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	<title>Volker König &#187; Autor</title>
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	<description>Heilpraktiker (Psychotherapie) und freier Journalist</description>
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		<title>In dubio pro was denn? (UPDATES)</title>
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		<pubDate>Tue, 31 May 2011 14:25:09 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Journalist]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>

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		<description><![CDATA[Jetzt ist er freigesprochen, der J&#246;rg Kachelmann.
Die breit diskutierte Frage lautet: Zu Recht? Ich denke, es gibt da nur eine Antwort: Ja. Zu Recht freigesprochen, weil es schon erhebliche Zweifel am Vorliegen einer Tat und damit seiner T&#228;terschaft gibt.
Oft, wenn es um Vergewaltigungsdelike geht, stehen Aussage gegen Aussage und es ist Aufgabe der Staatsanwaltschaft, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt ist er freigesprochen, der J&#246;rg Kachelmann.<br />
Die breit diskutierte Frage lautet: Zu Recht? Ich denke, es gibt da nur eine Antwort: Ja. Zu Recht freigesprochen, weil es schon erhebliche Zweifel am Vorliegen einer Tat und damit seiner T&#228;terschaft gibt.<span id="more-401"></span><br />
Oft, wenn es um Vergewaltigungsdelike geht, stehen Aussage gegen Aussage und es ist Aufgabe der Staatsanwaltschaft, professionell und mit Bedacht Beweise zu finden um die Aussage der einen oder anderen Seite als wahr darstellen zu k&#246;nnen.<br />
Im Fall Kachelmann haben die Staatsanw&#228;lte gewaltigen Bockmist gebaut. Und das v&#246;llig unabh&#228;ngig davon, ob es eine Vergewaltigung gab oder nicht.<br />
Die juristische Sicht hat Udo Vetter <a href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2011/05/31/der-zweifelsgrundsatz-ist-kuflich/">im Lawblog erl&#228;utert</a>.<br />
Die Staatsanw&#228;lte haben Bockmist gebaut, der dazu f&#252;hrte, dass sowohl das vermeintliche Opfer als auch der &#8211; so es eine Tat gab &#8211; mutma&#223;liche T&#228;ter gesch&#228;digt sind. Sie haben unkritisch die Geschichte des vermeintlichen Opfers geglaubt und nicht hinreichend auf Plausibilit&#228;t gepr&#252;ft. Der Tathergang war (grob gesagt) so, dass die beiden Streit hatten, der mutma&#223;liche T&#228;ter zu einem K&#252;chenmesser griff, dieses dem vermeintlichen Opfer an den Hals hielt und sie vergewaltigte. Dabei entfernte er noch vorher den Tampon, den sie Trug, und warf diesen in den M&#252;lleimer.<br />
Hier w&#228;re f&#252;r die Staatsanw&#228;lte der richtige Zeitpunkt gewesen, die Erinnerungen des vermeintlichen Opfers zu hinterfragen, ist doch die Geschichte in ihrer G&#228;nze nicht mehr so richtig plausibel. Auch, dass sich am Faden des Tampons, nicht aber am Messer DNA-Spuren von Kachelmann nachweisen lie&#223;en und der Gutachter ausschloss, dass Kachelmann sie vom Messer abgewischt hat, sollte nachdenklich machen.<br />
Nat&#252;rlich bringt man bei einem traumatischen Ereignis dieser Kategorie als Opfer viel durcheinander. Das h&#228;tten die Staatsanw&#228;lte ber&#252;cksichtigen m&#252;ssen. War der Ablauf wirklich so? Wurde das richtige Messer untersucht?<br />
Oder die Frage, wieso eine erwachsene und intelligente Frau zehn Jahre eine Beziehung mit einem Prominenten hat, die sich immer nur in ihrer Wohnung und in ihrem Umfeld abspielte. Keine gemeinsamen Auftritte in der &#214;ffentlichkeit, keine Besuche in seiner Wohnung, wenn ich mich recht erinnere, hatte er nichtmal eine Zahnb&#252;rste bei ihr.<br />
Das ist in Deutschland die Aufgabe der Staatsanwaltschaft:  Kritisch hinterfragen, was an den Fakten ungew&#246;hnlich oder fragw&#252;rdig ist und versuchen, es zu kl&#228;ren.<br />
Sicherlich ist hinterher alles erkl&#228;rbar, aber Aufgabe des Staatsanwaltes ist, solche Fragen vorher zu stellen und die Umst&#228;nde zu erkl&#228;ren, bevor die Verteidigung das fordert. Gerade, wenn Aussage gegen Aussage steht, ist es offensichtlich wichtig, dass die Aussagenden glaubw&#252;rdig sind und ihre Version nicht dem gerade wehenden Wind anpassen!<br />
Udo Vetter schreibt:</p>
<blockquote><p>Die traurigste Figur im Fall Kachelmann machten die emsigen Mannheimer Staatsanw&#228;lte. Sie sahen in Kachelmann von Anfang an den gro&#223;en Fisch, der in der Provinz nur alle Jubeljahre anbei&#223;t.</p></blockquote>
<p>Ich muss ihm da widersprechen, es ging m&#246;glicherweise nicht um das Rampenllicht. Gisela Friedrichsen machten <a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,763549,00.html">neulich im SPIEGEL</a> schon auf eine andere Tatsache aufmerksam:</p>
<blockquote><p>Es ist noch nicht lange her, dass Mannheimer Staatsanw&#228;lte gegen <a href="http://www.spiegel.de/thema/fall_harry_woerz/">Harry W&#246;rz</a>, den die Justiz zw&#246;lf Jahre lang wegen einer Tat verfolgte, die er nicht begangen hatte, am Ende eines uns&#228;glichen Wiederaufnahme-Marathons eine Freiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren forderten &#8211; obwohl jedermann im Saal wusste, dass dieser Angeklagte nicht der T&#228;ter war. </p></blockquote>
<p>Auch im benannten Fall fragte man sich, welche Drogen die Staatsanw&#228;lte eigentlich nehmen, um die schreiend offensichtliche Wahrheit komplett ausblenden zu k&#246;nnen. Es scheint dort in Mannheim System zu sein, nicht die Taten aufkl&#228;ren zu wollen (womit unser deutsches Rechtssystem die Staatsanwaltschaft, die &#8220;objektivste Beh&#246;rde der Welt&#8221;, beauftragt), sondern es scheint drum zu gehen, die Prozesse nicht zu verlieren, und wenn doch, dann mit wehenden Fahnen und im lauten Proklamieren, dass ein Fehlurteil ergangen sei.<br />
Zur&#252;ck zu Kachelmann. Und von dort ins Jahr 1996. Ich habe diesen Fall schon <a href="http://www.volkerkoenig.de/2009/08/11/geschurte-angste-wir-sind-die-guten/">an anderer Stelle hier im Blog</a> angesprochen, es handelt sich um einen tragischen Fall aus der j&#252;ngeren Rechtsgeschichte, den <a href="http://www.pappa.com/mmdm/mauz1.htm">Montessori-Prozess</a>.<br />
Ein Kinderpfleger (also “Kinderg&#228;rtner”) eines Motessori-Kindergartens geriet in Verdacht, sich an den ihm anvertrauten Kindern vegriffen zu haben. Seine Kolleginnen und einschl&#228;gige Vereine “ermittelten” und am Ende gab es rund 50 Opfer und Aussagen, die vor Gericht schon durch den gesunden Menschenverstand widerlegt werden konnten.<br />
Der Beschuldigte wurde freigesprochen, die Eltern der (vermeintlichen?) Opfer waren ersch&#252;ttert. Auch dieser Fall wurde letztlich durch die Ermittler in den Sand gesetzt &#8211; durch suggestive Befragungen der Kinder.<br />
Ob der anf&#228;ngliche Verdacht gegen den Beschuldigten berechtigt war oder nicht wird sich nicht mehr kl&#228;ren lassen. Wenn also ein P&#228;dophiler seit 1996 frei heruml&#228;uft ist das der Verdienst der Ermittler. Wenn er unschuldig war, dann ist es ebenfalls Verdienst der Staatsanwaltschaft, dass sein Leben ruiniert wurde. Immerhin war er nicht prominent und er hat heute einen anderen Beruf und einen anderen Wohnort.</p>
<p>Im Fall Kachelmann gab es zu Beginn ein vermeintliches Opfer und einen mutma&#223;lichen T&#228;ter.</p>
<p>Jetzt gibt es zwei echte Opfer: Einen Wettermoderator, dessen Sex- und Liebesleben &#246;ffentlich ausgewalzt wurde, und eine Journalistin, deren Berufs- und Privatleben durch den Prozess mit Gewissheit Schlagseite bekommt. </p>
<p>Und die T&#228;ter? Die sitzen in der Redaktion der BILD und der Staatsanwaltschaft Mannheim. </p>
<p><strong>UPDATE</strong>: Das Urteil findet sich &#252;berraschend <a href="http://www.landgericht-mannheim.de/servlet/PB/menu/1269214/index.html?ROOT=1160629">schnell im Internet</a>. Das Gericht schreibt in der Urteilsbegr&#252;ndung:</p>
<blockquote><p>Wir sind &#252;berzeugt, dass wir die juristisch richtige Entscheidung getroffen haben. Befriedigung versp&#252;ren wir dadurch jedoch nicht. Wir entlassen den Angeklagten und die Nebenkl&#228;gerin mit einem m&#246;glicherweise nie mehr aus der Welt zu schaffenden Verdacht, ihn als potentiellen Vergewaltiger, sie als potentielle rachs&#252;chtige L&#252;gnerin. Wir entlassen den Angeklagten und die Nebenkl&#228;gerin aber auch mit dem Gef&#252;hl, ihren jeweiligen Interessen durch unser Urteil nicht ausreichend gerecht geworden zu sein.<br />
Bedenken Sie, wenn Sie k&#252;nftig &#252;ber den Fall reden oder berichten, dass Herr Kachelmann m&#246;glicherweise die Tat nicht begangen hat und deshalb zu Unrecht als Rechtsbrecher vor Gericht stand. Bedenken Sie aber auch umgekehrt, dass Frau X. m&#246;glicherweise Opfer einer schweren Straftat war.</p>
<p><strong>Versuchen Sie, sich k&#252;nftig weniger von Emotionen leiten zu lassen. Unterstellen Sie die jeweils g&#252;nstigste Variante f&#252;r Herrn Kachelmann und Frau X. und f&#252;hren Sie sich dann vor Augen, was beide m&#246;glicherweise durchlitten haben.<br />
Nur dann haben Sie den Grundsatz „in dubio pro reo“ verstanden. Nur dann kennt der Grundsatz „in dubio pro reo“ nicht nur Verlierer, sondern neben dem Rechtsstaat auch Gewinner.“<br />
</strong>
</p></blockquote>
<p><strong>UPDATE 2</strong>: Twister  hat in Telepolis <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/5/149928">sehr zutreffend reflektiert</a>, warum die &#196;u&#223;erungen einiger &#8220;Schutz&#8221;organisationen zum Freispruch inakzeptabel und w&#252;rdelos sind. Terre des Femmes und Der Weisse Ring bef&#252;rchten, dass Frauen sich wegen des Freispruchs nicht mehr trauen w&#252;rden, Vergewaltigungen zur Anzeige zu bringen:</p>
<blockquote><p>Dies ist eine best&#252;rzende Ansicht, denn sie bedeutet, dass nur um m&#246;gliche Anzeigen von Straftaten nicht zu verhindern, ruhig ein laut Gerichtsmeinung Unschuldiger verurteilt werden m&#252;sse. Damit wird die Frage, ob jemand unschuldig ist oder nicht, zur Frage, die bei Vergewaltigung nicht mehr gestellt werden m&#252;sste, lediglich die Auswirkungen eines Freispruchs auf das Anzeigeverhalten von Frauen seien zu pr&#252;fen und dementsprechend sei zu agieren. </p></blockquote>
<p>Vielmehr meine ich, dass die Verantwortung f&#252;r eventuell nicht erstattete Anzeigen gerade <em>nicht</em> beim Gericht liegt.<br />
Sie liegt vielmehr bei den Medien, die Kachelmann von Anfang an &#8220;schuldig&#8221; gesprochen haben und nicht nur die Widerspr&#252;che in den Opferaussagen und Gutachten ausblendeten, sondern sich auch sonst an jeden Strohhalm klammerten, um Kachelmann zu demontieren. Allen voran die BILD mit ihrer Gerichtsreporterin Alice Schwarzer.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.volkerkoenig.de/?flattrss_redirect&amp;id=401&amp;md5=a5e29b8aa65119f91ae68ba9d59cac3c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Noch mehr wissenschaftliche Schlammkrieger: Hom&#246;opathie</title>
		<link>http://www.volkerkoenig.de/2011/02/01/noch-mehr-wissenschaftliche-schlammkrieger-homoeopathie/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 08:01:42 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Im letzten Blogpost schrieb ich von der Art und Weise, wie dank Social Media das Zerw&#252;rfnis zwischen CERN-Bef&#252;rwortern und Menschen, die eine CERN-Apokalypse bef&#252;rchten, nicht beseitigt wird.
Ein &#228;hnliches Schlachtfeld tut sich beim Thema Hom&#246;opathie auf.
Seit ihrer "Entdeckung" wird sie von den nicht-Hom&#246;opathen (ich nenne sie mangels eines anderen verst&#228;ndlichen Begriffs in diesem Post "Schulmediziner") ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im <a href="http://www.volkerkoenig.de/2011/01/26/wissenschaftlicher-kindergarten/">letzten Blogpost</a> schrieb ich von der Art und Weise, wie dank Social Media das Zerw&#252;rfnis zwischen CERN-Bef&#252;rwortern und Menschen, die eine CERN-Apokalypse bef&#252;rchten, nicht beseitigt wird.<br />
Ein &#228;hnliches Schlachtfeld tut sich beim Thema Hom&#246;opathie auf.<span id="more-305"></span><br />
Seit ihrer &#8220;Entdeckung&#8221; wird sie von den nicht-Hom&#246;opathen (ich nenne sie mangels eines anderen verst&#228;ndlichen Begriffs in diesem Post &#8220;Schulmediziner&#8221;) in die Ecke l&#228;cherlicher Sp&#246;kenkiekerei gestellt. Mir ist es dabei v&#246;llig egal, wie wissenschaftlich begr&#252;ndet und belegbar ihre Wirkung ist. Alleine die Tatsache, dass sie seit &#252;ber 200 Jahren praktiziert wird, belegt zun&#228;chst ihre Wirkung. Ob es sich nun um einen gro&#223;artig inszenierten Placeboeffekt handelt oder wirklich physiologisch etwas dahintersteckt k&#246;nnen wir an dieser Stelle dahingestellt lassen.<br />
Wie sie in der Theorie arbeitet, habe ich vor etlichen Jahren mal <a href="http://www.neon.de/kat/fitness/medizin/1082121042/4705.html">hier beschrieben</a>. Wer meine Argumente weiter unten verstehen m&#246;chte, mag dem Link folgen. Was in dem Artikel bei NEON nicht steht, ist, dass es bei de Hom&#246;opathie schon wegen der immensen Verd&#252;nnung der Wirkstoffe nicht auf die Menge des Medikaments ankommt, sondern auf die Anzahl der Einzeldosen.<br />
Sprich: Ob ich eine ganze Flasche Globuli auf einmal schlucke oder nur 5 K&#252;gelchen ist dem Hom&#246;opathen egal. Wenn ich die ganze Flasche auf einmal verbrauche freut es nur den Apotheker.<br />
Neben der Diskrepanz zwischen dem Anspruch der Mittel, irgendwas zu enthalten, was irgendwas bewirkt, und der Tatsache, dass sie nach heutigen Naturwissenschaften gemessen nichts an Wirkstoff enthalten, was man nachweisen oder auch nur annehmen k&#246;nnte, dreschen die Hom&#246;opathiegegner mit kernigen Generalisierungen auf &#8220;Globuligl&#228;ubige&#8221; ein:</p>
<ul>
<li> Homo&#246;pathen entziehen ihre Patienten einer schulmedizinischen Versorgung</li>
<li> Hom&#246;opathen behandeln lebensbedrohliche Situationen wie einen Herzinfarkt mit wirkungslosen Globuli</li>
<li> Hom&#246;opathen sind deshalb eine Gefahr f&#252;r die Volksgesundheit</li>
<li>Hom&#246;opathen sind eine Sekte</li>
</ul>
<p>Dabei gibt es &#8211; wie in allen Bereichen &#8211; immer solche und solche. &#8220;Die Hom&#246;opathen&#8221; sind mangels Warenzeichenschutz des Begriffs genauso wenig inhaltlich beschreibbar, wie &#8220;Die Blogger&#8221; oder &#8220;Die Autofahrer&#8221;.<br />
Es wird schon aus Gr&#252;nden der Wahrscheinlichkeit kaum mal ein Hom&#246;opath anwesend sein, wenn ein Mensch einen Herzinfarkt erleidet. Falls Hom&#246;opathen sich sich &#252;ber die Akutbehandlung eines Herzinfarktes mit Globuli austauschen, hat das erstmal nichts zu sagen.<br />
Und alle Hom&#246;opathen, die ich kenne, w&#252;rden selbst beim Herzinfarkt des Patienten, der ihnen gegen&#252;ber sitzt, als erstes die gebotene und m&#246;gliche &#8220;schulmedizinische&#8221; Notfallversorgung durchf&#252;hren, dann den Notarzt rufen und erst in den 8 Minuten, bis der Notarzt eingetroffen ist, zu Globuli greifen.<br />
Auch die Behauptung, Hom&#246;opathen w&#252;rden ihre Patienten lebenswichtiger schulmedizinischer Versorgung entziehen, ist schnell widerlegt. Bedenkt man, dass der Anteil von schwer erkrankten und an ihrer Erkrankung teilweise verzweifelnden Patienten bei Alternativmedizinern deutlich h&#246;her ist und dass viele von ihnen tats&#228;chlich lebenswichtige Medikamente ben&#246;tigen, m&#252;sste es sonst ein Massensterben unter Hom&#246;opathiepatienten geben.<br />
Das heisst nicht, dass es nicht &#8211; wie &#252;berall &#8211; auch Scharlatane und unseri&#246;se Menschen unter den Hom&#246;opathen g&#228;be. Aber entsprechende Skandale mit pseudo-schulmedizinischen Heilmethoden oder <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,608413,00.html">unn&#252;tzen</a> und <a href="http://www.multimedvision.de/pressemitteilungen/200905-Tod-im-Krankenhaus-Lungenentzuendung-durch-unnoetige-Magenmittel.htm">&#252;berfl&#252;ssigen</a> Behandlungen, <a href="http://www.bild.de/BILD/news/2010/08/01/tod-durch-fehldiagnose/junge-frau-stirbt-an-blutvergiftung.html">fahrl&#228;ssigen Fehldiagnosen</a> und <a href="http://www.cbgnetwork.org/downloads/PharmaMarketing.pdf">riskanten Medikamenten</a> gibt es auch in der Schulmedizin.<br />
Der gr&#246;&#223;te &#8220;Hammer&#8221; unter den &#8220;Argumenten&#8221; sind aber die Selbstversuche von Hom&#246;opathiegegnern, welche die Wirkungslosigkeit der Mittel plakativ &#8220;beweisen&#8221; sollen.<br />
Aktuell ist die <a href="http://www.1023.org.uk/">10:23-Challenge</a>. Der Name r&#252;hrt von der Tatsache her, dass ab einer Verd&#252;nnung irgendeines Stoffes um das 10^23-fache kein Molek&#252;l des Stoffes mehr in der L&#246;sung enthalten sein kann &#8211; was bei den g&#228;ngigen hom&#246;opathischen Potenzen wie C30 der Fall ist. Und was auch nur die wenigsten Hom&#246;opathen bestreiten.<br />
Um zu beweisen, dass Hom&#246;opathie nicht wirkt, wollen Protestler weltweit eine &#220;berdosis hom&#246;opathischer Mittel einnehmen:</p>
<blockquote><p>The 10:23 Challenge is a follow-up to the &#8216;overdose&#8217; protest staged by the 10:23 Campaign in 2010. International protesters from more than 10 countries, and more than 23 cities will gather for over the weekend of February 5-6 2011, to make the simple statement: Homeopathy &#8211; There&#8217;s Nothing In It.</p></blockquote>
<p>Wer bis hierhin gelesen hat, weiss, dass die Menge an Globuli, Tabletten oder L&#246;sung keine Rolle spielt. Dazu kommt, dass das hom&#246;opathische Mittel eben nicht schulmedizinisch wirkt (bzw. wirken soll).<br />
Nehmen wir das von Hom&#246;opathiegegnern gerne herangezogene &#8220;st&#228;rkste hom&#246;opathische Schlafmittel&#8221; Coffea. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schlafmittel">Schulmedizinische Schlafmittel</a> wirken in der Regel sanft sedierend oder narkotisierend, was bei einer &#220;berdosis bekanntlich lebensgef&#228;hrlich werden kann. Nach der Theorie von Hahnemann arbeitet der Hom&#246;opath anders: Der Patient kann beispielsweise nicht einschlafen, weil er unter Herzklopfen und Unruhe leidet. Das sind Symptome, die wir kennen, wenn wir zu viel Kaffee getrunken haben. Insofern ist &#8211; nach Hahnemanns Theorie &#8211; die Gabe von Kaffee (Coffea) in hom&#246;opathischer Form angesagt. Bei anderen Formen der Schlaf- oder Einschlafst&#246;rung kommen andere Hom&#246;opathika zum Einsatz.<br />
Coffea hat nun definitiv keine sedierende oder narkotisierende Wirkung. Glaubt man Hahnemann, so beseitigt es gezielt die Symptome, die den Patienten am Einschlafen hindern.<br />
Die 10:23-Challenge-Protestler, die beispielsweise ein ganzes Fl&#228;schchen Coffea konsumieren, um zu beweisen, dass es sie nicht umbringt, haben die Theorie hinter der Methode nicht verstanden. Vermutlich haben sich die meisten von ihnen nichtmal im Ansatz damit befasst.<br />
Denn dann w&#228;re ihnen klar, dass die gr&#246;&#223;te Gefahr bei dieser Aktion in etwas Karies besteht, wenn sie die gro&#223;e Menge an Globuli (=Zuckerk&#252;gelchen) im Mund zergehen lassen.<br />
Diese Aktion entspr&#228;che eines Protests von Hom&#246;opathen vor Dialysezentren, wo sie die Wirkungslosigkeit der Schulmedizin nachweisen, indem sie anf&#252;hren, dass durch Dialyse noch niemandem eine neue Niere gewachsen ist.<br />
Um es nochmal deutlich zu sagen: Hom&#246;opathie wird seit 200 Jahren angewandt und hat eine gro&#223;e Verbreitung.<br />
<strong>Ob es nun eine wirkliche physiologische Wirkung gibt oder alles nur ein aufw&#228;ndig inszenierter Placeboeffekt ist, spielt keine Rolle, solange es Patienten gibt, die sich bei einem Hom&#246;opathen wohler und besser versorgt f&#252;hlen, als in einer &#8220;normalen&#8221; Praxis. Die Ursache daf&#252;r gilt es zu erforschen, damit im Idealfall alle Patienten davon profitieren k&#246;nnen.<br />
</strong>Die meisten &#8220;globuligl&#228;ubigen&#8221; Patienten haben schon verstanden, dass die 10:23-Challenge ein globaler Humbug ist, der nur die Menschen, die eh nie zum Hom&#246;opathen gehen w&#252;rden, in ihrer &#220;berzeugung best&#228;rken wird.<br />
Umgekehrt &#252;berzeugt sie alle, die sich mit dem Thema etwas mehr als nur oberfl&#228;chlich befasst haben, dass &#8220;die Hom&#246;opathiegegner&#8221; anscheinend keine Argumente haben.<br />
Et voilà: Der Graben zwischen H&#246;m&#246;opathen und Schulmedizinern ist wieder ein paar Spatenstiche tiefer. Bravo!</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://www.volkerkoenig.de/?flattrss_redirect&amp;id=305&amp;md5=55568929cb0c3e3a13e0093cc1d17000" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.volkerkoenig.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wissenschaftlicher Kindergarten</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Jan 2011 13:16:27 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wissenschaftler stellt man sich in der Realit&#228;t anders vor, als den durchgedrehten Professor aus Independence Day oder den charismatischen Chaosforscher aus Jurassic Parc. Eher n&#252;chtern, sachlich und emotionslos, aber voller Leidenschaft f&#252;r ihr Thema.
Ich weiss nicht, ob es an den Social Media liegt, oder ganz andere Gr&#252;nde hat, dass derzeit Diskussionen unter und mit ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftler stellt man sich in der Realit&#228;t anders vor, als den <a href="http://images.tvrage.com/people_galleries/9/26815/81727.jpg">durchgedrehten Professor</a> aus <a href="http://www.youtube.com/watch?v=a4mFoZRNJ0c">Independence Day</a> oder den <a href="http://www.imdb.de/media/rm4093417728/tt0107290">charismatischen Chaosforscher</a> aus <a href="http://www.imdb.de/title/tt0107290/">Jurassic Parc</a>. Eher n&#252;chtern, sachlich und emotionslos, aber voller Leidenschaft f&#252;r ihr Thema.<br />
Ich weiss nicht, ob es an den Social Media liegt, oder ganz andere Gr&#252;nde hat, dass derzeit Diskussionen unter und mit Wissenschaftlern immer wieder auf Schlammschlachtniveau abrutschen. Vielleicht sind es die Social Media wie Facebook, Twitter, Wikis und Blogs, die daf&#252;r sorgen, dass ansonsten hinter verschlossenen T&#252;ren abgehaltene Streitigkeiten &#246;ffentlich werden. <span id="more-295"></span><br />
Vielleicht werden manche Konflikte auch &#252;berhaupt erst sp&#252;rbar, weil heute im Internet jeder ohne gro&#223;e Pr&#252;fung durch einen Redakteur publizieren darf. Dadurch kommen nat&#252;rlich nicht nur unterdr&#252;ckte kritische Meinungen und Informationen erstmals ans Tageslicht, sondern auch abstruse Ansichten, die fr&#252;her v&#246;llig zu Recht keine Publikationsplattform gefunden h&#228;tten.<br />
Eine aktuelle Schlammschlacht picke ich mir mal heraus – es gibt tats&#228;chlich noch mehr entsprechende Themenfelder.<br />
Also die Sache mit dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Large_Hadron_Collider">LHC</a>. Der Large Hadron Collider des <a href="http://cern.ch/">CERN</a>.<br />
Es gibt nach wie vor Wissenschaftler (und damit meine ich echte Wissenschaftler und keine von D&#228;nikens), die ein Risiko f&#252;r den ganzen Planeten durch die erhoffen Schwarzen L&#246;cher sehen.<br />
Zuletzt ver&#246;ffentlichte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_E._R%C3%B6ssler">Professor R&#246;ssler</a> – ein renommierter Chaosforscher mit weit &#252;ber 300 wissenschaftlichen Publikationen – <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34033/1.html">seine Thesen</a> im Magazin telepolis, f&#252;r das ich auch schon schreiben durfte.<br />
Er geht dort sehr sachlich auf die seiner Meinung nach falsche Risikoeinsch&#228;tzung der CERN-Wissenschaftler ein und unterf&#252;ttert dies mit einigen Theorien und Theoremen. Er selber fordert eine wissenschaftliche Konferenz, in der er sich gerne widerlegen lassen m&#246;chte:</p>
<blockquote><p>Ich bitte daher eines der oben angerufenen juristischen und politischen Gremien anzuordnen, dass die l&#228;ngst &#252;berf&#228;llige wissenschaftliche Sicherheitskonferenz stattfindet, bevor das LHC-Experiment mit Protonen wie vorgesehen im Februar oder M&#228;rz 2011 wieder aufgenommen werden darf. […]<br />
Ich rechne damit, dass ich mich furchtbar blamiere, wenn es doch noch einem Wissenschaftler gelingt, einen einzigen der eingangs angef&#252;hrten 10 Punkte oder eines der 4 Theoreme zu widerlegen. Dies ist mein Risiko und zugleich meine Hoffnung. Ich bitte die Welt um Verzeihung daf&#252;r, dass ich darauf bestehe, dass mein m&#246;glicherweise defizit&#228;rer Wissensstand zurechtger&#252;ckt wird, bevor das gr&#246;&#223;te Experiment der Geschichte weitergehen darf.
</p></blockquote>
<p>Das klingt sehr leidenschaftlich, wenn auch sachlich. Er fordert nicht, den LHC zu sprengen, sondern stellt seine Ansichten zur Diskussion und fragt sich, warum seine Kritikpunkte nicht &#246;ffentlich diskutiert w&#252;rden, da nur ein einziger widerlegt werden muss, um seine Konstruktion zerfallen zu lassen.<br />
Der Wissenschaftsjournalist und &#8220;LHC-Bef&#252;rworter&#8221; (ich verk&#252;rze das an dieser Stelle) <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Zaun">Dr. Harald Zaun</a> schreibt <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34063/4.html">am selben Tag</a> mit Bezug auf Prof. R&#246;sslers Ausf&#252;hrungen, dass die Sicherheitskonferenz sinnvoll sei, auch, wenn er selber die Ansichten R&#246;sslers f&#252;r absurd h&#228;lt, denn es w&#228;re nicht das erst Mal, dass ausgerechnet die Theorie, die sich am Ende als richtig herausstellte, zun&#228;chst h&#228;misch be&#228;ugt und sp&#246;ttisch kommentiert wurde.<br />
Der Astrologe Florian Freistetter, der auf <a href="http://www.scienceblogs.de">ScienceBlogs</a> schreibt, <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/01/lhcpanikmache-jetzt-auch-bei-telepolis.php">kommentierte</a> die Ver&#246;ffentlichungen auf telepolis.<br />
Ich will bewusst nicht auf die Inhalte eingehen. Ich bin kein Astrophysiker oder Astronom und kann das gar nicht, so wie es 99% der Menschen nicht k&#246;nnen. Es ist so, dass es auf diesem Planeten eine Menge Menschen gibt, die Angst vor &#8220;der Wissenschaft&#8221; haben, ohne gleich pathologisch paranoid zu sein. Eine immerhin sachliche Ver&#246;ffentlichung wie die von R&#246;ssler, mit dem ausgesprochenen Wunsch, widerlegt und blamiert zu werden, wirkt ehrenvoll.<br />
Freistetter argumentiert, dass einige der Theoreme R&#246;sslers bereits widerlegt seien und andere einfach auf falscher Anwendung z.B. der Allgemeinen Relativit&#228;tstheorie fu&#223;en. Er widerspricht der Ansicht Harald Zauns, dass jede noch so abstruse Idee von Wissenschaftlern untersucht werden m&#252;sse:</p>
<blockquote><p>Ach wirklich? Jede &#8220;noch so abstruse Idee&#8221; muss von den Wissenschaftlern untersucht werden? Selbst wenn alle Daten, Beobachtungen und Theorien dagegen sprechen? Wie stellt sich Herr Zaun das vor? Jeder Freak kann die Unis anrufen und seine pers&#246;nliche Lieblingspseudowissenschaft vorstellen. Und die Wissenschaftler m&#252;ssen dann alles stehen und liegen lassen und den Unsinn &#8220;von allen Seiten gr&#252;ndlich durchleuchten&#8221;?</p></blockquote>
<p>Er f&#228;ngt mit Rabulistik der feinsten Sorte an: Zaun sprach in seinem Artikel von Wissenschaftlern und nicht von Paranoikern, die glauben, Nachbarn wollten sie durch die Steckdose mit Giftgas t&#246;ten (eine unter psychisch Kranken &#252;brigens verbreitete Angst). Und Freistetter ignoriert das, unterstellt Zaun, er fordere, dass &#8220;Jeder Freak&#8221; irgendwelche Theorien aufstellen k&#246;nne, die denn von armen, geplagten Professoren widerlegt werden m&#252;ssen. Gleichzeitig versucht er, Zaun zu diskreditieren:</p>
<blockquote><p>Ok, Herr Zaun ist Wissenschaftsjournalist. Aber wenn man sich unsicher ist ob die &#8220;gemachten Annahmen plausibel sind&#8221;, dann h&#228;tte man ja theoretisch auch mal einen Teilchenphysiker fragen k&#246;nnen anstatt einen Journalisten.</p></blockquote>
<p>Ok, Florian Freistetter ist Astronom. Und hat promoviert. Harald Zaun hat auch einen Doktorgrad. Und auch, wenn Freistetter thematisch n&#228;her an Teilchenphysik &#8220;dran&#8221; ist, als der Historiker und Philosoph Zaun, ist auch er als Blogger erstmal nichts anderes als ein Wissenschaftsjournalist, wenn er die Astronomie verl&#228;sst.<br />
Und als ob das nicht reicht, stellt er noch einige abstruse Ideen in den Raum:</p>
<blockquote><p>
&#8220;Im Inneren des Mondes wohnen Nazis die die Erde mit Gedankenstrahlen beeinflussen&#8221;. &#8220;Nervengas furzende rosa Drachen werden aus dem Inneren der Erde hervorbrechen und uns alle t&#246;ten!&#8221;. &#8220;Die Gravitationskonstante wird sich spontan &#228;ndern und alle Materie wird auseinander fallen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Das ist &#252;belstes Stammtischniveau und ich frage mich, welchen Zweck diese Beispiele haben sollen, wenn nicht den, H&#228;me &#252;ber R&#246;ssler zu ergie&#223;en.<br />
Ok, w&#228;re R&#246;ssler ein Erich v. D&#228;niken oder Johannes v. Buttlar &#8211; dann w&#252;rde ich mich nicht aufregen.<br />
Es geht nicht um einen abgedrehten Freak, sondern um einen ordentlichen Hochschulprofessor mit weit &#252;ber 300 wissenschaftlichen Publikationen. Auch, wenn seine Theorien l&#228;ngst widerlegt sind und sein Erdvernichtungsszenario daher bar jeder Grundlage &#8211; die von ihm geforderte Sicherheitskonferenz mit angemessener &#214;ffentlichkeitsarbeit und sachlicher Diskussion der Ergebnisse ist meines Erachtens die einzige M&#246;glichkeit, seine Argumente f&#252;r die &#214;ffentlichkeit zu entkr&#228;ften.<br />
Schenkelklopfer wie der Florian Freistetters Blogpost helfen nicht dabei, Menschen mit Angst vor dem LHC diese zu nehmen. Die Kluft zwischen den Lagern der &#8220;Wissenschaftsgl&#228;ubigen&#8221; und der &#8220;Wissenschaftsparanoiker&#8221; wird nur gr&#246;&#223;er, weil die ersteren augenrollend &#8220;nicht schon wieder R&#246;ssler&#8221; murmeln und die letzteren sich &#8220;die haben Angst vor der Diskussion, weil sie um Unrecht sind&#8221; zutuscheln.<br />
Bravo.</p>
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		<title>Trixis Tausend Tode</title>
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		<pubDate>Sun, 30 May 2010 19:31:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>

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		<description><![CDATA[And now for something completely different: Ein Krimi. Aus der Anthologie "Schattenwelten - Wahn, Gewalt und Tod" aus dem Literaturlabor des Mayamedia Verlages.
Lest und bestellt das Buch, es gibt noch Auflage. Und die anderen Geschichten sind (noch) besser als meine!


Sie sa&#223; ihm im Abteil des Intercity 803 gegen&#252;ber. Er hatte sie sofort erkannt, trotz ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>And now for something completely different: Ein Krimi. Aus der Anthologie &#8220;Schattenwelten &#8211; Wahn, Gewalt und Tod&#8221; aus dem Literaturlabor des Mayamedia Verlages.<br />
<a href="http://www.volkerkoenig.de/2010/05/19/mal-ganz-uneigennutzig/">Lest und bestellt das Buch</a>, es gibt noch Auflage. Und die anderen Geschichten sind (noch) besser als meine!</em><br />
<span id="more-178"></span></p>
<p>Sie sa&#223; ihm im Abteil des Intercity 803 gegen&#252;ber. Er hatte sie sofort erkannt, trotz ihres ratzekurzen, rotgef&#228;rbten Haars. Ihre Sommersprossen verrieten sie: Trixi.</p>
<p>Wieder diese Frau. Sie lie&#223; nicht von ihm ab, stellte ihm nach, machte ihm Angst. Hat das kein Ende? &#8211; fragte er sich.</p>
<p>Damals hatte er gez&#246;gert. Er wollte sie nicht nur von den Klippen st&#252;rzen, sondern ihr vorher das Genick brechen. Aber er verpasste den Moment, in dem sie wehrlos war. Versetzte ihr einen Sto&#223; und legte einige Meter weiter eine falsche F&#228;hrte.</p>
<p>Dann fuhr er zur Post. Holte Geld ab, fuhr wieder in das Ferienhaus und raste voll Panik zur Polizeistation. Er sei nur kurz weg gewesen und nun sei seine Frau verschwunden.</p>
<p>Ihre Leiche tauchte nicht auf. Das sei normal an der bretonischen K&#252;ste, hie&#223; es. Die Spuren, von der Polizei am schmalen Schmugglerpfad gefunden, sei eindeutig: Sie habe sich zu weit an die Kante gewagt, das Erdreich habe nachgegeben, sie sei die Klippen hinuntergest&#252;rzt. T&#246;dlicher Touristenleichtsinn.</p>
<p>Die franz&#246;sischen Polizisten waren froh, den Fall so schnell wie m&#246;glich abzuheften und die Formalit&#228;ten in Deutschland hielten sich in Grenzen.</p>
<p>Und nun sa&#223; sie ihm wieder gegen&#252;ber, lachte laut und verstaute ihr Handy in der Jacke, die neben dem Sitz am Haken hing.</p>
<p>Das erste Mal nach dem Klippensturz hatte er sie auf Kreta gesehen. Ein Jahr danach. Im Speisesaal des Hotels. Er hatte sie gleich erkannt; es war der kecke Blick, den sie ihrem Begleiter zuwarf. Er musste sie t&#246;ten, damit sie sich nicht r&#228;chte und ihn verriet.</p>
<p>Sie kamen ins Gespr&#228;ch. Das P&#228;rchen wollte am Donnerstag die Samaria-Schlucht abwandern, die ganze Strecke. „The long way“ sagte man dazu. Achtzehn Kilometer, sengende Sonne, gef&#228;hrlich f&#252;r Kreislaufpatienten. Ein perfider Plan entstand in seinem Kopf.</p>
<p>Nach dem Essen suchte er die beiden &#228;lteren Damen, mit denen er einige Male gefr&#252;hst&#252;ckt hatte. Eine von ihnen war herzkrank. Er wusste vom starken Mittel in ihrer Handtasche.</p>
<p>Sie checkten gerade an der Rezeption aus. Der Bus, mit dem ihre Gruppe nach Heraklion zum Flugplatz fahren w&#252;rde, stand schon vor der Hotelt&#252;r. Alles war in Eile, der Flieger wartete nicht.</p>
<p>Er bot der hilfsbed&#252;rftigen Herzpatientin an, ihren Koffer zu tragen. Und nahm die Handtasche auch noch an sich. Auf dem Platz vor dem Hotel fiel ihm die Tasche herunter. Ungeschickt hob er sie auf und verteilte dabei den Inhalt auf dem Boden.</p>
<p>Ein Tritt, und das Fl&#228;schchen mit dem Herzmittel kullerte unter eine Agave. Schnell, schnell, alles zusammenraffen, der Bus muss losfahren!</p>
<p>Donnerstag setzte er sich beim Fr&#252;hst&#252;ck wieder mit Trixi und ihrem Begleiter an einen Tisch. Der Kaffee wurde serviert – f&#252;r meine Frau bitte einen Tee! – und man begab sich zum Buffet. Er war als erster zur&#252;ck und goss gro&#223;z&#252;gig Herzmittel in Trixis Teek&#228;nnchen.</p>
<p>Die Best&#252;rzung war gro&#223;, als man erfuhr, dass ein Hotelgast in der Samaria-Schlucht gestorben sei. So eine junge Frau! Sicher war sie krank. Der Reiseleiter h&#228;tte besser aufpassen sollen! Stimmt es, dass ihr Begleiter verhaftet worden ist?</p>
<p>Die rotgef&#228;rbte Trixi aus dem IC 803 a&#223; inzwischen einen Apfel und las in einer Zeitung.</p>
<p>Auch auf Kreta hatte er die Leiche nie gesehen. Das war sein Fehler. Genauso, wie bei der Bedienung im Hotel in Tunis. Damals waren es die H&#228;nde, an denen er sie sofort erkannte. Sonst war die Verkleidung perfekt: Augen und Haar zeigten ihr kosmetisches Talent, das dem einer Maskenbildnerin ebenb&#252;rtig war. Sogar ihre niedliche Nase war v&#246;llig ver&#228;ndert.</p>
<p>Er knackte den Mietwagen eines Hotelgastes – Latexhandschuhe wegen der Fingerabdr&#252;cke trug er seit Trixis drittem oder viertem Auftauchen bei sich. Er wollte sie &#252;berfahren.</p>
<p>Aber es misslang. Sie z&#246;gerte, als sie die Strasse zur H&#228;lfte &#252;berquert hatte. Er traf sie nicht, konnte sie nur erschrecken, sie wich aus und geriet unter einen Reisebus. Durch die Menschenmenge, die sich in wenigen Sekunden gebildet hatte, sah er nicht, ob sie diesmal tats&#228;chlich tot war. Er musste weiter fahren, um nicht aufzufallen.</p>
<p>Wie w&#252;rde er vorgehen? Er musste die allerletzte Grenze &#252;berschreiten. Die letzte Grenze – einen Menschen zu t&#246;ten – schreckte ihn nicht. L&#228;ngst z&#228;hlte er die t&#246;dlichen Begegnungen mit Trixi nicht mehr. Nun war es an der Zeit, er musste er das Werk schlie&#223;lich vollenden.</p>
<p>Das war die allerletzte Grenze: Einen Menschen zu t&#246;ten und sein Sterben zu sehen.</p>
<p>Er musste es tun. Er musste sicher sein, dass Trixi nicht noch einmal wiederkam.</p>
<p>Nicht wieder den gleichen Fehler begehen, wie damals in Venedig. Trixi wohnte mit einer Frau im Hotel gegen&#252;ber dem seinen. Er hatte sie erst am vorletzten Tag seines Aufenthalts entdeckt. Als sie in ein Taxi stiegen, nahm er auch eines. Folgen Sie diesem Boot!</p>
<p>Auf Murano schlie&#223;lich spielte er den Kranken: ein katastrophaler Kreislaufzusammenbruch schien ihn an den Rand des Todes zu bringen. Die beiden Frauen wollten helfen; er hielt sich an Trixi fest und schickte die andere, einen Arzt zu holen.</p>
<p>Langsam raffte er sich auf, griff in die Tasche, wo sich seit Tunis immer ein volles Fl&#228;schchen Chloroform und ein Wattebausch befand. Als Trixi sich nach ihrer Freundin umsah geschah es: Er bet&#228;ubte sie und lie&#223; sie fast lautlos in den Canale gleiten. Ihre Kleidung sog sich voll und Trixi ging wehrlos unter.</p>
<p>Aber offenbar war sie auch diesmal wieder aufgetaucht. Und danach kam sie immer &#246;fter in seinem Leben vor. L&#228;ngst traf er nicht nur im Urlaub auf sie. Bei jedem Restaurantbesuch sah er sich inzwischen misstrauisch um, wo er sie diesmal entdeckte; bei jeder Gerichtsverhandlung schielte er ins Publikum, wo sie wohl diesmal s&#228;&#223;e.</p>
<p>Die Intercity-Trixi sprach ihn an. Wohin er fahre? Karlsruhe. Urlaub? Nein, beruflich, als Anwalt. Verfassungsgericht? Ja. Und sie? Nur bis K&#246;ln, Familienbesuch.</p>
<p>Der Zug verlie&#223; gerade Osnabr&#252;ck. Hinter M&#252;nster kamen im Kohlenpott zu viele Bahnh&#246;fe, er musste also schnell handeln.</p>
<p>Wie damals bei der Trierer Taxifahrerin. Er sa&#223; auf dem Beifahrersitz und sie machten Smalltalk. Vielleicht werden Sie mal Bundesministerin – Muss man dazu nicht auch Polizisten verpr&#252;geln? &#8211; Hahaha. Als er links auf Augenh&#246;he die Laderampe des M&#246;belwagens sah, griff er ins Lenkrad. Die Kante drang durch den Dachpfosten und er verlor dass Bewusstsein. Im Krankenhaus – er war nicht schwer verletzt – erfuhr er, die Taxifahrerin habe die Kontrolle &#252;ber das Fahrzeug verloren und sei tot. Die Leiche hatte er auch damals nicht gesehen.</p>
<p>Als Trixi merkte, dass er ihr nicht zuh&#246;rte, ging sie auf die Zugtoilette. Er schielte in den Gang: Die Toilette war frei, sie musste nicht warten. Er folgte ihr. Kein Mensch auf dem Gang. Zog die Latexhandschuhe an. Nahm den Vierkantschl&#252;ssel aus der Jackentasche.</p>
<p>Die Rasierklinge bereithalten. Chloroform auf den Wattebausch.</p>
<p>Heute stirbst du zum letzten Mal, Trixi.<br />
<img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/b2d6bd1de1e74947957d2a0f844ecc8d" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Romankapitel zu 140 Zeichen im #bistrowagen</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 20:51:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Blogwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute hilft der #bistrowagen mir beim &#220;berstundenabbau: Wir tuckern hinter einer defekten Bahn her.

Die Mitfahrg&#228;ste im #bistrowagen werden nerv&#246;s. Oder nicht. Oder hyperventilieren. Oder genie&#223;en die erzwungene Auszeit.

Mir gegen&#252;ber Jack Bauer. Seine Zeit ist knapp. Murmelt nerv&#246;s in seinen getrimmten Bart. #bistrowagen

Neben Jack Bauer sitzt Hellmuth Karasek. Kaut auf der FAZ. Bestellt noch einen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute hilft der #bistrowagen mir beim &#220;berstundenabbau: Wir tuckern hinter einer defekten Bahn her.</p>
<p>Die Mitfahrg&#228;ste im #bistrowagen werden nerv&#246;s. Oder nicht. Oder hyperventilieren. Oder genie&#223;en die erzwungene Auszeit.</p>
<p>Mir gegen&#252;ber Jack Bauer. Seine Zeit ist knapp. Murmelt nerv&#246;s in seinen getrimmten Bart. #bistrowagen</p>
<p>Neben Jack Bauer sitzt Hellmuth Karasek. Kaut auf der FAZ. Bestellt noch einen Kaffee. #bistrowagen.</p>
<p>Rechts Ally McBeal. Bl&#228;ttert im Filofax, telefoniert, sagt wegen der Versp&#228;tung Termin heute um 12:30 ab. #bistrowagen</p>
<p>Neben Ally sitzt Hannah Montana. Wedelt auf ihrem iPhone. Trinkt Cola Light. Kichert. Karasek bestellt einen Kaffee. #bistrowagen</p>
<p>Ally sagt wegen der Versp&#228;tung Termin f&#252;r 14:00 Uhr ab. Jack Bauer schaut auf die Uhr. #bistrowagen</p>
<p>Karasek bestellt einen Kaffee. Bauer taxiert unruhig die anderen Fahrg&#228;ste. Vermutet wohl einen Hinterhalt. #bistrowagen</p>
<p>Hannah wedelt auf dem iPhone. Aus ihren Ohrh&#246;hrern tropft Lady Gaga. #bistrowagen</p>
<p>Bauers Augen verengen sich zu Schlitzen. Greift zum Handy. Tippt aus dem Kopf eine lange Nummer. Die von Chuck Norris? #bistrowagen</p>
<p>Ally sagt einen Termin f&#252;r morgen, 9 Uhr ab. Wegen der Versp&#228;tung. Karasek bestellt einen Kaffee. #bistrowagen</p>
<p>Chuck Norris ist nicht erreichbar. Lady Gaga l&#228;uft in Dauerschleife. Hannah rockt und singt mit. #bistrowagen</p>
<p>Karasek hat anscheinend Schmerzen in der Brust. Ally sagt einen Termin f&#252;r morgen 11 Uhr ab. #bistrowagen</p>
<p>Jack Bauer &#246;ffnet seinen Hemdkragen. Hannah wedelt beim Rocken mit ihrem Haar &#252;ber den Tisch. #bistrowagen</p>
<p>Ally sagt einen Termin f&#252;r Samstag ab. Karaseks Lippen laufen blau an. Er ringt nach Luft, bestellt noch einen Kaffee. #bistrowagen</p>
<p>Chuck Norris ruft Jack Bauer zur&#252;ck. Knappe Konversation, das sind echte Profis. #bistrowagen</p>
<p>Allys Handyakku ist leer. #bistrowagen</p>
<p>Hannah tanzt auf dem Tisch zur endlosen Lady Gaga. #bistrowagen</p>
<p>Jack Bauer schaut konzentriert auf die Uhr. Die Zeit l&#228;uft. #bistrowagen</p>
<p>Karasek atmet schwer. Sucht den Defibillator im Aktenkoffer. #bistrowagen</p>
<p>Durchsage: &#8220;Das gest&#246;rte Fahrzeug ist aus dem Gleis entfernt, wir haben freie Bahn!&#8221; #bistrowagen</p>
<p>Karasek atmet durch. #bistrowagen</p>
<p>Ally fragt Hannah, ob sie ihr iPhone benutzen darf, um die Terminabsage f&#252;r 12:30 zu revidieren. #bistrowagen</p>
<p>Auf der Stra&#223;e neben dem Gleisk&#246;rper kommt es zu einem Stau. #bistrowagen</p>
<p>Hannah sitzt wieder, Ally sagt die Terminabsage ab. #bistrowagen</p>
<p>Die defekte Bahn steht auf der Stra&#223;e neben dem Gleis. Daher der Stau! Aber wie kommt sie dahin? #bistrowagen</p>
<p>Jack Bauer l&#228;chelt, als wie die defekte Bahn passieren. Gr&#252;&#223;t jemanden mit einem kurzen Nicken. #bistrowagen</p>
<p>Auf der defekten Bahn steht Chuck Norris und winkt. #bistrowagen</p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Patrizia</title>
		<link>http://www.volkerkoenig.de/2007/05/31/patrizia/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 May 2007 22:59:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>

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		<description><![CDATA[Telefon riss ihn aus der Konzentration. Mist, der Auftrag musste bis zum n&#228;chsten Tag erledigt sein. Er griff zum H&#246;rer. "DigiMedia, mein Name ist Manfred Klausen. Was kann ich f&#252;r Sie tun?"
"Manfred, ich wollte mich von dir verabschieden." Es war Patrizia.
"F&#228;hrst du weg?"
"Nein, ich wollte leb wohl sagen. Gr&#252;&#223; auch die anderen von mir. ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Telefon riss ihn aus der Konzentration. Mist, der Auftrag musste bis zum n&#228;chsten Tag erledigt sein. Er griff zum H&#246;rer. &#8220;DigiMedia, mein Name ist Manfred Klausen. Was kann ich f&#252;r Sie tun?&#8221;<br />
&#8220;Manfred, ich wollte mich von dir verabschieden.&#8221; Es war Patrizia.<br />
&#8220;F&#228;hrst du weg?&#8221;<br />
&#8220;Nein, ich wollte leb wohl sagen. Gr&#252;&#223; auch die anderen von mir. Seid mir bitte nicht b&#246;se, ich finde keine andere L&#246;sung.&#8221; Sie schluckte.</p>
<p><span id="more-50"></span><br />
&#8220;Patrizia, was bedeutet das?&#8221;<br />
&#8220;Ich habe gerade Tabletten genommen. Ich habe auch einen Abschiedsbrief geschrieben&#8230; aber ich m&#246;chte noch heute gefunden werden. Im Brief habe ich alles erkl&#228;rt.&#8221;<br />
&#8220;Patrizia, du bist ja verr&#252;ckt!&#8221; Panische Angst um die Frau, die er liebte, durchfuhr ihn. &#8220;Wo bist du? Zu Hause? Bleib wo du bist! Ich rufe die Polizei&#8230; nein, den Krankenwagen&#8230; ich komme selbst vorbei.&#8221;<br />
&#8220;Nein, Manfred, bitte nicht&#8230;&#8221; Mit einem lauten Klick beendete sie das Gespr&#228;ch.<br />
Wo war sie? Zu Hause? Manfred war das Knacken von Patrizias schnurlosem Telefon aufgefallen. Sie war also zu Hause.<br />
Er w&#228;hlte die Feuerwehr. &#8220;Klausen, guten Tag. Ich habe gerade eine Selbstmordank&#252;ndigung per Telefon erhalten. Frau Patrizia Hinze. Aus Neuss.&#8221;<br />
&#8220;Wenden sie sich dann bitte an die Polizei. Wir k&#246;nnen da nichts machen.&#8221;<br />
Also die Polizei. Er sagte seinen Spruch auf und erg&#228;nzte &#8220;Die Feuerwehr hat mich auf sie verwiesen.&#8221;<br />
&#8220;Da m&#252;ssen sie direkt die Kollegen in Neuss anrufen.&#8221;<br />
&#8220;Wie bitte?&#8221;<br />
&#8220;Wenn sie uns die Meldung machen k&#246;nnen wir nichteinmal &#252;berpr&#252;fen, ob die Stra&#223;e richtig ist oder es den Stra&#223;ennamen vielleicht zweimal gibt. Die Kollegen aus Neuss m&#252;ssen dann nachfragen&#8230; Warten sie, ich gebe ihnen die Nummer der Einsatzleitstelle in Neuss.&#8221;<br />
Klausen legte auf und w&#228;hlte zum dritten Mal.<br />
&#8220;Polizei Neuss, Einsatzleitstelle, Obermeister Schulze.&#8221;<br />
Wieder spulte er seinen Text ab und erg&#228;nzte: &#8220;Ich bin selbst in D&#252;sseldorf, aber ihre Kollegen hier gaben mir diese Telefonnummer&#8221;.<br />
&#8220;Geben Sie mir bitte ihre Rufnummer und ihren Namen.&#8221; Klausen tat, wie ihm gehei&#223;en. &#8220;Nun erz&#228;hlen sie mir bitte von der Drohung.&#8221;<br />
Manfred schilderte den Anruf. &#8220;Wie stehen sie zu dieser Dame?&#8221;<br />
&#8220;Bitte?&#8221;<br />
&#8220;Sind sie ihr Ehemann?&#8221;<br />
&#8220;Kollege und Freund. Enger Freund.&#8221; Liebhaber, dachte er.<br />
&#8220;Bleiben sie bitte telefonisch erreichbar. Wir werden einen Wagen zur Wohnung schicken.&#8221;<br />
&#8220;Einverstanden.&#8221; Er wurde unruhig. Eigentlich wollte er selbst hinfahren, aber das ging nicht mehr. Er musste ja jeden Moment mit einem R&#252;ckruf rechnen. Die Minuten zogen sich endlos. Nach einer Viertelstunde, insgesamt 25 Minuten nach Patrizias Anruf, klingelte das Telefon erneut.<br />
&#8220;Polizei Neuss, Schulze. Herr Klausen, ich verbinde sie per Funk mit dem Einsatzwagen.&#8221; Es knackte und rauschte.<br />
&#8220;Krrrk &#8211; Neptun 2315, k&#246;nnen sie mich h&#246;ren &#8211; Krrrk&#8221;<br />
&#8220;Ja, Klausen hier. Sind sie an der Wohnung?&#8221;<br />
&#8220;Krrrk &#8211; Ja. Hier ist alles dunkel. Nichts ungew&#246;hnliches.&#8221; Der Polizist wiederholte die Adresse und beschrieb das Haus. &#8220;Krrrk&#8221;.<br />
&#8220;Ja, das ist es. Erdgeschoss rechts ist die Wohnung. Sie hat aber noch ein Atelier im Nebenhaus, Dachgeschoss. Sie k&#246;nnen es sehen, wenn sie zur Stra&#223;enecke gehen.&#8221;<br />
&#8220;Krrrk &#8211; Moment bitte &#8211; Krrrk&#8221;<br />
Nach endlosen Sekunden h&#246;rte er Nein, da ist auch kein Licht.&#8221;<br />
&#8220;Dann klingeln sie bei Hinze, vielleicht macht sie auf.&#8221; Nein, bestimmt nicht. Sie meinte es ernst.<br />
&#8220;Tut mir leid, ohne handfeste Beweise, dass ein Suizid vorliegt, k&#246;nnen wir nicht mehr tun. Und um drei Uhr nachts klingeln wir nicht an Wohnungst&#252;ren, wo kein Licht zu sehen ist.&#8221;<br />
Wenn sie wirklich Tabletten genommen hatte, war Patrizia verloren.</p>
<p>Er wachte schwei&#223;gebadet auf. Das Bett war zerw&#252;hlt. Er stand auf und wankte ins Bad. Sank auf der Toilette nieder und brach in Tr&#228;nen aus.<br />
Gott sei Dank war es nur ein Traum. Patrizia ging es vermutlich gerade besser als ihm. Als die Spannung sich gel&#246;st hatte trocknete er sich notd&#252;rftig ab, wusch sein Gesicht mit warmem Wasser und kehrte ins Bett zur&#252;ck.<br />
Yvette wurde davon wach. &#8220;Was ist denn?&#8221;<br />
&#8220;Ich musste auf die Toilette.&#8221; Antwortete er.<br />
Als der Wecker klingelte war Manfred wie ger&#228;dert. Nach dem Albtraum konnte er nicht mehr einschlafen. Er hatte sich die letzten drei Stunden nur noch im Bett herumgew&#228;lzt.<br />
Als er aufstand um ins B&#252;ro zu fahren schlief Yvette noch.</p>
<p>In der Agentur war die H&#246;lle los. Multimedia war das Schlagwort des Jahres. Alle Kunden wollten es und keiner wusste genau, was er damit meinte. Und alles sollte schon gestern fertig und noch nie da gewesen sein.<br />
Manfred zweifelte daran den richtigen Beruf zu haben. Seine Kunden waren zufrieden mit ihm, sicherlich. Aber es war f&#252;r Manfred unbefriedigend. Bis Patrizia in die Agentur kam. Die Grafikerin machte gelegentlich hervorragende Auftragsarbeiten, stand aber allem skeptisch gegen&#252;ber und hinterfragte es.<br />
Manfred bewunderte sie daf&#252;r. Sich selbst regelm&#228;&#223;ig zu hinterfragen. Das war ihm in der Hektik der Agentur verloren gegangen.<br />
Gegen elf rief er Patrizia an.<br />
&#8220;Morgen, du Murmeltier. Hab ich dich geweckt?&#8221;<br />
&#8220;Manfred! Nein, hast du nicht. Ich habe gerade gefr&#252;hst&#252;ckt. Das Wetter ist so sch&#246;n, ich m&#246;chte am liebsten mit Dir in einem Biergarten sitzen. Aber ich hab noch einen Auftrag zu erledigen.&#8221;<br />
&#8220;Ich wollte auch nur deine Stimme h&#246;ren und wissen, wie es dir geht.&#8221;<br />
&#8220;Ich kann dir ja was auf den Anrufbeantworter sprechen, dann kannst du meine Stimme h&#246;ren, wann du willst.&#8221;<br />
Manfred lachte. &#8220;Mach das. Und jetzt schnell an die Arbeit, sonst bin ich Schuld, wenn du nicht fertig wirst.&#8221;<br />
&#8220;Du bist s&#252;&#223;!&#8221; antwortete Patrizia.<br />
Manfred atmete auf. Es war wirklich nur ein Traum. Er machte ein paar Konzeptentw&#252;rfe f&#252;r eine Internetpr&#228;senz, die sich ein Wursthersteller w&#252;nschte. Manfred hatte schon ein Computerspiel mit einer Wurst als Held entworfen &#8211; obwohl er Vegetarier war und das Konzept ekelhaft fand.<br />
Yvette waren Manfreds Ver&#228;nderungen nicht entgangen. Er gr&#252;belte &#252;ber sich und seine beiden Frauen. Wobei er mit Patrizia kein intimes Verh&#228;ltnis hatte, sondern nur eine beiderseits sehr enge Freundschaft, die Manfred aber gerne ausbauen w&#252;rde. Wenn er nicht verheiratet w&#228;re. Er liebte Yvette und Patrizia. So etwas hatte er nie f&#252;r m&#246;glich gehalten.</p>
<p>Nach dem Abendessen mit Yvette nahm Manfred sich ein Buch und legte sich, m&#252;de wie er war, ins Bett. Heute fehlte ihm jedoch die Konzentration. Nach zwei Seiten legte er die Lekt&#252;re zur&#252;ck auf den Nachttisch und schlief ein. Er merkte nicht, als Yvette nachkam.</p>
<p>Das Telefon riss ihn aus der Konzentration. Missmutig meldete er sich.<br />
&#8220;Agentur DigiMedia, mein Name ist Manfred Klausen.&#8221;<br />
&#8220;Manfred, ich wollte mich von dir verabschieden.&#8221; Ein Deja Vu.<br />
&#8220;F&#228;hrst du in den Urlaub?&#8221; Ein Rumoren ging durch seinen Bauch, als ob da ein Bulldozer das Mittagessen verarbeitete.<br />
&#8220;Nein, ich wollte leb wohl sagen. Seid mir bitte nicht b&#246;se, es geht nicht anders. Ich finde keine andere L&#246;sung.&#8221; Sie schluckte.<br />
Klausen wusste was sie meinte. &#8220;Patrizia, du bist verr&#252;ckt! Bleib wo du bist!&#8221;<br />
&#8220;Nein, Manfred, bitte nicht&#8230;&#8221;<br />
Er w&#228;hlte den Notruf der Feuerwehr. &#8220;Wenden sie sich bitte direkt an die Polizei&#8230;&#8221; &#8211; er wusste das eigentlich schon, als er die Nummer zu ende gew&#228;hlt hatte<br />
Er rief die Polizei an. Sagte seinen Spruch und erg&#228;nzte &#8220;Es ist wohl besser, wenn ich direkt die Leitstelle in Neuss anrufe, was?&#8221;<br />
&#8220;Stimmt.&#8221; Der verdutzte Polizist gab Manfred die Nummer.<br />
Klausen w&#228;hlte zum dritten Mal.<br />
&#8220;Wie stehen sie zu dieser Dame?&#8221;<br />
&#8220;Ich bin ihr enger Freund.&#8221;<br />
&#8220;Bleiben sie bitte telefonisch erreichbar. Wir werden einen Wagen zur Wohnung schicken.&#8221;<br />
Er wurde unruhig. Rechnete jeden Moment mit einem R&#252;ckruf, konnte nicht selbst hinfahren. Die Minuten zogen sich. 25 Minuten bis zur Verbindung mit dem Einsatzwagen.<br />
&#8220;Krrrk &#8211; Neptun 2315, k&#246;nnen sie mich h&#246;ren? &#8211; Krrrk&#8221;<br />
&#8220;Sind sie an der Wohnung?&#8221;<br />
&#8220;Ja. Hier ist alles dunkel.&#8221;<br />
&#8220;Sie hat aber noch ein Atelier im Nebenhaus.&#8221;<br />
&#8220;Nein, da ist auch kein Licht.&#8221;<br />
&#8220;Dann klingeln sie bei iht, vielleicht macht sie auf.&#8221;<br />
&#8220;Tut mir leid, Herr Klausen. Ohne handfeste Beweise klingeln wir um drei Uhr nachts nicht an Wohnungst&#252;ren.&#8221;<br />
Drei Uhr nachts? Er stutzte. Es konnte erst sp&#228;ter Nachmittag sein. Sein B&#252;ro war taghell, aber die Fenster dunkel. Er sprang auf, fand seine Jacke mit den Autoschl&#252;sseln nicht.<br />
Wo war die Jacke? Er musste zu Patrizia fahren. Manfred erinnerte sich, die Jacke zuletzt mittags im Pfannkuchenhaus ausgezogen zu haben &#8211; und da hatte er sie dann vergessen. Nachts um drei hatte das Pfannkuchenhaus geschlossen.<br />
Ohne Jacke rannte er aus dem Geb&#228;ude, zum n&#228;chsten Taxistand &#8211; kein Wagen zu sehen. Er klapperte die Taxist&#228;nde ab, einen nach dem andern. Inzwischen war &#252;ber eine Stunde seit Patrizias Anruf vergangen.<br />
Sie war verloren.</p>
<p>Wieder erwachte er schwei&#223;gebadet und fl&#252;chtete ins Bad, um zur Ruhe zu kommen. Warum dieser Traum? Gewissensbisse? Sein Gewissen. Oscar Wilde hat mal geschrieben, dass gute Manieren den Nachteil h&#228;tten, einen von so manchem auszuschlie&#223;en. Ein Gewissen zu haben macht das Leben auch nicht leichter.<br />
Diesmal merkte Yvette nicht, als er wieder ins Bett kam. Am n&#228;chsten Morgen sah er zerknittert wie ein aus dem Koffer geholtes Hemd aus. Yvette wollte ihn beim Fr&#252;hst&#252;ck, das sie diesmal gemeinsam einnahmen, aufmuntern. Er konnte ob seiner Gewissensbisse keine gute Laune ertragen.<br />
Wieder rief er kurz bei Patrizia an, um sich zu vergewissern, dass der Alptraum nicht doch reale Hintergr&#252;nde hatte. Hatte er nicht. Patrizia ging es so gut wie immer. Gott sei Dank.<br />
Der Tag war eine Qual. Sein Kaffeekonsum lag weit &#252;ber seinem beachtlichen Durchschnitt. Mittags hatte er ein Arbeitsessen im Pfannkuchenhaus.<br />
Den Rest des Tages arbeitete er an der ekligen Internetpr&#228;senz der Wurstfabrik, kam erst sp&#228;t nach Hause, a&#223; mit Yvette ein tr&#252;bes Abendessen und schlief wie ein Toter.</p>
<p>Das Klingeln des Telefons riss ihn aus der Konzentration.<br />
&#8220;DigiMedia, was kann ich f&#252;r Sie tun?&#8221;<br />
&#8220;Manfred, ich wollte mich von dir verabschieden.&#8221;<br />
&#8220;F&#228;hrst du in den Urlaub?&#8221; Er konnte das Deja Vu nicht st&#246;ren. Die Situation hatte ihn im Griff, er konnte noch nicht vom bekannten Ablauf abweichen, so sehr er auch wollte.<br />
&#8220;Nein, ich wollte mich verabschieden. Leb wohl.&#8221;<br />
&#8220;Bleib wo du bist!&#8221;<br />
Klausen kannte die Telefonnummer der Einsatzleitstelle in Neuss inzwischen auswendig. &#8220;Polizei Neuss, Obermeister Schulze.&#8221;<br />
&#8220;Ich habe gerade eine Selbstmordank&#252;ndigung erhalten.&#8221; Er erinnerte sich schon an den Fortgang des Gespr&#228;ches &#8220;Ich bin ihr Kollege und enger Freund.&#8221;<br />
&#8220;Wir werden einen Wagen zur Wohnung schicken.&#8221;<br />
Er w&#228;hlte Patrizias Nummer, doch niemand ging an den Apparat. Sie hatte ihn abgeschaltet.<br />
Er musste zu Patrizia fahren, er musste sie retten. Manfred erinnerte sich an die verschwundene Jacke und warf auf dem Weg nach drau&#223;en einen Blick in die B&#252;ros, die er passierte, ob noch motorisierte Kollegen da waren. Selbst den kleinen Motorroller der Empfangsdame h&#228;tte er mit Dank angenommen, w&#228;re er damit doch wenigstens vom Fleck gekommen.<br />
In der dunklen D&#252;sseldorfer Altstadt war es leer wie nie, auch die Taxist&#228;nde. Stra&#223;enbahnen fuhren um diese Zeit nicht mehr. Manfred sah auf die Uhr &#8211; kurz nach vier! Er rannte zur n&#228;chsten Rheinbr&#252;cke um auf die andere Seite des Flusses zu gelangen. Vielleicht bekam er dort ein Taxi, in Oberkassel.<br />
Auf der Br&#252;cke sah er Polizeiwagen, Blaulicht und viele Menschen. Die Fahrzeuge von Polizei und Feuerwehr kamen gerade dort an. Die Br&#252;cke war gesperrt, irgend etwas dort wurde abgeschirmt. Vielleicht ein Amokl&#228;ufer, Terroristen oder ein Bankr&#228;uber. Polizisten verweigerten ihm den Weg auf die andere Rheinseite.<br />
Wieder war Patrizia verloren.</p>
<p>Wieder fand er sich verheult auf der Toilette. Diese Tr&#228;ume m&#252;ssen doch mal ein Ende finden! Er hatte Angst, Patrizia oder Yvette zu verletzen und wusste, dass er sine verletzen w&#252;rde.<br />
Manfred schleppte sich wieder einen Tag lang durch die Arbeit. Am Abend war wieder das Fitnesscenter an der Reihe und er k&#228;mpfte mit dem Schlaf, als er auf dem Stepper seine Minuten herunterriss.<br />
Manfred traute sich nicht, ins Bett zu gehen. Bis kurz vor elf Uhr abends trank er noch ein paar Tassen Espresso um nicht einzuschlafen. Als er schlie&#223;lich um Mitternacht zu aufgedreht war, um ins Bett zu gehen, trank er eine halbe Flasche Wei&#223;wein.<br />
Er schlief einen schweren, keineswegs erholsamen Schlaf.</p>
<p>Als das Telefon klingelte kam er gerade aus einer Besprechung. Au&#223;er Atem und den Filofax noch in der Hand ging er an den Apparat.<br />
&#8220;Klausen, DigiMedia, guten Tag!&#8221;<br />
&#8220;Hallo Manfred, hier ist Patrizia. Ich wollte mich verabschieden.&#8221; Vor Schreck fiel ihm der Filofax aus der Hand.<br />
Ein Schauer lief ihm &#252;ber den R&#252;cken. Die Angst, diese Situation noch mal durchmachen zu m&#252;ssen, Patrizia wieder nicht retten zu k&#246;nnen &#8211; das Gef&#252;hl der Hilflosigkeit&#8230; Die vergangenen N&#228;chten spielten sich vor seinem geistigen Auge nochmals in rasendem Tempo ab. Der Schmerz zerriss ihn f&#246;rmlich.<br />
Er war nicht hilflos! Er hatte eine Chance!<br />
&#8220;Patrizia, mach keinen Unsinn. Bleib wo du bist. Ich komme!&#8221; Beim Hinauslaufen lie&#223; er den H&#246;rer fallen.<br />
Die Polizei w&#252;rde nicht helfen. Wenn er dort nicht anruft, kommt er 20 oder 25 Minuten eher an die Rheinbr&#252;cke. Wenn diese dann noch nicht gesperrt ist, kann er auf die andere Seite und findet dort ein Taxi oder irgend etwas, um zu Patrizia zu gelangen. Und wenn er ein Auto knacken muss!<br />
Er rannte los. Durch die Agentur, die Altstadt. Vorbei an den Taxist&#228;nden, wo er immer vergeblich nach Taxen gesucht hatte. Er kam an die Rheinbr&#252;cke. Viele Autos, jetzt k&#228;me er aber noch durch. Er rannte auf die Br&#252;cke. Er hatte sich entschlossen, so weit zu rennen, wie es ging. Er rannte auf der Fahrbahn, und als ihn ein Fahrzeug fast &#252;berfahren hatte wusste er: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Das ist nur ein Traum. Du bist unverwundbar!<br />
Er rannte schr&#228;g Richtung Br&#252;ckengel&#228;nder und schwang sich wie ein Turner dar&#252;ber.<br />
Er wollte den Rhein schwimmend &#252;berqueren.</p>
<p>Im Polizeibericht stand, dass ein offenbar unter Stress stehender Mitarbeiter einer Werbeagentur von der Rheinbr&#252;cke aus auf einen Schleppverband gesprungen war. Er h&#228;tte den Sturz &#252;berleben k&#246;nnen, wenn er nicht mit dem Hals auf der Antenne des Kahns gelandet w&#228;re. Seine Handlung sei eindeutig als Suizid anzusehen, auch ohne Abschiedsbrief. Vor dem Sprung sei er einer Reihe von Passanten aufgefallen, weil er verwirrt durch die Altstadt gerannt war. Die Polizei Schloss den Missbrauch von Designerdrogen nicht aus, konnte aber im Blut des Toten keine nachweisen.</p>
<p>Als Patrizia zwei Tage sp&#228;ter von der Beerdigung ihres Patenonkels zur&#252;ckkehrte und erfuhr, dass Manfred sich nach ihrem Anruf das Leben genommen hatte, brach f&#252;r sie eine Welt zusammen.
</p>
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		<title>Anti-Literaturwettbewerb in Pink</title>
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		<pubDate>Sun, 20 May 2007 10:48:21 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Viele Menschen haben verborgenes schriftstellerisches Talent. Dennoch wimmeln Literaturwettbewerbe von schlechten, geradezu unlesbaren Beitr&#228;gen. Doch der Schreibwettbewerb von Katharina Borchert ist anders: Sie fordert dazu auf, vors&#228;tzlich schlechte Geschichten zu schreiben. Ver&#246;ffentlicht bei Telepolis, dem Magazin f&#252;r Netzkultur. 

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Menschen haben verborgenes schriftstellerisches Talent. Dennoch wimmeln Literaturwettbewerbe von schlechten, geradezu unlesbaren Beitr&#228;gen. Doch der Schreibwettbewerb von Katharina Borchert ist anders: Sie fordert dazu auf, vors&#228;tzlich schlechte Geschichten zu schreiben. Ver&#246;ffentlicht bei Telepolis, dem Magazin f&#252;r Netzkultur. <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21677/1.html" /></p>
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