Auf sie mit Gebrüll: Die (üblichen) #EHEC-Verdächtigen

Politiker möchte ich nicht sein. Jedenfalls nicht Bundespolitiker. 

Ein paar fehlende Fußnoten in der Diss und man wird aus dem Amt gedisst, falsche Entscheidungen gefährden nicht nur die Wiederwahl, sondern können auch mal zu Rücktrittsforderungen führen. Und man muss nicht nur Englisch beherrschen, sondern sich am besten noch mit der Matiere auskennen, die man behandelt.

Und dann dieses Gezerre: Am einen Arm zerren die Lobbyisten – ohne die sind Wahlkampagnen nicht finanzierbar. Das verschleiert man zwar, aber es ist halt so. Am anderen Arm zerren die Wählerinnen und Wähler. Um deren Kreuzchen man durch die von der Lobby finanzierten Kampagnen buhlt. Und blöderweise haben beide unterschiedliche Interessen: Die Lobbies wollen dafür sorgen, dass ihre Branchen möglichst wenig investieren müssen, um die Gewinne zu maximieren. Die Wählerinnen und Wähler wollen erschwingliche, hochwertige und sichere Güter haben.

Dann kam EHEC.

Erster Verdächtiger: Gurken, Tomaten und Salate aus Norddeutschland. Die Landwirtschaftsverbände parierten reflexartig den Vorwurf: Kein vernünftiger Landwirt würde Gülle so ausbringen, dass sie noch am Gemüse haften würde. Das Argument zeigt, wovor die Verbände Angst haben: Vor den Mitgliedern, die sich nicht an die Regeln halten. Dass diese Produkte aus Deutscher Produktion noch gar nicht am Markt waren ist das 100%-Argument gegen den Vorwurf, kam aber erst als “und außerdem” hinterher.

Dann waren es plötzlich Spanische Gurken. Die Tierindustrie atmete auf: Keine Fleischprodukte, keine Milch. Norddeutsche Bauern wischten sich den Schweiss von der Stirn. Puh. Die Spanier waren sauer. Zu Recht. 

Jetzt sollen es Sprossen sein. Ein “Sprossen-Betrieb” ist schon geschlossen –  und die konventionellen Landwirte atmen auf: Ein Biobetrieb. Puh.

Und was meldet Der Standard gerade vor ner Viertelstunde?

Auch die deutschen Sprossen sind offenbar unschuldig. Den ganzen Montag über prüften Experten in Labors in Niedersachsen, ob Sprossen aus einem Saatgutbetrieb in der Nähe von Uelzen die Quellen der lebensgefährlichen Ehec-Darmerkrankungen sind oder nicht. Der Verdacht hatte sich über das Wochenende erhärtet. (Quelle: Der Standard)

Ob die Entwarnung ais Wien zu früh kam oder nicht werden wir morgen wissen.

Heute schon wissen wir, dass die Politiker durch ihre aktionistischen Meldungen sowohl norddeutschen Gemüsebauern als auch spanischen Gurken, einem Restaurant in der Lübecker Altstadt und einem Biobetrieb, der Sprossen herstellt und vertreibt, immensen Schaden zugefügt haben.

Sicher kann man die Krankheitsfälle nicht dagegen aufrechnen. Aber wenn statt möglichs schnellem Benennen eines vermeintlich Schuldigen mehr darauf geachtet worden wäre, dass der Infektionsweg schnell ermittelt wird, hätten bis zum Ende der Epedemie garantiert mehr Menschen vor der Infektion bewahrt werden können, als es jetzt der Fall ist.

Hauptsache, wir haben einen Schuldigen (und sind es nicht selbst) und können uns risikolos an unseren Stuhl klammern.

 

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