Amazon

Weihnachten ist vorbei und die pflichtbewusste Amazon-Schelte der Medien und Gewerkschaften verschallte. Amazon beutet Mitarbeiter aus, der Einzelhandel leidet darunter. Oder? Schon vor Weihnachten hat Nadja Oberhuber in der FAZ eine Gegenposition vertreten. Insbesondere weist sie auf einige gerne übersehene Tatsachen hin.

Der Lohn in Amazons Versandzentren lehnt sich zwar an den Tarif des Logistikbereiches an, ist aber übertariflich. Das von ver.di inszenierte Lohndrama sieht laut Nadja Oberhuber so aus, dass ein Amazon-Mitarbeiter nach drei Jahren 10,99€ pro Stunde Brutto bekommt, nach dem von ver.di geforderten Einzelhandelstarif 40ct mehr. Das sind aufs Jahr zwar je nach (Über-)Stundenzahl einer Vollzeitstelle zwischen 800 und 900€, aber brutto. Bei einer 40 Stunden Woche mit bezahltem Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall kommt ein Mitarbeiter der Amazon-Versandzentren auf einen Bruttolohn von fast 23.000€. Diese rund 1.900€ Monatsbrutto sind zwar deutlich unter dem Durschnittslohn von 4.535 € für die Finanzbranche, aber die 800 bis 900€ pro Jahr, für die ver.di Arbeiter zum Streik aufgerufen hat, reißen nicht wirklich viel. Immerhin ist es ein ganzes Stück über der Niedriglohngrenze von 9,54€.

Wie es im Einzelhandel mit den tariflich Beschäftigen tatsächlich aussieht kommt gleich.

ver.di rügt auch die Kündigungen der befristet eingestellten Arbeitnehmer in den Logistikzentren “kurz vor Weihnachten”. Das Weihnachtsgeschäft ist für alle Einzelhändler eine Zeit der Urlaubssperren und Aushilfen. Letztere werden natürlich nur für die Zeit eingestellt, in der mit weihnachtsbedingen Verkäufen zu rechnen ist: Also bis zum 31.12. Befristete Arbeitsverhältnisse wurden exakt für solche Phasen ermöglicht.

Die Verträge mit den Mitarbeitern sind also von vorn herein befristet, den Mitarbeitern ist vollkommen klar gewesen, dass sie am 23.12.2013 ihren letzten Arbeitstag bei Amazon haben werden und danach bis zum 31.12. Überstunden und Urlaubstage abfeiern. Liest man mal nach, unter welchen Bedingungen es passieren kann, dass ein befristetes Arbeitsverhältnis versehentlich ein unbefristetes wird, ist absolut verständlich, dass die Geschäftsleitung exakt am letzten Tag der Laufzeit allen Betroffenen nochmal sagt: Ok, danke, das wars. Sie bekamen sogar Kaffee und Kuchen und wurden nicht, wie ver.di implizierte, überraschend einbestellt, damit man sie feuern kann.

ver.di rügt Amazon also nach Abzug der Polemik ernsthaft dafür, dass die Arbeitsverträge eingehalten werden?

Aber die Realitätsverzerrung in den Medien geht noch weiter. Natürlich kratzt Amazon an Pfründen des örtlichen Einzelhandels. Aber hat der nicht schon lange erhebliche Servicemängel? Nehmen wir mal den Buchhandel. Henning Groß schrieb unlängst in seinem Blog, wie er einem Buchhändler mit Hilfe der Amazon-App half, ein Buch im Verzeichnis lieferbarer Bücher zu finden. Vergeblich, auch über die ISBN konnte der Buchhändler es nicht finden. Das war nicht irgendeine kleine Buchhandlung, nein. Es war eine Hugendubel-Filiale, und auf deren Website konnte man das Buch bestellen. Absurderweise sogar zur Abholung in der Filiale.

Kurz gesagt: Örtliche Buchhandlungen mit guten Service kenne ich nur noch wenige. Den Stern Verlag in Düsseldorf zum Beispiel, aber da ich inzwischen weder in Düsseldorf wohne noch dort arbeite nützt der Laden mir nichts. Früher habe ich vor Besuchen dort per Internet gecheckt, ob die gewünschten Fachbücher vorhanden sind, um sie mir dann vor Ort anzusehen und bei Gefallen zu kaufen. Denn das Buchhaus Sternverlag hatte schon einen tollen Onlineshop, bevor Amazon in Deutschland eine Rolle gespielt hat.

Das ist heute anders, denn diese eine Buchhandlung ist mehr als eine halbe Stunde Autofahrt plus Parkplatzsuche in der Düsseldorfer Innenstadt entfernt (nach öffentlichen Verkehrsmitteln wollt Ihr bitte nicht fragen, das wäre eine Tagesreise).

Andere Buchhandlungen konnte ich früher anrufen und telefonisch Bücher bestellen. Bei Thalia geht das noch immer, die Telefonnummern zum Beispiel der Filiale Krefeld sind auf der Website angegeben. Mein letzter Versuch, dort telefonisch ein Buch zu bestellen und es dann abzuholen (das war im Sommer 2012) endete mit einem Verweis auf die Bestellmöglichkeit auf der Website. Ich solle es mir dann zur Abholung in die Buchhandlung schicken lassen. Ernsthaft?

Bestellvorgang bei Thalia

Bestellvorgang bei Thalia

Schauen wir mal genau hin: Ich habe die Wahl zwischen kostenloser Lieferung in meinen Briefkasten oder alternativ einer Fahrt nach Krefeld mit Parkgebühren und Zeitaufwand, um das Buch zu bekommen? Ich kann zwar nach Eingabe meiner Postleitzahl sehen, dass das Buch gerade in der Filiale vorrätig ist – aber warum sollte ich mir jetzt noch die Zeit nehmen, nach Krefeld zu fahren, wo ich das Buch ohne Mehrkosten auch genauso schnell nach Hause geliefert bekomme?

Was hab ich gemacht? Ratet mal. Natürlich: Ich hab es meinem Amazon-Warenkorb hinzugefügt, worauf hin es für denselben Preis zusammen mit Gitarrensaiten und einer Handyhalterung in einer einzigen Sendung in meiner Packstation landete.

Amazon ist also der böse Bube, weil es genau das gleiche macht, was die großen Buchhandelsketten auch machen: Durch Versandhandel mit Büchern den Filialen Kunden ausspannen.

Wirklich überleben werden offensichtlich nur die örtlichen Buchhandlungen, die zentral liegen und ein breites Sortiment an echten Fachbüchern (und nicht trivialwissenschaftlichen Ratgebern) führen. Und daran ist nicht Amazon schuld. Die Buchhandelsketten beschädigen sich selber, indem sie Online- und Offlinekauf nicht vernünftig verzahnen. Und was EBooks aus diesen Geschäften noch machen werden, weiß eh keiner. Märkte ändern sich halt kontinuierlich, insbesondere bei technischen Revolutionen.

Nun zum Einzelhandel als Ganzes. Amazon hat ja seit Jahren nicht nur Bücher, sondern ein sehr breites Non-Food-Sortiment im Angebot, steht daher mit dem kompletten Einzelhandel in Konkurrenz.

Die Arbeitswelt in der Bundesrepublik ist (und darin folgt sie einem weltweiten Trend) durch eine fast unüberschaubare Vielgestaltigkeit geprägt, die selten den Arbeitnehmern zum Vorteil gereicht. Dazu gehören unter anderem die gewöhnliche Arbeit in einem Normalarbeitsverhältnis, Kontraktarbeit, Honorararbeit, Minijobs, Stücklohnarbeit, Zeitarbeit, Scheinselbstständigkeit, Niedriglohnarbeit, Leiharbeit und so weiter. Mehr und mehr dominieren flüchtige, zeitlich befristete und schlecht entlohnte Beschäftigungsformen, deren gemeinsames Kennzeichen die Unmöglichkeit einer längerfristigen Sicherung des Lebensstandards und einer perspektivischen Lebensgestaltung ist.

Werner Seppmann in Telepolis

Da arbeitet Amazon total gegen den Trend: Vielen ansatzweise ausgewogenen Presseberichten ist zu entnehmen, dass in den Logistikzentren rund 9000 fest und überwiegend unbefristet angestellte Personen arbeiten. Natürlich gab es auch einen Leiharbeitsskandal, dazu gleich mehr.

Schauen wir uns erstmal die Situation des Arbeitsmarktes an sich an:

In vielen Branchen gibt es in der Bundesrepublik fast nur noch Beschäftigung im Niedriglohnbereich, also zu Stundenlöhnen unter 9,54 Euro: 87 Prozent aller Taxifahrer, 86 Prozent der Friseure, 77 Prozent der Beschäftigten in der Gastronomie und 69 Prozent der Verkäuferinnen und Verkäufer im Einzelhandel, aber auch 68 Prozent der Beschäftigten in den Callcentern oder Zweidrittel des Personals bei den Wachdiensten.

Werner Seppmann, a.a.O.

69% der Verkäuferinnen und Verkäufer im Einzelhandel arbeiten für einen Niedriglohn, bekommen also weniger Stundenlohn, als ein Amazon-Mitarbeiter im Versandlager!

Kann  mal kurz jemand den ver.di-Funktionären erklären, dass ihre Tarifverträge im Einzelhandel kaputt sind?

Dazu kommt, dass der Einzelhandel Spitzenreiter bei

Übersicht über Minijobs

Studie zur Analyse der
geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse, Seite 18

Minijobs ist – die geringe Stundenzahl führt für den Arbeitgeber neben den geringen Bruttolöhnen dazu, dass auch keine Sozialversicherung gezahlt wird. Leben kann von diesen Jobs natürlich niemand. Auch nicht in Vollzeit.

Die Vollzeitstellen bei großen Warenhausketten werden zum großen Teil befristet vergeben. Nur wenige Mitarbeiter werden auf die wenigen unbefristeten Stellen übernommen. Alle anderen wechseln von Filiale zu Filiale derselben Marke.

Die Filialen sind jeweils eine selbständige GmbH, die Warenhauskette umgeht so das Verbot der endlosen Kettenbefristung einer Stelle, indem pro Forma Arbeitgeber und Arbeitsort alle 2 Jahre wechseln.

Dazu kommen Arbeiten, die durch nicht tarifgebundene Dienstleister erledigt werden. Während zum Beispiel früher neue Waren von denselben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in die Regale eingeräumt wurden, die auch in der Filiale arbeiteten, kommen heute “Packdienste” von externen Dienstleistern zu bestimmten Zeiten in die Läden. Dadurch werden noch weniger tariflich Beschäftige mit fundierter Ausbildung und angemessenem Gehalt benötigt.

Glorreiche Ausnahme ist hier übrigens ALDI, das gerne mit ebenso unausgegorenen Argumenten angegangen wird, wie Amazon.

Dass die fest angestellten Amazon-Mitarbeiter zwar unter dem Durschnitt aller Deutschen Löhne bezahlt werden, haben wir gesehen, aber sie bekommen noch weit mehr als der im Wahlkampf von der SPD geforderte Mindestlohn von 8,50€ und sogar mehr, als 2/3 der Mitarbeiter im Einzelhandel, die zu dem geringen Stundenlohn auch noch den größten Anteil der Minijobs stellen.

Mir, als ver.di-Mitglied, ist vor diesem Hintergrund richtig peinlich, dass meine Gewerkschaft Amazon auf den Einzelhandelstarif festnageln will.

Der “Leiharbeiterskandal” bei Amazon war genau genommen auch keiner, zumindest nicht bei Amazon: Leiharbeiter, die in einem der Logistikzentren arbeiteten, waren von der Leiharbeitsfirma unter mehr als fragwürdigen Umständen untergebracht worden. Der Rechtsstreit um den Bericht fand daher auch zwischen der Sendeanstalt und der Leiharbeitsfirma statt.

Amazon hingegen trennte sich nach Bekanntwerden des Falls umgehend von der Firma und legte die Gehälter für Leiharbeiter offen:

Alle Mitarbeiter, die länger als ein Jahr in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland arbeiten, verdienen über 10 Euro brutto pro Stunde; im ersten Jahr über 9,30 Euro brutto. Die in dem Beitrag erwähnten Mitarbeiter aus Spanien, die über eine Zeitarbeitsfirma im Logistikzentrum Bad Hersfeld beschäftigt wurden, verdienten bei einer 37,5 Stundenwoche 1400 Euro brutto im Monat, in der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1500 Euro im Monat.

Bei 37,5 Stunden pro Woche und 1.400€ Brutto liegt der Stundenlohn bei rund 8,60€ – das ist zwar herzlich wenig, aber der gesetzliche Mindestlohn für Leiharbeiter ist noch niedriger (8,19€ in den alten und 7,50€ ,in den neuen Bundesländern, Stand 2013). Aber die Leiharbeiter in der Nachtschicht kommen auf über 10€ Und niemand hat Amazon bislang vorwerfen können, durch dauerhaften Einsatz von Zeitarbeitern Löhne zu drücken. Sie sind halt Saisonkräfte, zum Beispiel für das Weihnachtsgeschäft.

Wir halten fest:  Amazon ist böse, weil es

  • Arbeitsverträge einhält
  • den lokalen Buchhandel zerstört und diese Arbeit nicht den Buchhandelsketten überlässt, die mit denselben Mitteln auf demselben Weg sind
  • im Regelfall Vollzeitjobs vergibt, deren Gehälter knapp unter denen liegen, die dieselben Mitarbeiter im stationären Einzelhandel gar nicht bekämen, weil dort trotz Tarif die meiste Arbeit von Niedriglöhnern und Minijobbern erledigt wird.

Ich will Amazon keinen Persilschein ausstellen. Marktkonzentration und Monopolisierung ist immer schlecht. Kreative Steuervermeidung durch geschickte Lizensierung ist auch nicht im Sinne der Globalisierung.

Aber die Argumente, die in den letzten Wochen mal wieder gegen das  Unternehmen angeführt wurden, sind unsachlich, polemisch und an den Haaren herbei gezogen. Und das sage ich, obwohl ich selber ver.di-Mitglied bin.

Sorry auch.

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69 thoughts on “Amazon

  1. Dieter

    Ver.di sagt selbst, daß sie Partei sind. Und dem entsprechend formulieren sie ihre Pressemeldungen, wie hier dargelegt wird. http://www.heise.de/tp/blogs/5/155596

    Aber die Arbeitsbedingungen bei Amazon sind auch einen Blick wert. Und sei es nur im Vergleich zum Einzelhandel, der sich möglicherweise nicht besser verhält (ich weiß es nicht, aber mittlerweile halte ich alles für möglich). Wenn ohne wirkliche Not die Art und Weise, wie man mit Angestellten umgeht, auf ein neues Niveau nach unten gedrückt wird, dann ist Einspruch nötig.

    Wenn ein Geschäftsmodell nur funktioniert (sprich den Kapitaleignern ausreichend Gewinn verspricht), indem die Ansprüche aller übrigen Beteiligten vernachlässigt werden, dann sollte die Gesellschaft sich überlegen, ob dieses Geschäftsmodell ermöglicht werden sollte. Ich will keine Taxi- oder LKW-Fahrer, die meinen, Verkehrsregeln nicht einhalten zu müssen, weil sie sonst nicht genug verdienen, oder Paketboten, die Empfangsbestätigungen selbst unterschreiben, weil sie ihre Vorgaben anders nicht einhalten können.

    Wirtschaft und Arbeit ist dem Wandel unterworfen. Nicht zukunftsfähige Prozesse müssen angepaßt werden. Aber es muß genau hingeschaut werden, wo der Druck herkommt. Ob der aus dem Wettbewerb kommt oder von gierigen Menschen, die geschickt darin sind, eine Realität zu beschreiben, die es so gar nicht gibt.

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    1. vk Post author

      Ich geb Dir da Recht. Das System an sich ist nicht sozial und ich würde für Pakete, die ich versende und empfange, auch mehr Geld ausgeben, wenn ich dann sicher bin, dass der Zusteller davon leben kann und realistische Arbeitszeiten hat.
      Aber deshalb auf Versandhandel zu verzichten ist unrealistisch.
      Ich bestelle zum Beispiel bis auf ein paar unvermeidbare Ausnahmen nur bei Firmen, die Versand per DHL anbieten (das ist noch der sozialste Arbeitgeber) und zwinge Amazon zum Versand per DHL, indem meine Adresse immer die DHL-Packstation ist.
      Die Arbeitsbedingungen bei Amazon – ja, die sind ein anderes Blatt. Die hab ich bewusst nicht thematisiert, dann hätte ich noch weiter gehen müssen, zum Beispiel:
      Pizzadienste & Co. Die sind ein Segment mit vielen geringfügig beschäftigten Menschen. Und Ausbeutung: http://www.taz.de/!123533/
      Ich finde jetzt leider den Blogartikel nicht, in dem ein ehemaliger “Pizzafahrer” aus einer anderen Stadt berichtet hatte, wie es bei seinem Minijob mit den Arbeitsbedingungen aussah. Das gleiche gilt aber auch für bestimmte Billigladenketten knapp oberhalb der 1€-Läden.
      Die Art, wie LIDL und (früher) Schlecker mit Mitarbeitern umgehen, ist ja auch hinreichend thematisiert und keine Ausnahme, sondern nur die Spitze des Eisbergs.
      Die Behauptung von Frau Merkel, der Markt würde das regeln, setzt voraus, dass der Arbeitsmarkt vernünftig reguliert ist.
      Ist er nicht.
      Die Gewerkschaften wurden spätestens durch den Missbrauch von Leiharbeit (von dem Frau Merkel offenbar erst letztes Jahr im Wahlkampf erfahren hat) und die Drangsalierung Arbeitsloser durch die Agentur für Arbeit entmachtet.
      Wir brauchen daher eine andere Politik.
      Nein.
      Wir brauchen eine andere Kultur.

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  2. Pingback: 5 Lesetipps für den 2. Januar | Netzpiloten.de – Social Web Explorer

  3. Sven

    lesenswert. Jedoch ist Hugendubel oder eine sonstige Buchhandelskette für mich kein Maßstab. Natürlich ist es aber gut geeignet für den Vergleich Amazon/Buchhandelskette. Im örtlichen Buchhandel muss mehr Service her – unbestritten. Aber manches Mal können sie es vor Ort besser.

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    1. Peter Brülls

      Ganz ernsthaft: Was?

      Buchempfehlungen via Amazon Algorithmen funktionieren ausnehmend gut, Blogs, Google Plus und Co liefern dann auch die unerwarteten Empfehlungen.

      Ich behaupte mal, dass kein Buchhändler das leisten kann – er kann ja nicht einmal einen Bruchteil seines Sortiments anlesen.

      Der örtliche Buchhandel schmiert dagegen schon ab, wenn man eher englischsprachige Belletristik liest. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was Freunde spanischsprachiger oder japanischer Literatur da sollen.

      Von „E-Books“ (ich bin tatsächlich so weit, dass ich zu Hause nur noch von „meinem Buch“ rede, wenn ich den Kindle meine) ganz zu schweigen. Für Trivialliteratur zur Mittagspause oder Fachbücher (wenn nicht Formatfragen dagegensprechen) ziehe ich Papier gar nicht mehr in Betracht, was soll da ein Laden nutzen?

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      1. vk Post author

        Die Buchbranche ist gerade da, wo die Musikbranche vor 10 Jahren war. Lediglich war es damals so, dass die Waren schon digital beim Kunden vorlagen (CD), wir sie nach Ansicht der Industrie nur nicht lösgelöst von der körperlichen Handelsware nutzen durften. Nachdem ziemlich alle Vertriebswege für den Kauf von digitaler Musik von DRM-Modellen weg sind, die uns keine Zukunftssicherheit geben, sind Kindle&Co auch etwas, was sich in den nächsten Jahren noch massiv verändern wird.
        Ich hab auch kaum noch Fachliteratur in Papierform hier, ein paar Handbücher ja, aber das meiste findet Tante Google schneller in einem Fachblog als ich im Handbuch.
        Nico Lumma hatte neulich mal geschrieben (find ich jetzt auch nicht), dass es seiner Tochter schnurzegal ist, ob er ihr aus einem Buch oder vom Kindle vorliest – Hauptsache, die Geschichte, den sie sich um 17 Uhr gewünscht hat, ist zur Schlafenszeit vorhanden.
        Die Generation, die zu Weihnachten ihre ersten Smartphones bekommen hat, wird physisch vorhandene Bücher in dem Umfang, in dem wir sie heute im Haus haben, nur noch aus der Schule kennen.
        Und zwar unabhängig von Amazon. Proprietäre Formate werden auch bei EBooks verschwinden.

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        1. Peter Brülls

          Wobei das proprietären Format für Amazon nicht so wichtig sind. Die haben Mobipocket genommen, weil Adobe seine Software eingestellt hatte.

          Für den Leser ist es egal, solange keine DRM drauf ist, zumal Mobi und epub Verlustfrei ineinander wandelbar sind.

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  4. thefan1968 (@thefan1968)

    Bei Licht betrachtet ist also diese Amazon-Geschichte eben auch nur ein Sturm im Wasserglas…
    Ja natürlich, sind die Arbeitsbedingungen dort doof, muss natürlich was getan werden, aber warum sollte das nur dort zutreffen?

    Wie sieht es denn mit den “Weihnachtsangestellten” bei z.B. dem Otto-Versand aus, der mit Hermes auf ein durchaus prekäres Vertriebssystem setzt?

    Der stationäre Handel hat inzwischen längst an ganz anderer Stelle verloren:
    Er bietet dank der Plattmacherei durch Einkaufszentren in jedwedem Ballungsraum nur noch ein Massenangebot und Individulität ist eher nur noch ein glücklicher Einzelfall:
    http://fachinformatrix.blogspot.de/2013/12/warum-mich-der-stationare-handel-ans.html

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  5. Lionel

    Ihre Analyse ist interessant und aufschlussreich, aus meiner Sicht jedoch unvollständig. Hier noch ein paar Ergänzungen, die die Angelegenheit vielleicht in ein anderes Licht werfen:

    Im Tarifvertrag für den Buchhandel gilt ein Stundenlohn von 13,52 € (http://www.taz.de/!88657/). Löhne, die mehr als 30% unter dem tarifvertraglich vereinbarten Stundenlon liegen, gelten als sittenwidrig (http://arbeits-abc.de/sittenwidrige-stundenloehne/).

    Für den Buchhandel liegt demnach die Sittenwidrigkeitsgrenze bei 9,46 €. Der von Amazon im ersten Jahr gezahlte Stundenlohn in Höhe von 9,30 € verstöße gegen §138 BGB, wenn nicht der Trick mit dem Logistik-Tarifvertrag angewendet würde. Ob Amazon nun Logistiker oder doch Buchhändler ist, sollen die Juristen entscheiden. Die meisten unter uns, werden die Firma wahrscheinlich nicht in der gleichen Branche wie Schenker, DHL oder Lufthansa Cargo sehen.

    Die 69% der Buchhändler, die ebenfalls einen sittenwidrigen Lohn erhalten, als Vergleich zu Amazon heranzuziehen, erscheint mir in diesem Zusammenhang als zynisch. Offensichtlich hat Ver.di ein Problem, den Tariflohn tatsächlich flächendeckend durchzusetzen. Ein Grund dafür könnte in der Bezahlstruktur bei Amazon liegen, die nicht zu selten als Ausrede für Dumpinglöhne herhalten muss. Ein anderer könnte im geringen Organisationsgrad der Angestellten liegen.

    Alle Argumente zu den Service-Mängeln zahlreicher Buchhändler sind korrekt. Jedem Kaufmann steht es frei, die sog. Customer Experiance mit der richtigen Technologie so zu gestalten, dass ein Kauf zumindest nicht verhindert und im besten Falle gefördert wird. Aber das steht auf einem anderen Blatt und gehört nicht mit der Lohndebatte vermascht.

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    1. vk Post author

      Der Stundenlohn von 9,30€ trifft auf Saisonarbeitskräfte im Lager zu. Die regulären Arbeitnehmer dort verdienen nach einem (Aussage Amazon, siehe Zitat im Text) bzw. drei Jahren (siehe Bezug auf die FAZ) über 10€ die Stunde.

      Diese Mitarbeiter sind von ihrer Tätigkeit her eher Lageristen als Buchhändler. Ob diese Argumentation seitens Amazon gesellschaftlich erwünscht ist, will ich gar hier und jetzt nicht diskutieren. Es ist ja eine generelle Fragestellung des Versandhandels: Ist er eine eigene Branche oder gehört er zu den jeweiligen Branchen des Einzelhandels? Muss der Lohn eines Versandmitarbeiter bei DocMorris am Lohn eines Apothekenhelfers orientiert sein? Immerhin trägt er mehr Verantwortung für die Gesundheit der Kunden als ein Packer beim Otto-Versand.

      Aber das thematisiert ver.di nicht.

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    2. Alexander

      Das blöde an dem Thema ist halt, dass die ganze Vergleicherei niemals funktioniert. Es sei denn als durchschaubarer rhetorischer Kniff.

      a) Stundenlöhne sollten nur für gleichqualifizierte Tätigkeiten verglichen werden. Buchhändler und Lagerist sind unterschiedlich qualifiziert.

      b) Natürlich ist Amazon nicht mit Lufthansa Cargo vergleichbar. Amazon ist aber auch nicht (mehr) mit Hugendubel vergleichbar. Denn nach meinem Wissen kann ich bei Hugendubel keine Schlagbohrmaschine kaufen, wohl aber bei Amazon. Nach meinem Wissen bietet Hugendubel anderen Buchhändlern keine Verkaufsplattform im Laden, Amazon aber schon. Nach meinem Wissen bietet Hugendubel anderen Unternehmen nicht an, deren Waren zu lagern und zu versenden. Amazon ist also genauso wenig Buchhändler wie Spediteur.

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      1. vk Post author

        Ja, das ist es auf den Punkt gebracht.

        Amazon passt in keinen der Tarifverträge zu 100%. Statt innerhalb der Tarife, die ver.di ausgehandelt hat, einen Kampf auszufechten, wo Amazon “hin gehört”, könnte ver.di auch fachlich und pragmatisch Argumente finden was an der derzeitigen Gehaltsstruktur zu verbessern ist.

        Amazon kann jetzt sagen “Aber wir sind Logistik und nicht Einzelhandel” und das Gespräch so beenden, bevor man auch nur in Sichtweite irgendeiner zielorientierten Sachdiskussion angekommen ist, die irgendeinem Mitarbeiter mehr Geld oder bessere Arbeitsbedingungen verschafft.

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    1. Peter Brülls

      Hatte ich nicht als Sarkasmus erkannt, weil ich dran stecken blieb, dass „Durchschnittslohn“ einer der größten Lüge überhaupt ist. Relevant ist doch nur nur das mittlere Einkommen.

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  6. Mentor54

    Es gibt keinen “gesetzlichen” Mindestlohn für Leiharbeiter, sondern einen branchentariflichen!

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      1. xenicds

        Der Mindestlohn in der Zeitarbeit lag im abgelaufenen Jahr bei 8,19 EUR im Westen, 7,50 EUR im Osten. Mit dem 1.1.2014 gibt es neue Mindestlöhne von 8,50 EUR/West und 7,86 EUR/Ost.

        Die Tarifverträge von BAP (vormals BZA) und IGZ sind in der Beziehung als allgemeinverbindlich erklärt worden. Daher ist es in Deutschland nicht erlaubt einen Zeitarbeitnehmer mit weniger als 8,50 EUR im Westen bzw 7,86 EUR im Osten zu beschäftigen.

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  7. Volker

    Die 13,52€ sind für ausgebildete BuchhändlerInnen, hier haben wir es wohl bestenfalls mit ausgebildeten Fachlageristen oder Handelsfachpackern zu tun deren Tariflohn weit darunter liegt.

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  8. Ababab

    Was hier unter den Tisch fällt ist, dass amazon, soweit ich weiß, hier kaum Steuern zahlen muss, und sich allein dadurch ein erheblicher Wettbewerbsvorteil ergibt. Das ist der eigentliche Grund, weshalb ich amazon ich Zukunft meiden werde.

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    1. vk Post author

      Weil sie ein anderes Aufgabenfeld haben und nicht fachlich qualifiziert sein müssen, Kunden die Artikel zu empfehlen, mit denen sie zu tun haben?

      Natürlich ist es unbefriedigend, dass ein Straßenreiniger nie soviel Geld verdienen wird, wie ein Notar. Aber das ist nichts, was Amazon erfunden oder zu verantworten hat.

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  9. Dennis Knake

    Verstehe ich den Beitrag richtig? Nach drei(!) Jahren bekommt ein Amazon Mitarbeiter also 10,99 Euro die Stunde. Aber was bekommt er davor und wie sieht es mit der Mitarbeiterfluktuation aus? Wieviele Mitarbeiter bleiben dem Unternehmen denn drei Jahre treu, bis sie in den “Genuß” der 10,99 Euro/Stunde kommen? Nur mal so gefragt.

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  10. Pingback: Die Woche in Links (52/13)

  11. Mats Matsen

    Also von einem Besuch bei einem Buchhändler zu schließen, dass Buchhändler generell Serviceneutral sind, hält ja nun keiner genaueren Betrachtung stand. Von meinem Erleben kann ich das Gegenteil berichten. Ich kann mir die Bücher dort angucken, ähnliches empfehlen lassen, ohne dass mein Kaufverhalten bei der NSA landet und wenn ich etwas bestelle, ist es am nächsten Tag vor Ort, also oft schneller als bei Amazon. Anzumerken bleibt noch, dass – auch wenn es sich wohl nicht verhindern lassen wird – durch den Versandhandel die lokale Ökonomie geschwächt wird, was zur Folge hat, dass unsere Städte immer gesichtsloser werden, es überall die gleichen internationalen Ketten gibt, die tatsächlich kaum Steuern zahlen und dass kleine, interessante, lokale Einzelgeschäfte sterben, weil sie die steigenden Mieten nicht mehr bezahlen können. Das ist der Grund, warum ich generell soweit möglich auf Versandhandel verzichte.

    Reply
    1. vk Post author

      Genau das sind die Argumente, die ich gegen Amazon gelten lassen würde. Wenn man sie belegen könnte.

      Wobei: Vor Amazon, gar vor dem Internet, gab es schon mit OTTO, Quelle, Bertelsmann und vielen (!) anderen Versandhandel. Ist also Amazon verantwortlich dafür, dass, wie in einem weiter oben verlinkten Blogpost, in den Städten immer weniger individueller Einzelhandel und immer mehr bundesweit gleiche Einzelhandelsketten zu finden sind?

      Wer war zuerst da? Die Henne (Versandhandel) oder das Ei (bundesweit einheitliche Filialen von Handelsketten)?

      Reply
    2. Peter Brülls

      Die Bücher angucken kann man auch bei Amazon, zumindest was die Inhalte angeht. Nicht komplett natürlich, aber dafür für zig Büchern und nicht nur einigen hundert. (Wenn man mal von einer Buchhandlung all jene Bücher abzieht, die einen nun gerade nicht interessieren.)

      Buchempfehlung: Ehrlich gesagt bezweifle ich das. Ein Buchhändler kann bestenfalls in einem kleinen Bereich den Überblick behalten.

      NSA: Punkt für den Buchhandel.

      Geschwindigkeit: Die meisten Bücher, die ich bei Amazon kaufe, sind binnen Sekunden bei mir. 🙂

      Tatsächlich ist die Dauer der Lieferung aber nicht unbedingt entscheidend für mich, sondern eher die Dauer des Kaufs. Und der beträgt bei Deinem Szenario mindestens drei Stunden, da ich an keiner wohlsortierten Buchhandlung vorbeikomme. Die beste Chance bietet die Innenstadt, die aber 5 km entfernt ist. Will man etwas ausländisches, dauert es gerne mal Wochen bis Monate. (Kann sein, dass es nur noch Wochen sind. Ich werd’s nicht aus Prinzip wieder probieren.)

      In den meisten Fällen finde ich die Amazon-Lieferung jedoch am nächsten Tag in meinem Briefkasten.

      Tja, zur Lage der Innenstädte: Es würde helfen, wenn dort interessante Dinge verkauft würden. War für mich nie wirklich der Fall, mit Ausnahmen der Buchhandlungen. Die „kleinen, interssanten Einzelgeschäfte“, mit denen habe ich auch zu viel durchwachsene Erfahrungen gemacht.

      Elektronikhändler, die mir Ersatzteile wegen Kartenzahlung nicht verkaufen wollten. (Jesses, ich hätte ja die 50 Cent transaktionsaufwand dazugegeben, wenn ich Bargeld dabeigehabt hätte.)

      TV-Händler, die mir auf „Ich brauche einen Fernseher mit NTSC“ ein „Das brauchen Sie nicht“ entgegnen. Oder bei einem 3.000 DM Ausstellungsstück (üblicher Preis für das Gerät) nichts runterlassen wollen – trotz fettem Kratzer.

      Buchhändler, die NICHT wie versprochen anrufen wenn das Buch da ist, aber mir dann eine Woche später ein verdrecktes und runtergefallenes Exemplar andrehen wollen.

      Und so weiter, und so weiter…

      Kleidung, Lebensmittel aus der Region, kaufe ich alles gerne hier vor Ort. Aber aus Prinzip schlechten Service akzeptieren oder Produkte kaufen, die ich nicht brauche, oder zu Mondpreisen, damit die Mieten der Innenstadt bezahlt werden könne? Warum?

      Fußgängerzonen als Shopping-Welten sind auch eine moderne Erfindung ohne Ewigkeitsanspruch. Und ich brauche sie nicht wirklich.

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      1. vk Post author

        Du sprichst da generell den “Niedergang des Einzelhandels” an.

        Das ist wieder ein eigenes Thema 😉

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        1. Peter Brülls

          Nun, der VP postulierte ja eine nebulöse moralische Verpflichtung den lokalen Einzelhandel zu unterstützen.

          Amazon und Co und auch Einkaufszentren sind auch Einzelhandel, das darf man halt nicht vergessen.

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    1. vk Post author

      Nicht ganz. Amazon ist kein typischer Versandhändler mehr. Ich kann meine Waren nicht beim OTTO-Versand mit unterstellen (Amazon Marketplace). Siehe auch den treffenden Kommentar von Alexander weiter oben.

      ver.di geht es darum, dass ein Tarif vorhanden ist. Wie schon oben gesagt: Das Vorgehen ist unstrategisch. Amazon sagt: “Die Packzentren sind Logistik und kein Versandhandel”. Statt zu antworten: Ok, dann lasst uns über die Tarife von Fachpackern etc. in der Logistik sprechen, Stellenprofile festlegen und all das machen, was erforderlich ist, sagt ver.di: “Nö, Ihr seid Einzelhandel.”

      Ich hab inzwischen auf Twitter mehrere DMs von einem Amazon-Mitarbeiter bekommen, der genau das als Grund für die schlechte Akzeptanz der Gewerkschaft unter Amazon-Mitarbeitern angibt: ver.di versucht, neue Geschäftsmodelle über alte Kämme zu scheren.

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  12. Jörn Ott

    Nun ja, die Welt ändert sich halt. Die Zeiten, als der Clan aus der Hähle losgezogen ist, um ein vorbeilaufendes Mammut zu erschlagen, ist schon etwas länger vorbei. Tante-Emma-Läden im Stadtviertel sind den großen Supermärkten “auf der grünen Wiese” gewichen und der Versandhandel sowie Lieferservices bedrohen Fußgängerzonen mit kleinen Einzelhandelsgeschäften (und überteuerten Ladenmieten). Die Welt entwickelt sich weiter und wenn man sich nicht schnell genug anpasst stirbt man aus.Ob alle diese Änderungen sinnvoll sind oder nicht, oder ob wir sie gut finden, steht auf einem anderen Blatt.

    Fakt ist jedoch, dass es in Deutschland sehr viele Tätigkeiten im Niedriglohnbereich gibt, weil es zu viel Konkurrenz gibt bzw. zu viele Kandidaten gibt, die diese Tätigkeiten ausüben können. Im Bereich der Spezialisten kann man auch heutzutage gut verdienen und die Arbeitgeber bemühen sich bum diese Mitarbeiter, weil es einen Mangel an diesen Fachkräften gibt.

    Würde unsere Politik ernsthaft etwas an den Themen ändern wollen, hätten wir längst schon einen Mindestlohn. Und wenn man die Gewinne bzw. Kapitalausschüttungen von Unternehmen, die Hartz 4 Aufstocker beschäftigen mit einer zusätzlichen Steuer von 50% belegen würde, könnte man dieses Geld zur Finanzierung von Hartz 4 benutzen… Nicht einmal die Konkurrenzfähigkeit dieser Unternehmen würde gefährdet, da nur die Gewinne wieder abgeschöpft werden, bevor sie (derzeit nur mit 25% besteuert) in den Taschen der Eigentümer landen.

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  13. Jürgen Braatz

    Jeder Buchhändler hat mindestens eine billige Azubine, die im 1. Jahr nur rund 600 Euro pro Monat verdient. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Viele werden nach der Ausbildung nicht eingestellt, sondern die nächsten Azubis. Zu den vorsintflutlichen Verkaufsmethoden von Buchläden könnte ich auch viel beitragen. Und der wenig bekannte aber viel ältere Buchversand Libri “Partner des Buchhandels” arbeitet auch nicht sozialer als Amazon.

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  14. MichelRudi

    Diese “Recherche” bedient sich der geistlosen Argumente, mit denen die neokonservativen Ideologen unter anderem in Deutschland Ende der 90er und in den Nuller-Jahren den Abbau sozialer Standards vorantrieben und der Ausbeutung schlecht qualifizierter Menschen gesellschaftliche und gesetzliche Weihen verliehen. Wahrscheinlich muss man den Autor und manche der hier kommentierenden Foristen vor sich selbst schützen: Sie haben nicht begriffen, dass das Konkurrenzprinzip, nach dem sie urteilen, einzig dem Unternehmer hilft und einzig dem Arbeitenden schadet. Wer also hier einen Tarif entdeckt, der (möglicherweise vermeintlich) noch niedriger ist, und da eine Branche kennt, die noch schlechter zahlt und daraus positive Schlüsse zieht, ist Teil des Problems, nicht der Lösung. Schon mal darüber nachgedacht, warum es in McDonald’s-Filialen unterschiedliche Löhne für identische Tätigkeiten gibt? Schon mal was davon gehört, dass global agierende Unternehmen ihre Fertigungsstraßen in Asien gerne als mobile Fabriken bzw. billige Einweg-Fabriken konzipieren, um schnell umziehen zu können, falls in einem anderen Land der Stundenlohn um ein paar Cent gedrückt werden konnte? Schon mal recherchiert, welches Land in der EU den größten Niedriglohnsektor aufgezogen hat und mit diesem mörderischen Konkurrenzmodell andere Länder wie Griechenland zu ewigen Schuldnern in Armut macht?

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    1. vk Post author

      Nein, mir ist das klar.
      Ich hab nur eine Aversion dagegen, wenn Argumente dumm sind. Die Argumente von ver.di sind dumm, was nicht heißt, dass ver.di dort nicht arbeiten solle.
      Ein Unternehmen, das offenbar nicht auf Kettenbefristungen, Leiharbeitsausbeutung etc. setzt, öffentlich zu diffamieren, ist daher kontraproduktiv.
      Gewerkschaften schaffen es nur sehr träge, neue Tätigkeitsfelder auf dem Arbeitsmarkt als neu zu erkennen und versuchen, neue Berufe über einen Kamm von Vorgestern zu scheren. Die Eingruppierungsordnungen vieler Tarife sind bei technischen Berufen oft Jahrzehnte veraltet. Da wird die Lohngruppe im IT-Bereich mitunter nach Maßstäben bestimmt, die aus den 1980ern stammen.
      Wer als Unternehmer innovativ ist, kann das oft nur sein, wenn er aus Tarifverträgen raus bleibt.
      Dass es Arbeitsschutzgesetze gibt (so lückenhaft sie sind) zeigt, dass sie benötigt werden. Dank Hartz IV und dem nicht eingedämmten Missbrauch von Leiharbeit (von dem Angela Merkel angeblich erst im letzten Wahlkampf erfuhr) sowie die oben beschriebenen Tricks, um Kettenbefristungen doch hinzubekommen, haben Gewerkschaften keine Macht mehr (was Frau Merkel negiert).
      Was fehlt ist eine Politik für den Menschen und nicht für die Unternehmen.
      Wovon wir zu viel haben sind populistische Argumente wie die von ver.di, die das Problem nicht greifen können.
      Ich hab inzwischen einige Mails von Amazon-Mitarbeitern bekommen. Ich kann nicht sagen, dass keiner unzufrieden ist. Es gibt Ansatzpunkte, über die ver.di dort Fuß fassen kann. Die Kündigungsfristen der Saisonarbeiter sind z.B. nicht ok, in den Verträgen findet sich sicher noch das eine oder andere.
      Um als Gewerkschaft den Fuß in die Tür zu kriegen, muss die Tür erstmal auf gehen. Wenn das erste Argument lautet “Ihr orientiert Euch am falschen Tarif” wird sie nicht aufgehen. Trotz Streik.

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  15. Günter Hartmann

    Man schlägt häufig den Sack und meint den Esel. Die Politik hat die Rahmenbedingungen festzulegen innerhalb derer gearbeitet und gewirtschaftet wird. Da Politik jedoch spätestens seit Rot/Grün aber die soziale Gestaltung einer Gesellschaft aufgegeben und an einen Herrn Hartz, seinerzeit VW, delegiert hat, gibt es keinen Gestaltungswillen mehr in der Politik. Das wird gnadenlos ausgenutzt. Wir leben schließlich in einer kapitalistischen Gesellschaft. Also: Die Prügel haben Yin ersten Linie die PolitikerInnen verdient, die in diesem Land eine schlechte Arbeit machen und da nicht zu Mindestlöhnen.

    Amazon und alle anderen Unternehmen sind dadurch nicht freigesprochen von ihrem unsozialen Verhalten. Dennoch muss für sie gelten, was für alle gilt: Der Spielraum der gesetzlich möglich ist, darf genutzt, ja, er darf ausgenutzt werden! Und zwar so lange, bis er entsprechend eingeengt wird!

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  16. Jan

    Alles richtig, nur eins darf man nicht vergessen: Das lokale Geschäft führt seine Steuern in Deutschland, in der eigenen Kommune ab. Davon werden Kindergärten, soziale Einrichtungen, Infrastruktur usw. gefördert. Für die Artikel, die Amazon von seinem Sortiment selbst verkauft und nicht über einen Drittanbieter, werden die Steuern in Luxemburg abgeführt. Darüber sollte man nachdenken!

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  17. Pingback: techtäglich: Auf ins neue Jahr mit Tech-Links am 2. Januar 2014 | Mobilegeeks.de | Intern

  18. Romin

    Lieber Kollege,

    warum du hier als ver.di Mitglied die Argumentation eines global agierenden Konzerns widerkaust, statt die Perspektive deiner (kämpfenden) KollegInnen einzunehmen, musst du dir selbst erklären. Bin nur immer wieder erstaunt wie wenig dann doch von einer Krise des neoliberalen Bewusstseins gesprochen werden kann.

    Zwei Punkte:

    Amazon hat die jahrelang eingefrorenen Löhne erst erhöht, als die Leute begonnen haben, sich bei ver.di zu organisieren. Vorher gabs zum Einstieg sechs Jahre lang 7, 50 seit 2011 9,50.
    Wann ist die gewerkschaftliche Organisierung für das Management spürbar geworden? Ach ja 2011.

    Wer meint das ein Arbeitgeber eigenständig beschließen darf, nach welchem Tarif er gerade zahlen möchte, kann sich auch das Wahlrecht oder sonstige Möglichkeiten des Widerspruchs in die Haare schmieren. Das Geschäftsmodell von Amazon heißt Kaufen/Verkaufen und nicht liefern, das ist der Teich in dem sie fischen. Und übrigens auch berufsgenossenschaftlich organisiert sind, Handel nicht Logistik.

    Es geht im wesentlichen bei der der Anerkenung des Tarifvertrags Versandhandel um die Rahmenbedingungen wie tarifierte Zuschläge Nacht- Mehrarbeit, würde für die Leute locker 5000 Euro pro Jahr bedeuten, also Urlaub oder nicht, Autoreparatur oder nicht etc.

    Abschließend: Es geht um Geld, das die Leute tagtäglich in monotoner, sehr anstrengender Arbeit für dieses Unternehmen und seinen 25 Mrd Dollar-Chef erarbeiten, es ist ihr gerechter Anspruch, dass sie dabei auch entsprechend entlohnt werden, ist doch nicht so schwer, oder?

    http://www.verdi.de/themen/geld-tarif/amazon

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    1. vk Post author

      Warum ich meine Gewerkschaft so kritisiere?

      Weil es im 21. Jahrhundert dumm ist, mit Lügen Politik machen zu wollen. Die Medien sind zu schnell, und damit meine ich nicht die klassische Presse, die auf die “kurz vor Weihnachten feuerte Amazon tausende Mitarbeiter”-Nummer reingefallen sind. Sowas geht heutzutage nach hinten los. Siehe auch http://www.heise.de/tp/blogs/5/155596

      Dazu kommt, dass ver.di wie alle DGB-Gewerkschaften Probleme mit neuen Arbeitsbedingungen hat. Nimm Dir mal die Eingruppierungsordnungen für IT-Mitarbeiter zum Beispiel aus dem TVöD und vergleiche sie mit den Arbeiten und Berufsbildern, die heute in der IT so existieren. Du wirst sehen, dass die Eingruppierungsordnungen irgendwo in den 1980ern stehen geblieben sind, als “IT” immer zentrale Großrechnerinfrastruktur bedeutete.

      Zu der Lohngerechtigkeit, die eine Gewerkschaft schaffen will, gehört als Kern ein Regelwerk, das Planstellen in einem Unternehmen vergleichbar macht. Und zum Beispiel Mitarbeiter in der Produktionssteuerung untereinander und mit anderen IT-Mitarbeitern anhand der Zahl der in Form von Lochkartenstapel abgeschickten und koordinieten Verarbeitungen zu vergleichen, ist im 21. Jahrhundert mit seinen heterogenen und komplexen IT-Infrastrukturen so sachgerecht, als ob Du Kfz-Schlosser nach dem Schwierigkeitsgrad der Hufeisen eingruppierst, die sie herstellen.

      Wenn sich da nichts ändert und Ihr auch die Vorteile mobiler Arbeitsstätten, Homeoffices, BYOD etc. für die Mitarbeiter nicht sehen wollt, dann müsst Ihr Euch nicht wundern, wenn innovative Unternehmen Tarifverträge scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Und Ihr entzieht die Mitarbeiter, die da arbeiten wollen (oder gar müssen, weil das Jobcenter sonst Ärger macht) jeglicher Chance auf gewerkschaftlichen Schutz.

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      1. HeinziB

        Du machst jetzt unnötigerweise einen Nebenkriegsschauplatz auf und lenkst damit von deinem Thema “Amazon” ab.
        Das heisst dann wohl auf neudeutsch “End of Discussion”.
        Schade… 🙁

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      2. moe

        “Weil es im 21. Jahrhundert dumm ist, mit Lügen Politik machen zu wollen.” Wer macht das denn nicht so? Presse? Gewerkschaften? Unternehmertum? Politik? Alles ein riesen Bollwerk an Lügen und man darf sich dann eine davon aussuchen.

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      3. Romin

        Du glaubst ernsthaft, dass Amazon keine TVs will, weil die unmodern sind und kein Home office ermöglichen? Nö, sondern weil die die Extraprofite schmälern würden, die sie gerne einfahren. Eben 4 – 5000 Euro pro Jahr und pro Nase an Zuschlägen.

        Die angeblich so modernen Arbeitsplätze sind nach tayloristischen Prinzipien organisiert, also Arbeitsrationalisierung aus den 60er Jahren. Gegen diese Verwandlung von Menschen in Roboter organisieren sich die Beschäftigen mittlerweile sogar transnational, schreib doch mal lieber über diese Form der Modernität.

        Dass du deiner eigenen Gewerkschaft Lügen vorwirfst, aber davon sprichst, dass es bei Amazon keine Kettenbefristungen gäbe, ist schon ein starkes Stück. Genau, dass ist das Konzept von Amazon, permament die Hälfte bis ein Drittel der Leute in Befristungsschleifen zu haben und darüber gefügig zu machen. Schon witzig, wenn Leute hier deinen Beitrag als gute Recherche labeln.

        Jenseits dessen: Die (überwiegend) weiblichen Beschäftigten im Handel haben gerade in harten Kämpfen und Streiks die Wiedereinsetzung des Manteltarifvertrags erwirkt. Hier sind die Arbeitsbedingungen vielfach besser als bei Amazon, weil eine Gewerkschaft hier mitgestaltet.

        Naja, hauptsache man wird viel gelesen und geteilt, da muss man es mit der Wahrheit nicht so ernst nehmen. Und Gewerkschaftsbashing zieht nunmal.

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        1. vk Post author

          Amazon will keinen Tarifvertrag, weil es ohne natürlich besser fährt. Das ist jedem klar. Aber was nützt zum Beispiel ein Tarifvertrag mit dem Einzelhandel, wenn 69% er Mitarbeiter dort als Ungelernte und Seiteneinsteiger unter dem Tarif entlohnt werden? Wenn lieber 4 “Aushilfen”, also ungelernte Minijobs, gesucht werden als eine Vollzeitkraft nach Tarif?

          Kettenbefristungen sind bei einem Betrieb kaum noch möglich, ohne sich auf die Schnelle Festverträte einzufangen – was auch richtig ist. Also erzähl mal, wie Amazon das macht. Immerhin sind die Versandzentren nicht wie real-Märkte nicht in öPnV-Nähe.

          Als Gewerkschaft (und damit meine ich ver.di als Organisation und nicht die organisierten Mitarbeiter vor Ort!) mit Polemik und Lügen vorzugehen geht nach hinten los. Die Sache zum Beispiel mit dem “Feuern der Saisonkräfte am 23.12.” hat allen denkenden Menschen, die ich kenne, ein “WTF” ins Gesicht geschrieben – und Twister hat darüber (mehrfach hier verlinkt) auch geschrieben. Wir sind nicht mehr in den 1990ern, wir haben im Netz eine breite Gegenöffentlichkeit, die dumme und fadenscheinige Lügen erkennt.
          Und zwar dumme und fadenscheinige Lügen beider Seiten eines Konfllkts. Genauso wurde (zumindest in meiner Filterbubble) auch der Freiflug-Skandal um Bsirske nur belächelt.

          Mit den gleichen Methoden sollte ver.di einfach mal in anderen Bereichen vorgehen. Beispielsweise in real- und REWE-Märkten. Da kommen 1-2x täglich von allgemeinen “Dienstleistern” gestellte Packdienste und verräumen neue Lieferungen in die Regale. Das war Arbeit, die früher von gelernten Einzelhandelskaufleuten gemacht wurde, die wussten, was wo steht. Diese Packdienste von Kötter Services zum Beispiel nehmen gelernten Einzelhandelskaufleuten die Arbeit weg, zu einem weitaus niedrigeren Tarif.

          Heute sitzen an den Kassen großer Supermärkte nicht nur in Stoßeiten mehr Seiteneinsteiger ohne kaufmännische Ausbildung als gelernte Einzelhandeskaufleute. Ich weiß, dass die real-Märkte hier am Niederrhein die befristeten Kräfte weiterreichen – eine super Kettenbefristung im selben Konzern mit demselben, bundesweit einheitlichen Sortiment. Nur halt ist jeder Markt eine eigene juristische Person und eine Person kann 10 Jahre befristet durch die Märkte in Nachbarstädten pendeln, ohne zweimal einen Vertrag mit demselben Arbeitnehmer zu schließen.

          Ich wünsche mir, dass ver.di mit gleicher Polemik gegen den Metro-Konzern (real-Markt) vorgehen wie gegen Amazon.

          Wäre das zu viel verlangt?

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  22. Markus

    Das Problem ist inzwischen die Größe von Amazon. Der Buchhandel ist nur noch ein kleiner Teil. Amazon erhält über den Marketplace genaue Informationen über die Produkte und die Umsatzzahlen. Wenn diese interessant sind, verkauft Amazon diese dann selber. Damit ist der Händler raus und der Hersteller in manchen Fällen in sehr großer Abhängigkeit von Amazon. Wir schaffen uns mit unseren Käufen einen einen sehr potenten Monopolisten.

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  23. Markus

    Das sind lediglich Erfahrungen und Dinge, die mir andere Händler und Hersteller erzählen. Amazon ist dann in der Lage z.T. unter dem normalen Händler EK zu verkaufen. Das hat mir ein Händler erzählt ist Bezug auf Sportuhren. Das führt natürlich zu einer massiven Verdrängung.
    Mir haben Hersteller davon erzählt, daß Amazon regelmäßig bei denen anfragt, die Produkte direkt zu verkaufen. Deren Einschätzung ist, daß dies der Anfang vom Ende wäre. Aus genau den Gründen lehnen sie es ab.

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    1. vk Post author

      Das ist immer ein Problem der Masse, die man kaufen kann, und der Verhandlungsfähigkeit. Die Brüder Albrecht haben so ALDI zum Erfolg gebracht: Sie nehmen einfach in großen Mengen ab und ihre “Eigenmarken” sind teilweise identisch mit Produkte anderer Marken.
      Das ist aber nichts für die Gewerkschaft, sondern für die Kartellbehörden.

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      1. Markus Thies

        Das Ganze hat aber eine andere Qualität bekommen. Die Artikel bei Aldi sind ähnlich, 100% identisch sind sie nicht, da sich zumindest die Verpackung unterscheidet.
        Außerdem hat Aldi nur die Daten der eigenen Verkäufe. Der Amazon Händler kennt die Zahlen des Amazon Marktplatzanbieters. Eines der Probleme ist der Datenaustausch und das andere die Größe.

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  26. m4rc

    Was ausgeblendet bleibt, ist der Irrsinn der Post-/Paketprivatisierung und des künstlichen “Marktes”. Da fahren seitdem mehrere Fahrzeuge die selben Straßen und Routen ab, anstatt dass 1 Auto dies erledigt. Das ist ordnungspolitisch wie vor allem ökologisch total bescheuert.

    Die zweite Sache, die überhaupt nicht vorkommt, ist im Grunde analog zu dem, was man im Grund zu allen Marktriesen und Platzhirschen sagen kann: Wir bezahlen diese Riesen am Ende nur noch dafür, dass (1) wir es etwas bequemer haben und (2) sie für uns die Zulieferer und Produzenten auspressen. Die Rabatte und Konzessionen, die amazon mit dem Ausnutzen seiner marktbeherrschenden Stellung erzwingt sind eine Schweinerei.

    Daraus folgt drittens, dass amazon allerdings auch nichts Anderes weiter übrig bleibt, um zumindest auf dem deutschen Markt Profite zu erwirtschaften. Denn dieser Markt ist seit den 90ern stagnierend. Da herrscht Post-Wachstum. Die Akteure fetzen sich um die Marktanteile, das ist ein brutaler Überlebenskampf. Anders als als Riese, der die kleinen auspresst, lassen sich diese Gewinne niemals realisieren. Das sind Umverteilungsprofite.

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  29. Armin Bernhard Roos

    Amazon ist eine ganz miese Abzocker Bande. Wer das nicht sehen will muss sehr blauäugig sein. Beispiel: Für die Lieferung von 2 x Kaiser Patiserie Papaierförmchen, total etwa 120 Gramm Papier, zu einem Preis von 6.70 Euro, verechnet Amazon 87.18 Euro für Verpackung und 42.71 Euro für Importgebühr nach Thailand. Auf meine Reklamation wurde mir Kommentarlos eine Gutschrift von 60 Euro zugesandt. So wurde netto immer nochj Euro 109.29 belastet. Wohlgemerk: Papier Patisserei Backförmchen, Gewicht der Sendung 115 Gramm, keine Importbeschränkung in Thailand. Also: Reine, betrügerische Abzock durch Amazon.
    Es fällt mir sehr schwer zu glauben, dass es ehrliche Leute gibt, die sich für diese Amazon Band noch stark machen. Ver.di hat in allen Teilen recht. Leider kann man dieser Abzocker Gesellschft Amazon nicht mehr das Handwerk legen. Ein kleiner Händler würde bestraft.

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