Profis im Netz

Dass man sich gegen die Rückwärtssuche der Rufnummer nicht mehr wehren kann ist Fakt. Zwar kann ich der Telekom untersagen, die Inverssuche zu unterbinden, aber Rufnummern landen auf so vielen Wegen in so vielen Verzeichnissen, dass man spätestens mit Hilf von Google einen Nummerninhaber identifizieren kann.
Das ist kritisch, denn es gibt nunmal viele Menschen, die aus gutem Grund nicht möchten, dass man Anrufe derart zurückverfolgen kann.
Und damit meine ich nicht unbedingt Callcenter, sondern alle Menschen, denen aus beruflichen Gründen schonmal das eine oder andere Vertrauliche gesagt wird. Journalisten, Anwälte, Beratungsstellen, Ärzte, Therapeuten. Für uns ist es unschön, wenn anhand von Einzelverbindungsnachweisen oder schlicht der Wahlwiederholungsliste eines Telefons irgendwer sehen kann, dass man uns angerufen hat. Schließlich ist alleine die Tatsache, dass eine Person einen Anwalt, einen Journalisten oder eine Beratungsstelle anruft, oft ein schützenswertes Faktum.
Ich hab (ganz klar gesagt) nichts gegen Dienste wie whocallsme.com und nutze sie auch selber. Da setzt die “Crowd” sich zusammen und wirft alles in den Topf, was man über bestimmte Rufnummern wissen muss: Dass dahinter 419-SCAM-Anbieter stecken oder andere Betrüger, dass der Anrufer ein Zeitungsabos verkaufen will und so weiter.
Wo der Bogen meiner Meinung nach leicht überspannt wird ist bei tellows.de. Tellows versucht einen Spagat aus einem dieser unsäglichen “Branchenbücher”, die sich ihre “Inserate” aus dem Web zusammenspidern oder von Telefonbuch-CDs lesen und dann völlig ungefragt ins Netz stellen, und einem Rückwärtssuchdienst.
Das ist großes Kino, wenn man es denn vernünftig macht – die Premiumeinträge im Branchenverzeichnis können das KErngeschäft – den letztlich gemeinnützigen Rückwärtssuchdienst – finanzieren. Das Blog von Tellows.de wirkt auch professionell.
Nur: Die Einträge…
Ich fand meinen Eintrag via Google bei der Suche nach meiner Rufnummer. Das sollte jeder gelegentlich mal machen.
Der Eintrag lautete:

Heilpraktiker Volker König
Eichenstr.
47918 Willich-Anrath

Also zwei Fehler in drei Zeilen – toll!

  • Erstmal lautet die gesetzlich vorgeschriebene Berufsbezeichnung “Heilpraktker (Psychotherapie)”, wenn ich den Zusatz weglasse kann ich von Mitbewerbern abgemahnt und vom Kreis Viersen mit einem Bußgeld belegt werden..
  • Und dann ist die Postleitzahl richtig, aber halt die von Tönisvorst. Dass nach der Gebietsstrukturreform der 1970er die Vorwahlen nicht mehr 1:1 zu den Ortsnamen passen ist wohl kein reines NRW-Problem.

Ich schrieb eine Mail mit kurzer Fristsetzung, mir bitte mitzuteilen, wo diese fehlerhaften Daten herstammen und sie wahlweise zu korrigieren (ein Blick ins Telefonbuch…) oder zu löschen.
Die Antwort:

Sie können jederzeit eigenständig Änderungen eines Firmeneintrags auf unserer Seite durchführen. Auf jeder Nummerndetailseite gibt es einen Link zu unseren Firmeneinträgen (Unterhalb der Bewertungsmaske). Alternativ können Sie die Seite auch direkt ansteuern unter http://www.tellows.de/num/IHRENUMMER/firmeneintrag (IHRENUMMER bitte durch die zu änderene Nummer ersetzen).
Falls Sie eine Präsentation mit Firmenlogo und Verlinkung möchten, finden Sie mehr Informationen unter http://www.tellows.de/inhalt/premium-eintrag-auf-tellowsde/

Das war nicht das, worum ich bat. Interessant ist aber die Tatsache, dass jeder den Eintrag über den entsprechenden Link verändern kann. Das hat, was das “Branchenbuch” angeht, Potenzial. Für Missbrauch nämlich. Es ist ja einfach, die Einträge der Konkurrenz mal etwas zu tunen, und viele der dort Eingetragenen
wissen nichtmal von der Existenz von Tellows.de.
Ich hatte die Musik nicht bestellt und daher sehe ich auch nicht ein, dass ich den Eintrag selber ändere. Außerdem könnten die Änderungen dann im Streit mir zugerechnet werden – wie gesagt, ich bat nicht um den Eintrag.
Ich recherchierte etwas. Die Rufnummer aus dem Impressum ist zwar gültig, das dazugehörige Handy aber abgeschaltet.
Ich schickte eine etwas deutlichere Mail. Und als wieder nichts passierte suchte den Domaininhaber via DEnic heraus und machte ihm auch ne klare Ansage.
Die Reaktion war nach einer Woche die Löschung des Eintrages und folgende Mail:

Entschuldigen Sie die späte Antwort. Wir betreiben dieses Projekt nebenberuflich und sind Ihnen dankbar für Ihre Tipps. Insbesondere bzgl. des Impressums.

Das Impressum hat das Tellows-Team tatsächlich auf meinen Hinweis hin erweitert – es finden sich nun die Umsatzsteuernummer, das Handelsregister und der Name des Inhabers.
Was ich bis heute nicht habe: Die Quelle, aus der die Daten falsch abgeleitet wurden. Und das interessiert nicht nur mich, auch Tellows sollte ein ziemliches Interesse daran haben, solche faulen Eier (oder schlicht Programmierfehler bei der Datenübernahme) ausfindig zu machen.
Der falsche Ort ist ein hausgemachtes Problem: Tellows zeigt nicht den zur vorhendenen Postleitzahl gehörenden Ort an, sondern den (veralteten) des Ortsnetzes.
Tellows hat Potenzial als Auskunftsportal für Telefon-Nervensägen. Als Branchenbuch mit Bewertungsmöglichkeit halte ich es wegen der leicht verfälschbaren Einträge für suboptimal. Und ich finde, eine Bewertungsmöglichkeit für namentlich benannte Personen oder Firmen im Internet einzurichten und diese Bewertungsziele nicht zu fragen oder wenigstens zu informieren geht mal gar nicht.

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