Lizenzquerelen

(Volker König, Ralf Hüskes)

Gebühren auf GIF-Formate erhoben

Ein verstaubtes Patent aus dem Hause Unisys bringt den Online-Anbieter Compuserve in Verlegenheit: Er hat jahrelang das hauseigene Grafikformat GIF als Freeware »verkauft«, obwohl es einen von Unisys patentierten Algorithmus enthält.

Nun fordert Unisys Lizenzgebühren. Ein lukratives Ansinnen – die GIF-Spezifikation ist inzwischen millionenfach verbreitet. Das Grafikformat GIF galt als fortschrittlich. 1987 von Compuserve vorgestellt, – lassen sich damit Farbpaletten hardwareunabhängig speichern und die Bildinformationen komprimieren. So verbreitete sich GIF in Windeseile. Zu den populärsten Nutzern zählen WinWord, Mosaic sowie mehrere Programme des OS/2 BonusPak. Die meisten Programmierer, die auf die GIF-Spezifikation zurückgegriffen haben, ahnten wohl nicht, daß es sich dabei um ein geschütztes Werk handelt. Doch der verwendete Kompressionsalgorithmus (Lempel-Zev-Welch) wurde 1983 von Unisys patentiert (US Patent Nummer 4,558,302). Lange Zeit schien Unisys keine Notiz von GIF zu nehmen. Doch nun – das Grafikformat ist bereits sieben Jahre alt – will man sein Scherflein mitverdienen. Man klopfte bei Compuserve an und machte den verdutzten »Erfindern« klar, daß sie künftig zu zahlen haben. Schließlich einigten sich die beiden darauf, daß Compuserve eine Lizenz von Unisys bekomme, die sie an die vielen unabhängigen Entwickler weitergeben darf, die GIF einsetzen. Compuserve verlangt dafür eine Gebühr von einem Dollar als Einstand, danach jeweils 1,5 Prozent des Preises der verkauften Software, wenigstens aber 15 Cents für jede verkaufte Kopie eines Programms. Außerdem begrenzt der Vertrag die Gültigkeit der Lizenz auf Programme, die mit dem Compuserve-Online-Dienst zusammenarbeiten. Die Aufregung in den einschlägigen Online-Foren war groß. Im Word Wide Web, wo GIF zu »dem Standard« geworden ist, faßte man die Einschränkung der Lizenzen auf den Compuserve-Online-Dienst als Affront auf. Ebenfalls für Aufregung sorgte die Situation von Freeware-Entwicklern. Für sie ist es unmöglich, Lizenzgebühren abzuführen. Mittlerweile hat Unisys den kostenlosen Einsatz von GIF in Freeware gestattet und klargestellt, daß der LZW-Algorithmus auch direkt bei Unisys lizenziert werden kann, so daß die Einschränkung auf das Compuserve-Netz entfällt. Außerdem pocht Unisys nur für neue Software auf eine Lizenzierung. Hierzulande gilt des weiteren ein anderes Urheberrecht als in den USA: bei uns zählen veröffentlichte Algorithmen zur wissenschaftlichen Lehre und sind damit praktisch Freeware, das müßte auch für den LZW-Algorithmus gelten. Eigentor Im Endeffekt dürften die Lizenzierungswirren um GIF wohl dazu führen, daß das Grafikformat in der Versenkung verschwindet. Zu den neuen Favoriten zählt JPEG. Es komprimiert zwar nicht verlustfrei, doch dafür schrumpfen selbst TrueColor-Bilder auf die Hälfte bis ein Zehntel der Größe, die GIF-Bilder benötigen. Übrigens – kennt einer der werten Leser den Entwickler des JPEG-Standards? (hk)

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