Macht unsere eBooks billiger!

Kennt Ihr noch Kurt Tucholsky? Ja? Toll. Denn im Moment wiederholt sich etwas, das zu seiner Zeit schon ein Thema war.

“Lieber Meister Rowohlt, liebe Herren Verleger: Macht unsere Bücher billiger!” Diese Zeilen schrieb Kurt Tucholsky Ende 1932 an den Hamburger Verlag, nachdem ein Schüler sich bei dem Autor beschwert hatte: “Ihr letztes Buch ist wieder so teuer, dass man es sich nicht kaufen kann. Hoffentlich sterben Sie bald, damit Ihre Bücher billiger werden.”

Mit diesem ganzseitig abgedruckten Text warb Rowohlt in einigen Büchern, die ich in den 1980ern kaufte, für jeweils eine Seite mit einer Annonce im Buchtext. Das mache die Bücher nämlich billiger.

Heute hat das Problem des Buchpreises eine neue Dimension gefunden, in der es sich ausbreitet: eBooks.

Früher war das so: Der Autor geht zu einem Verleger und fragt diesen, ob er das frisch geschriebene Buch drucken würde. Also verlegen. Das kommt vom Vorlegen, heute eher Auslegen des Geldes. Der Verleger legt Geld vor, investiert dieses in die mechanische Herstellung vieler Kopien der Bücher, die er dann wieder verkauft.

Der Autor als Inhaltslieferant bekommt natürlich auch Geld, nämlich einen Vorschuss und/oder laufende, absatzabhängige Zahlungen.

Die Kunden kaufen gedruckte Exemplare des Buchs und können mit diesen sehr viel machen: Lesen zum Beispiel oder auch weiter verkaufen oder verschenken, wenn sie sie ausgelesen haben. Das Urhebergesetz schreibt jedenfalls vor, dass der Urheber mit dem freien, anonymen Verkauf eines Vervielfältigungsstücks seines Werkes den Zugriff auf diese Kopie aufgibt.

Eine der technischen Entwicklungen, die ich sehr mag, sind eBooks. Aus mehreren Gründen:

  • Sie sind sofort da, wenn ich sie gekauft habe
  • Sie sind nie ausverkauft
  • Ich kann auf meinem Tablet Hunderte davon immer dabei haben
  • Sie belegen keinen Platz im Schrank, stauben nicht voll, fallen nicht hinters Sofa und verbrauchen weniger Rohstoffe wie z.B. Holz.

Auch Verleger müssten sie lieben. Bis genau zum Moment, wo der teure Druck stattfindet, ist die Herstellung identisch. Aber der Druck ist ein Risiko: Was, wenn das Buch wie Blei in den Regalen liegen bleibt? Wie groß muss ich also die erste Auflage machen? Wann lohnt sich eine Folgeauflage? Verliere ich Geld, wenn ich die Produktion zu früh einstelle?

Der Verleger hat also weniger Risiko zu tragen und auch im Fall eines normal verkauften Buchs deutlich weniger Kosten – der Berlinstory-Verlag stellt das hier mal in einer Torte dar. Danach fallen durch Druck, Lagerhaltung beim Verlag und Freiexemplare für Rezensenten schon rund 1/4 des endgültigen Verkaufspreises an.

Dazu kommt das mit der “Provision”. Gemeint ist damit die Verkaufsmarge des Buchhandels. Der macht das ja auch nicht umsonst, aber durch die Buchpreisbindung in Deutschland ist die Bildung dieser Marge anders als auf anderen Märkten. Der Marktpreis des Buches steht fest und der Buchhandel verhandelt nun einen Einkaufspreis mit den Verlagen. Aus der Marge dem Rabatt finanziert der Buchhändler nun seine eigene Lagerhaltung, den Laden, das Personal.

Dann müssten eBooks ja schonmal deutlich billiger sein, oder?

Gucken wir uns mal die beiden Bestseller Sachbuch und Belletristik der aktuellen SPIEGEL-Bestsellerliste an.

Warum werden die Kostenvorteile nicht weitergegeben? Aus einer schiefen Sicht heraus, denke ich. Die sieht man schon am Titel des oben verlinkten Beitrags vom Berlinstory-Verlag: “Was kostet ein Buch? Und warum sind eBooks nicht kostenlos?”

Niemand, den ich kenne, fordert, dass eBooks kostenlos sein sollen. Man braucht Infrastruktur zum Anbieten der Bücher, irgendwer muss die finanzieren. Und schreiben muss sie auch noch jemand, der auch leben muss.

Bloß: Warum sind Bücher, die Verlag und Handel vermutlich mehr als 25% weniger Kosten verursachen, kaum billiger als die gebundenen Ausgaben? Obwohl sie mit ihren ausgeklügelten DRM-Systemen sogar Nutzungen des gedruckten Buches verhindern?

Verhindern, dass ich das Buch jemand anders leihe (ohne gleich den ganzen eBook-Reader zu verleihen) oder es nachher einem Antiquar verkaufe? Und ich auf die tendenziell unsichere Existenz des DRM-Systems angewiesen bin, um das Buch auch in 10 Jahren noch lesen zu können?

Ihr habt 1/4 weniger Kosten, ich erwerbe weniger Rechte, aber beim Preis geht ihr kaum 10% runter? Ernsthaft?

Die Verlage sind gerade mitten in der Disruption ihrer klassischen Herstellungs- und Vertriebswege. Es werden weniger Bücher gekauft, weil der Buchfetischist, der etwas anfassen und umblättern und in den Schrank stellen will, eben nicht die Mehrheit ist. Der Mehrheit geht es um den Inhalt, und der soll schnell und bequem und zeitgemäß vorliegen.

Aber die Verlage wollen auf Deibel komm raus ihren historischen Vertriebsweg “Druckwerk” nicht kannibalisieren. Das ist sicherlich für die Menschen, die damit Geld verdienen löblich, aber es ändert nichts daran, dass immer mehr Kunden die Bücher sofort und körperlos haben wollen.

Das ist – um das klassische Beispiel für technologische Revolutionen zu nehmen – so, als ob damals Dieselloks zwar eingeführt wurden, aber sie durften nur 10% schneller fahren als Dampfloks und mussten auch Kohle verbrennen, damit die Passagiere bitte auch im Rauch sitzen. Man will ja die Dampfloks nicht kannibalisieren, dafür hat man zu viel in sie investiert und bewährt haben sie sich ja auch.

Andererseits hat die Raubkopiererszene schon den eBook-Markt entdeckt und ihre reaktante Einstellung sorgt dafür, dass auch dort langsam berechenbare Schäden entstehen. Einfach so, weil zwischen Kundenwünschen und Verlagsangeboten eine gewaltige Schere klafft.

Dazu entwickelt sich eine Art Independent-Szene – eBooks, die vom Autor selber oder von Kleinstverlagen ohne eigene Infrastruktur, leidlich lektoriert, auf den digitalen Markt geworfen werden und in der Amazon-Angebotsliste für Kindle-Ausgaben zu Preisen deutlich unter 5€ ganz vorne stehen. Und da sind durchaus gute Bücher zu finden.

Die Schere hat auch Amazon erkannt und sich gerade mit der Hachette-Verlagsgruppe überworfen, weil Amazon möchte, dass eBooks nur noch maximal 9,99 US-$ kosten. Und das auch sehr fundiert belegt.

Einmal hat sich der Markt geändert:

Keep in mind that books don’t just compete against books. Books compete against mobile games, television, movies, Facebook, blogs, free news sites and more. If we want a healthy reading culture, we have to work hard to be sure books actually are competitive against these other media types, and a big part of that is working hard to make books less expensive.

Denken Sie daran, dass Bücher nicht nur mit Büchern im Wettbewerb stehen. Sie stehen im Wettbewerb mit mobilen Spielen, Fernsehen, Filmen, Facebook, Blogs, neuen kostenlosen Webseiten und mehr. Wenn wir eine gesunde Lesekultur wollen, müssen wir hart arbeiten, um sicher zu sein, dass Bücher wettbewerbsfähig gegen diese anderen Medien sind, und ein großer Teil davon ist harte Arbeit, um Bücher weniger teuer zu machen.

Quelle: Update re: Amazon/Hachette Business Interruption

Amazon kann sogar belegen, dass ein EBook-Preis von 9,99 US-$ für alle Beteiligten gut ist:

Many e-books are being released at $14.99 and even $19.99. That is unjustifiably high for an e-book. With an e-book, there’s no printing, no over-printing, no need to forecast, no returns, no lost sales due to out-of-stock, no warehousing costs, no transportation costs, and there is no secondary market — e-books cannot be resold as used books. E-books can be and should be less expensive.

It’s also important to understand that e-books are highly price-elastic. This means that when the price goes up, customers buy much less. We’ve quantified the price elasticity of e-books from repeated measurements across many titles. For every copy an e-book would sell at $14.99, it would sell 1.74 copies if priced at $9.99. So, for example, if customers would buy 100,000 copies of a particular e-book at $14.99, then customers would buy 174,000 copies of that same e-book at $9.99. Total revenue at $14.99 would be $1,499,000. Total revenue at $9.99 is $1,738,000.

Viele eBooks werden für 14,99 $ oder 19,99 $ herausgegeben. Das ist ein nicht zu rechtfertigend hoher Preis für ein EBook. Bei einem EBook gibt es keinen Druck, keine Überprodktion, keinen Bedarf an Umsatzvorhersagen, keine Rückläufer, keine Einnahmeverluste, weil das Buch gerade nicht lieferbar ist, keine Lagerkosten, keine Transportkosten, und es gibt keinen Sekundärmarkt – eBooks können nicht als gebrauchte Bücher weiterverkauft werden. eBooks können und sollten billiger sein.

Es ist auch wichtig zu wissen, dass eBooks sehr preiselastisch sind. Das bedeutet, dass Kunden bei Preiserhöhungen weniger kaufen. Wir haben die Preiselastizität von eBooks mit wiederholten Messungen über viele Titel quantifiziert. Für jede Kopie eines eBooks, die für 14,99 $ verkauft würde, würden 1,74 Kopien verkauft, wenn es 9,99 $ teuer wäre. Wenn Kunden zum Beispiel 100.000 Kopien eines bestimmten eBooks für 14,99 $ kaufen würden, dann würden sie 174.000 Kopien desselben eBooks zu einem Preis von 9,99 $ kaufen. Die Verkaufseinnahmen bei 14,99 $ wären 1.499.000 $. Die Einnahmen bei 9,99 $ wären 1.738.000 $.

Was nicht ganz sauber daran ist: Wenn ich für eine gebundene Ausgabe 20 € und für das EBook 18 € zahlen soll, dann würde ich kurz überlegen und in einigen Fällen die gebundene Ausgabe kaufen. Andererseits sehe ich an mir selber, dass ich viele Bücher nie in einer gebundenen Ausgabe kaufen würde, weil es schon eine gewisse Auswahl an eBooks und alternativen Medien gibt und ich Platz im Schrank nur noch für besondere Bücher nutzen will.

Der Umsatzgewinn, den Amazon da vorrechnet, wird zwar nicht zu 100% ohne Verluste beim Markt für gebundene Ausgaben erzielt, aber ich halte die Dimensionen für realistisch.

Also, Verlage, macht unsere eBooks billiger.

Ihr könnt es nicht andern, dass immer mehr Menschen keine gedruckten Bücher mehr kaufen wollen. Das heißt nicht, dass die Lesekultur vor die Hunde geht, denn auf hippen Readern und schnell verfügbar und mit Social Media Anbindung, wie von Sobooks in Kürze angeboten, werden sogar Leser dazu gewonnen.

Keine Angst, das gedruckte Buch mit seinem besonderen Geruch, einem ex libris im Einband und dem Geräusch des Umblätterns wird nie verschwinden.

Dampfloks gibt es ja auch noch für die Nostalgiker.

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16 thoughts on “Macht unsere eBooks billiger!

  1. Markus Thies

    Danke für den guten Artikel. Ich kann deine Ausführungen unterschreiben. Zumindest solange es sich um den nächsten Schwedenkrimi für den Urlaub handelt.
    Etwas mulmig wird mir allerdings, wenn meine politische Meinungsbildung online mitgelesen wird. Da bekommt das schöne Buch, daß ich bar bezahlen kann, auch eine beruhigende Sicherheits-Qualität.
    Das sollte man bei der ganzen Begeisterung immer in Hinterkopf behalten.

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  2. Dentaku

    DIrk Baranek hatte mal eine schöne Beispielrechnung genau zu diesem Thema aufgemacht, aber das war auf Google+ und ist somit in den unendlichen Weiten der Unauffindbarkeit verschwunden.

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    1. vk Post author

      Du meinst vermutlich dieses Posting hier. Was den Vergleich bei uns tatsächlich hinken lässt sind die Buchpreisbindung und die gesponsorte Mehrwertsteuer. Seit diesem Jahr ist der vergünstigte Mehrwertseuersatz von 7% für eBooks entweder von der GroKo beschlossen oder sogar schon umgesetzt (bin mir nicht sicher, erinnere mich an Meldungen aus dem April). Die Berechnung ist also durch Änderung der Rahmenbedingungen schon um 12% daneben. Auch die Handelsmarge ist verhandelbar, denn aus ihr hat der Handel ja auch Lagerhaltung, Porti und Verluste durch schlecht verkäufliche, aber in großen Mengen bevorratete Bücher etc. finanziert. beides fällt kalkulatorisch weg weiviel mag das sein? 10%? 15% der Marge? Wären nochmal 5-7% des Endpreises.
      Andererseits geht es auch um den Markt: Ich kaufe denselben Inhalt in einer Form, die mir weniger Nutzungsrechte zugesteht, und in der ich von der Existenz und meinem Account bei einem fremden DRM abhängig bin, um sie lesen zu können. Da muss der Preis niedriger sein.

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  4. Pingback: Amazon, wir müssen reden. | Alles ist wahr.

  5. Chräcker Heller

    Ich habe keine Ahnung von der Preiskalkulation. Vielleicht zeigen uns die eBookpreise ja auch nur, daß Papier mittlerweile zu billig ist? Gerade im Transport und Druck werden bestimmt keine Mörderlöhne gezahlt. Amazon, und nein, ich hau da nicht immer gleich mit pawlisch drauf, ist da sicher nicht immer soooo der vorzeigefähigste Kronzeuge und der amerikanische Arbeitsmarkt sicher nicht immer so ein erstrebenswertes Modell. Vielleicht bauen sich aber auch die Verleger goldene Häuser, keine Ahnung. Aber ich käme auch so niemals auf die Idee, bei meiner persönlichen Wertschätzungsermittlung für ein Produkt das ich haben will (e-Bücher, und das seit Jahren) den Preis für ein Produkt, daß ich nicht haben will (Papierbücher) heran zu ziehen. Für mich könnten Papierbücher billiger sein, ich würd sie nicht kaufen. Ich überlege mir nur, ob mir für das Produkt, daß ich haben will, der Preis wert ist. Da sind die genannten 9,99, mal frech in Euro umgesetzt, ein gutes Ziel.
    Was ich nicht sagen würde: “macht die Bücher billiger”, sondern: lasst die Erstjahresverteuerung der Erstausgaben in Pappdeckel (“gebundene Bücher”) weg, denn so verpasst ihr den durchs Internet angefeuerten Impulsmarkt neuere Werke unbekannterer Autoren. Bis zu 25,– für 250 Seiten sind mir bei allen guten Blogrezensionen meist dann doch zu viel für ein eBook und ich wandere mit meinem Geld weiter.

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    1. vk Post author

      Ja, die Erstjahresverteuerung… die klappt ja nur, weil “Buchmarkt” in Deutschland ein ein Oxymoron ist. Bücher treten eben nicht markttechnisch gegen einander an, weil die Verleger über Jahrzehnte eine kartellartige, seit 2001 sogar gesetzlich geregelte Buchpreisbindung haben. Dadurch wird nicht verhindert, dass Verlage von Buchhandlungen übervorteilt werden, denn Thalia zum Beispiel hat mit ähnlich harten Bandagen wie Amazon eine höhere Provision (und damit beim fixen Ladenpreis) geringere Einnahmen für die Verlage durchgesetzt. Das heißt, dass die Marktgesetze nur zwischen Einzelhandel und Verlag funktionieren und da nur zu Lasten des Verlages. Jede Buchhandelskette (und nennenswerte Einzelunternehmer jenseits vom Stern-Verlag sehe ich spontan nicht mehr) kann die Verlage erpressen: Du kommst erst ab 38% Provision in unser Programm, wir haben aber dann kein Risiko, dass einer unserer Mitbewerber uns preislich unterbietet.
      Das war in Vor-BoD und Vor-eBook-Zeiten für kleine Verlage und Autoren gerne eine knallharte Zugangsschranke, die sie vom Markt ausgesperrt hat.

      Und dass Bücher zuerst als gebundene Ausgabe rausgebracht werden müssen und nicht direkt parallel als günstigeres Taschenbuch ist auch so ein Ding. Wer in seinem Bücherregal kein Paperback haben will, wird sich eh die gebundene Ausgabe kaufen, das ist wieder die Sache mit der Dampflok. Um die Dampflok (gebundene Ausgabe) nicht aussterben zu lassen, wird ihr Vorfahrt gewährt. Wer ein Buch platz- und geldsparend als Paperback haben will, kann auch heute noch oft ein Jahr warten. Auch das hat mit Marktgesetzen ziemlich nichts zu tun.

      Für mich treten Papierausgabe und eBook derzeit noch teilweise gegeneinander an, wobei ich schon aus Platzgründen bei Papierbüchern immer öfter “nö” sage als bei eBooks.
      Ich finde die 9,99€/$-Grenze auch akzeptabel. Wobei es auch vom Buch abhängt – eine 100-Seiten-Novelle sollte sich preislich gegen einen 800-Seiten-King-Roman absetzen. Die Kosten für Lektorat und Satz sind ja z.B. auch niedriger. Derzeit finde ich, dass in Deutschland ein eBook 75% des Preises eines Paperbacks kosten darf und keiner Verluste hat. Habs bei “meier-meint.de” mal durchgerechnet, weil er mir so vehemeht widerspricht.

      Rechnen wir das mal aus, bei einem Buch, das gebunden 10€ kostet:
      7% seines Endpreises entfallen derzeit auf die Umsatzsteuer. 70ct.
      Das Buch kostet also netto 9,30€.
      Davon sind 25% Druckkosten, Lager, Vertrieb und Freiexemplare. Nehmen wir runde 2,30€. Es bleiben 7€.
      Die Provision des Händlers liegt bei 40% des Netto-Endpreises, also rund 3,70€. Darin sind auch Risikozuschläge, Lagerkosten und Finanzerungen enthalten. Auch Personalkosten zum Verräumen der Bücher fallen bei eBooks weg.
      Selbst, wenn das alles nur 70ct sind (es werden meiner Meinung nach erheblich mehr sein), kommt ein eBook auf Netto-kosten von 6,30€.
      Rechnen wir auf die 6,30€ die derzeitigen 19% Mehrwertsteuer drauf, kommen wir auf aufgerundet 7,50€ für ein Buch, das mit derselben Gewinnspanne bei Verlag und Buchhandel als Paperback 10€ kostet. Also genau meine 25%.
      Und da geht noch mehr, erst recht, weil das Buch, wenn die Mehrwertsteuer von 7% auch für eBooks kommt, bei gleichem Gewinn nur noch 6,75€ kosten kann.

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  6. K.

    Danke für diesen tollen Blog-Eintrag. Du sprichst mir aus der Seele!
    Ich habe seit etwa drei Monaten ein Ebook und frage mich auch immer wieder, warum die virtuellen Bücher so teuer sind. Und zögere deswegen auch immer noch manchmal, mir ein bestimmtes Buch zu kaufen, dass ich dann nicht mal real in der Hand halten kann.
    Besonders interessant fande ich deinen Link zum belriner Story Verlag, wo genau erklärt wird wie sich die Kosten für ein Buch zusammensetzte!

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  7. Ingrid Glomp

    Danke für den prinzipiell guten Beitrag. Ein weiterer Grund, weshalb Verlagen die hohen Preise gefallen: Sie machen damit (vordergründig) gute Gewinne, s. z. B.: http://www.hughhowey.com/authors-are-getting-hoodwinked/
    Jetzt zu einem Nebenaspekt: Was mich ziemlich nervt, ist, dass wir Indieautoren selbst in wohlmeinenden Beiträgen ziemlich herablassend behandelt werden. Zitat:
    “Dazu entwickelt sich eine Art Independent-Szene – eBooks, die vom Autor selber oder von Kleinstverlagen ohne eigene Infrastruktur, *leidlich lektoriert*, auf den digitalen Markt geworfen werden und in der Amazon-Angebotsliste für Kindle-Ausgaben zu Preisen deutlich unter 5€ ganz vorne stehen. Und da sind *durchaus gute Bücher* zu finden.” Hervorhebungen zwischen den Sternchen von mir.
    Dazu lässt sich Folgendes anmerken:
    – Besonders in den USA veröffentlichen Midlist-Autoren ihre Backlist, die zuvor ja schon in Verlagen erschienen ist. (Falls man das als Qualitätskriterium sieht.)
    – Eine ganze Reihe von Indies/Hybridautoren wie Lee Goldberg und andere Autoren, die er in diesem Post erwähnt http://www.leegoldberg.com/an-example-of-the-double-standard/, oder auch meine Wenigkeit sind Schreibprofis. Wir haben nicht vor fünf Minuten angefangen, etwas in den PC zu hacken, sondern arbeiten seit Jahren oder Jahrzehnten als Schriftsteller oder Jourmnalisten.
    – Einige Neulinge oder auch alte Hasen lassen ihre Werke lektorieren, und zwar von Leuten, die auch für Verlage arbeiten/gearbeitet haben. Lassen deren Fähigkeiten bei Indietexten plötzlich nach (“leidlich”)?
    Kurz: Wie bei Verlagsbüchern muss man bei selbstveröffentlichten das, was man als Spreu betrachtet, von dem trennen, was man gerne liest (Weizen).

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    1. vk Post author

      Hallo Ingrid,
      sorry, dass ich urlaubsbedingt erst jetzt dazu komme, zu reagieren 😉
      Tut mir leid, wenn ich das beim eigenen Zusammenkürzen so hab aussehen lassen, als ob Indi-AutorInnen nur mäßig gut seien. Es gibt durchaus ernst zu nehmende AutorInnen, wobei ich allerdings auch eine furchtbar langatmige SF-Fantasy-Geschichte auf dem Reader hab, die an sich toll ist vom Ansatz, aber offenbar alle Adjektive aufgefangen hat, die ich seit 1991 selber gestrichen hab. Da wäre ein Lektorat wichtig gewesen.
      Ich selber würde (und werde wohl auch bald) Belletristik ausschließlich als eBook publizieren, erst bei entsprechendem “körperlosen” Erfolg auch als BoD. Wenn ich nicht gerade wieder mit Douglas Adams angefangen hätte (zum vierten oder fünften Mal die “Anhaletr” komplett), hätte ich im Urlaub auch einige gute Indie-Romane gelesen, die schon im Reader liegen und nur noch auf ihren Aufruf warten.

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      1. Ingrid

        Ja, das mit dem Kürzen kenne ich (als Autorin) und das mit den Adjektiven auch (auch Leserin hin und wieder) 😉 Viel Glück mit deinen Buchprojekten.

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  8. Tina

    Danke für den Beitrag! Ich muss gestehen, dass ich erst jetzt auf die ganze Amazon-Sache aufmerksam geworden bin. Mich hat die doch einseitige Berichterstattung nun doch verwundert, sodass ich mich heute mal etwas in das Thema eingelesen habe. In den Nachrichten hört man ja nur noch “böses Amazon”.
    Klar, wenn das stimmt, dass Amazon Bücher von bestimmten Verlegern benachteiligt, dann ist das nicht in Ordnung. Keine Frage. Aber so ganz nachvollziehen kann ich nicht, warum Verlage sich so vehement gegen geringere Preise für eBooks wehren. Es gibt ja sogar Berechnungen, dass eBooks sich viel mehr verkaufen würden, wenn sie günstiger wären und somit den Verlagen sogar mehr einbringen würden. Und das glaube ich auch.
    Ich habe mich selbst – nicht nur einmal – dabei ertappt, dass ich ein eBook nicht gekauft habe, weil es mir für 14,99 dann doch zu teuer war. Ich gebe das schon aus, wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass es mir gefällt. Aber die Katze im Sack kaufe ich für so viel ungern. Ein Hardcover kann ich dann wenigstens weitergeben oder gar wieder verkaufen. Auf dem eBook bleibe ich dann sitzen.

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  9. Abu el Mot

    Ich kaufe noch gedruckte Bücher (und werde das auf absehbare Zeit noch tun) weil ich sie mir einfach gerne ins Regal stelle und zum Glück auch noch genug Platz habe (und weil ich dem DRM nicht so ganz traue). Das Problem ist allerdings, daß ein echtes Buch zu lesen oft unpraktischer als ein eBook ist (bei der Arbeit auf dem Klo auf dem Handy, in der Badewanne auf dem wasserdichten Tablet, auf Reisen…). Es wäre toll wenn Amazon das ähnlich löst wie sie es mit CDs handhaben – daß man beim Kauf des physischen Mediums das elektronische ohne oder für minimalen Aufpreis dazubekommt.

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    1. Ingrid Glomp

      Zur E-Book-Draufgabe: Das anzubieten ermöglicht Amazon Autoren/Verlagen bereits mit “MatchBook” https://www.amazon.com/gp/digital/ep-landing-page?ie=UTF8&ref_=amb_link_383070522_3 In Deutschland geht das aber nicht wegen der Buchpreisbindung. Jedenfalls darf man es nicht machen, solange man das E-Book auch allein verkauft, es also einen bestimmten Geldwert hat, s. http://www.it-recht-kanzlei.de/buchpreisbindungsgesetz-werbung-marketing.html und dort unter Gimmicks, teure Beigaben. Ich hatte nämlich auch schon angedacht, das E-Book kostenlos dazu zu packen, weil mein gedrucktes Buch wegen des großen Umfangs recht teuer ist, aber, he, wo kämen wir da hin?
      Zu DRM: Eine Menge Self-Publisher bieten ihre E-Books DRM-frei an.

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  10. shm

    2 aktuelle Petitionen im Petitionsforum des Deutschen Bundestag, Februar 2015

    https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2015/_01/_10/Petition_56810.nc.html
    Petition 56810
    Preisrecht – Aufhebung der Buchpreisbindung für Bücher und E-Books ohne ISBN vom 10.01.2015

    Mitzeichnungsfrist
    26.01.2015 – 23.02.2015

    https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2015/_01/_21/Petition_57017.nc.html
    Petition 57017
    Umsatzsteuer – Reduzierung des Umsatzsteuersatzes für eBooks auf 7 Prozent vom 21.01.2015

    Mitzeichnungsfrist
    09.02.2015 – 09.03.2015

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Dein Senf dazu?