Good Bye, E10.

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Nachdem Tankstellen in meiner Umgebung nun auch E10 anbieten – und das auch noch 3ct billiger als Standardkraftstoff – hab ichs probiert. Mein Focus darf E10, sagt Ford.

Der Mehrverbrauch soll laut Verband der Ethanolhersteller bei maximal 1,9% liegen. Wer also 10l auf 100km verbraucht hat, verbraucht nun 10,19l auf 100km. Die Auto-BILD (und andere) kamen auf höheren Mehrverbraucht.

Tatsache ist, dass das Standard-Superbenzin schon ca. 5% Ethanol enthält. Die 5%, die bei E10 hinzu kommen, reduzieren den Energiegehalt des Kraftstoffs um 1,9%. Wie sich der CO2-Ausstoß dabei verhält konnte ich im Netz nicht herausfinden.

Die 1,9% sind auch – was für ein Zufall! – fast genau die 3ct, die der Sprit weniger kostet.

Damit E10 einen ökologischen Sinn haben kann, darf der Mehrverbrauch nicht dazu führen, dass auch mehr fossile Bestandteile des Kraftstoffs verbraucht werden. Sprich: Wenn durch 5% mehr Ethanol der Kraftstoffverbrauch um 5% erhöht wird, dann ändert sich an der CO2-Bilanz nichts. Die Menge an fossilem Brennstoff, die verbraucht wird, ist identisch, der Anteil des aus nachwachsenden Rohstoffen stammende und somit CO2-neutral verbrannten Kohlenstoffs ist identisch mit dem Mehrverbrauch.

Was starkt kritisiert wird ist die Tatsache, dass zur Herstellung des Ethanols extra Pflanzen angebaut werden. Das belegt Produktionskapazitäten, die nicht zur Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung stehen – global ein Problem, denn wir lagern immer mehr Nahrungsmittelproduktion in ärmere Länder aus. Diese (für die Erzeugerländer) Milchmädchenrechnung des Neokolonialismus wird an etlichen Stellen im Netz beleuchtet, das muss ich jetzt nicht tun.

Halten wir fest:

  • Mehrverbrauch < 2%: Ökologisch kann man drüber diskutieren, ernährungspolitisch fragwürdig, aber minimaler Preisvorteil
  • Mehrverbrauch < 5%: Wenigstens bezogen auf die CO2-Bilanz der Verbraucher positiv, ansonsten ein fragwürdiges Feigenblatt
  • Mehrverbrauch = 5%: E10 oder nicht ist belanglos
  • Mehrverbrauch > 5%: E10 macht genau das Gegenteil von dem, was es soll: die CO2-Bilanz belasten.

Die Grafik zeigt den Kraftstoffverbrauch meines Focus’ über die letzten Monate. Die markierten Zeitpunkte sind die Tankvorgänge, der berechnete Kraftstoffverbrauch bezieht sich folglich auf die Tankfüllung vorher. Am 10.10. habe ich das erste Mal Kraftstoff mit E10 getankt. Der scheinbar schon mit der vorherigen Tankfüllung gestiegene Verbrauch liegt daran, dass ich am 26.8. auch etwas Benzin für den Rasenmäher abgezweigt und die 2l nicht rausgerechnet hatte.

Die Grafik zeigt, dass der Focus bei meinem Fahrstil und den gefahrenen Strecken ohne E10 rund 7,15l auf 100km verbraucht habe. Die erste E10-Tankfüllung führte zu einem Verbrauch von fast 7,65l auf 100km. Das sind rund 0,5l mehr als sonst.

0,5l mehr entsprechen fast 7% Mehrverbrauch.

Ich fahre also lieber wieder Standardkraftstoff, der zwar 3ct, also rund 2% pro Liter mehr kostet, aber dafür 7% mehr Reichweite hat, was die CO2-Bilanz im Gegensatz zu E10 um wenigstens 2% verbessert. Außerdem verursache ich keine energiewirtschaftlichen Monokulturen auf Ackerflächen, auf denen hochwertige Lebensmittel angebaut werden könnten.

Ok, eine Chance hat E10 noch. Wenn der Verbrauch beim nächsten Tanken wieder runtergegangen ist, werde ich nochmal nachrechnen.

Ich glabu aber nicht dran.

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