Was, zum Teufel, ist seit 1969 schief gelaufen? Machen wir die Welle!<span id="more-464"></span></p>
<blockquote><p>    „Wir wollen mehr Demokratie wagen. Wir werden unsere Arbeitsweise &#246;ffnen und dem kritischen Bed&#252;rfnis nach Information Gen&#252;ge tun. Wir werden darauf hinwirken, da&#223; durch Anh&#246;rungen im Bundestag, durch st&#228;ndige F&#252;hlungnahme mit den repr&#228;sentativen Gruppen unseres Volkes und durch eine umfassende Unterrichtung &#252;ber die Regierungspolitik jeder B&#252;rger die M&#246;glichkeit erh&#228;lt, an der Reform von Staat und Gesellschaft mitzuwirken. (…)</p>
<p>    Wenn wir leisten wollen, was geleistet werden mu&#223;, brauchen wir alle aktiven Kr&#228;fte unserer Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die allen weltanschaulichen und religi&#246;sen &#220;berzeugungen offen sein will, ist auf ethische Impulse angewiesen, die sich im solidarischen Dienst am N&#228;chsten beweisen. Es kann nicht darum gehen, lediglich hinzunehmen, was durch die Kirchen f&#252;r die Familie, in der Jugendarbeit oder auf dem Sektor der Bildung geleistet wird. Wir sehen die gemeinsamen Aufgaben, besonders, wo Alte, Kranke, k&#246;rperlich oder geistig Behinderte in ihrer Not nicht nur materielle Unterst&#252;tzung, sondern auch menschliche Solidarit&#228;t brauchen. (…)</p>
<p>    Der permanente wirtschaftliche und soziale Wandel ist eine Herausforderung an uns alle. Er kann ohne die Initiative des einzelnen nicht gemeistert werden. Die Eigeninitiative braucht jedoch die Unterst&#252;tzung der Politik. Wir d&#252;rfen keine Gesellschaft der verk&#252;mmerten Talente werden. Jeder mu&#223; seine F&#228;higkeiten entwickeln k&#246;nnen. Die betroffenen Menschen d&#252;rfen nicht einfach ihrem Schicksal &#252;berlassen werden. (…)</p>
<p>    Das Ziel ist die Erziehung eines kritischen, urteilsf&#228;higen B&#252;rgers, der imstande ist, durch einen permanenten Lernproze&#223; die Bedingungen seiner sozialen Existenz zu erkennen und sich ihnen entsprechend zu verhalten. Die Schule der Nation ist die Schule. (…)</p>
<p>    Die finanziellen Mittel f&#252;r die Bildungspolitik m&#252;ssen in den n&#228;chsten Jahren entsprechend gesteigert werden. Die Bundesregierung wird sich von der Erkenntnis leiten lassen, da&#223; der zentrale Auftrag des Grundgesetzes, allen B&#252;rgern gleiche Chancen zu geben, noch nicht ann&#228;hernd erf&#252;llt wurde. Die Bildungsplanung mu&#223; entscheidend dazu beitragen, die soziale Demokratie zu verwirklichen. (…)</p>
<p>    Die Regierung kann in der Demokratie nur erfolgreich wirken, wenn sie getragen wird vom demokratischen Engagement der B&#252;rger. Wir haben so wenig Bedarf an blinder Zustimmung, wie unser Volk Bedarf hat an gespreizter W&#252;rde und hoheitsvoller Distanz. Wir suchen keine Bewunderer; wir brauchen Menschen, die kritisch mitdenken, mitentscheiden und mitverantworten. Das Selbstbewu&#223;tsein dieser Regierung wird sich als Toleranz zu erkennen geben. Sie wird daher auch jene Solidarit&#228;t zu sch&#228;tzen wissen, die sich in Kritik &#228;u&#223;ert. Wir sind keine Erw&#228;hlten; wir sind Gew&#228;hlte. Deshalb suchen wir das Gespr&#228;ch mit allen, die sich um diese Demokratie m&#252;hen.“</p>
<p><em>Aus der Regierungserkl&#228;rung Willy Brandts vom 28.10.1969</em>
</p></blockquote>
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		<title>Wie eine Schlagzeile die Wahrheit verschleiern kann</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Aug 2011 19:08:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA["Alleinerziehende m&#252;ssen Vollzeit arbeiten" geht es seit gestern durch die Kommentarspalten im Internet. So titelt auch der SPIEGEL. Und Schuld ist der BGH. Doch wenn man den Artikel komplett liest, stellt man fest: Der BGH hat nur das Gesetz gelesen.
Seit 2008 ist das mit dem Unterhalt nach der Scheidung so geregelt, dass beide Ex-Partner ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Alleinerziehende m&#252;ssen Vollzeit arbeiten&#8221; geht es seit gestern durch die Kommentarspalten im Internet. So <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,777959,00.html">titelt auch der SPIEGEL</a>. Und Schuld ist der BGH. Doch wenn man den Artikel komplett liest, stellt man fest: Der BGH hat nur das Gesetz gelesen.<span id="more-458"></span><br />
Seit 2008 ist das mit dem Unterhalt nach der Scheidung so geregelt, dass beide Ex-Partner eigenverantwortlich f&#252;r ihren Unterhalt sorgen m&#252;ssen. Dazu steht im § 1568 BGB:</p>
<blockquote><p>Nach der Scheidung obliegt es jedem Ehegatten, selbst f&#252;r seinen Unterhalt zu sorgen. Ist er dazu au&#223;erstande, hat er gegen den anderen Ehegatten einen Anspruch auf Unterhalt nach den folgenden Vorschriften.</p></blockquote>
<p>Was das im Zusammenhang mit den &#8220;folgenden Vorschriften&#8221; heisst, kann zum Beispiel <a href="http://www.famr-ratgeber.de/Unterhalt/Unterhalt_nach_Scheidung.htm">hier</a> in einem verst&#228;ndlichen Diagramm nachgelesen werden.<br />
Haben die Partner keine Kinder, sind sie einfach getrennt.<br />
Haben sie Kinder unter drei Jahren, muss die Mutter (die in der Rechtspraxis in 99% der F&#228;lle die Kinder betreut) nicht arbeiten. Es gibt erst Krippen f&#252;r Kinder ab 3 Jahren, das ist also eine sinnvolle Regelung.<br />
Wie das bei Kindern ab drei Jahren ist <em>h&#228;ngt vom Einzelfall</em> ab. Der betreuende Ehepartner muss dann insoweit arbeiten, wie f&#252;r die Kinder Betreuungsm&#246;glichkeiten vorhanden sind.<br />
Haben die Kinder einen Krippenplatz, bei dem sie vormittags betreut sind, muss der betreuende Elternteil halbtags vormittags arbeiten. Ist eine Ganztagesbetreuung vorhanden, muss folgerichtig vollzeit gearbeitet werden. Das dabei verdiente Geld kompensiert die subsidi&#228;re Unterhaltspflicht des anderen Elternteils. Das heisst: Ist kein Krippenplatz verf&#252;gbar (oder wenigstens kein geeigneter Krippenplatz), muss der betreuende Elternteil nicht arbeiten.<br />
Was war jetzt im konkreten Fall? Ich zitiere hier am besten das, was im vermutlich nur von wenigen komplett gelesenen SPIEGEL-Artikel steht:</p>
<blockquote><p>Die Frau arbeitete halbtags und hatte von ihrem Ex-Mann zus&#228;tzlich Unterhalt von 440 Euro monatlich f&#252;r ihre Tochter erhalten, die in die dritte Klasse geht.</p></blockquote>
<p>Also  hatte die Mutter einen Arbeitsplatz, den sie mit der Schule &#8220;synchronisieren&#8221; konnte.<br />
Der Vater meinte, das Kind k&#246;nne nachmittags in einer Krippe o.&#228;. betreut werden und klagte.</p>
<blockquote><p>Sowohl das Amtsgericht Grevenbroich als auch das Oberlandesgericht D&#252;sseldorf lehnten diese Klage ab. Es w&#252;rde zu einer nicht zu verlangenden Mehrbelastung der Frau f&#252;hren, wenn sie sowohl ganztags arbeiten als auch das Kind versorgen m&#252;sse, hie&#223; es damals.
</p></blockquote>
<p>Wer das oben verlinkte Diagramm gelesen hat wird dort den Grund &#8220;nicht zu verlangenden Mehrbelastung&#8221; durch Kinderbetreuung nicht finden. So eine Mehrbelastung kann ein Grund sein, muss aber im Einzelfall begr&#252;ndet werden &#8211; hier wurde sie nur behauptet, unbeantwortet war die Antwort auf die Frage: Was ist bei diesem Kind anders als bei anderen?<br />
Das stellte auch der Bundesgerichtshof fest:</p>
<blockquote><p>Das OLG habe &#8220;keine durchgreifenden individuellen Einzelumst&#228;nde angef&#252;hrt&#8221;, warum das Kind am Nachmittag von der Mutter pers&#246;nlich betreut werden m&#252;sse, so die Karlsruher Richter. Es sei auch nicht begr&#252;ndet worden, warum eine Vollzeiterwerbst&#228;tigkeit zu einer &#8220;&#252;berobligatorischen Belastung&#8221; der Mutter f&#252;hren k&#246;nnte. Denn das k&#246;nne &#8220;nicht pauschal, sondern nur auf der Grundlage der individuellen Verh&#228;ltnisse&#8221; begr&#252;ndet werden.</p></blockquote>
<p>Und was machte der BGH? Verpflichtete er die Mutter, ganztags zu arbeiten?<br />
Eben nicht:</p>
<blockquote><p>Der Familiensenat des BGH hat nun die Urteile aufgehoben und verweist den Fall an das OLG D&#252;sseldorf zur&#252;ck.</p></blockquote>
<p>Der BGH tat das, was er musste: Die Entscheidungen der Vorgerichte waren nicht hinreichend begr&#252;ndet, um eine dem Gesetz entsprechende Entscheidung zu f&#228;llen. Daher hob er die Urteile auf und sagte den Vorinstanzen: &#8220;Hey, das geht so nicht, macht das mal richtig.&#8221;<br />
Muss die Mutter in diesem Einzelfall also in Vollzeit arbeiten?<br />
<em>Das steht noch gar nicht fest. Wir werden wir vielleicht erfahren, wenn in Grevenbroich und ggf. in D&#252;sseldorf neue und wasserdichte Urteile gef&#228;llt wurden.</em></p>
<p>Die Schlagzeile &#8220;<em>Alleinerziehende m&#252;ssen Vollzeit arbeiten</em>&#8221; spiegelt also nur die Grundannahme des neuen, seit 2008 gelten Scheidungsrechtes wider und ist mitnichten eine neue Erkenntnis.</p>
<p>Sie ist nur Polemik.</p>
<p>Weitere, ausf&#252;hrlichere Informationen zum Urteil gibt es <a href="https://rechtundgeschlecht.wordpress.com/2011/08/03/erwerbspflichten-im-unterhaltsrecht-wie-viel-mussen-alleinerziehende-arbeiten/">hier</a>.</p>
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