Amazon, wir müssen reden.

Vor einiger Zeit hab ich schon beschrieben, dass ich die Zusammenlegung von Amazon Prime mit dem Streamingdienst von Lovefilm gar nicht uncool finde. Also fand. Im Moment sind fünf Monate Amazon Prime Video um und wir haben durchaus die eine oder andere Stunde Entertainment auf diese Weise gratis per Flatrate bezogen.

Serien! Und Filme!

Shawn of the Dead!

Supernatural!

Breaking Bad!

Dr. Who!

Und da fing das Problem an. Beziehungsweise fingen die kleinen Unzulänglichkeiten an, zum Problem zu werden.

Die Unzulänglichkeiten waren zuerst das Netz und das Netz. Also der Unitymediaanschluss beziehungsweise seine Verbindung zum Netz von Amazon. Zuerst dachte ich, die Hänger auf meinem eher getrickst mit Prime Instant Video versorgten Linux-Notebook kämen vom Getrickse, aber die WII mit amtlicher WII-Firmware und der amtlichen WII-Lovefilm-App hatte das gleiche Problem.

Ich will Unitymeda nicht vorwerfen, dass es andere Streamingdienste netzneutralitätswidrig aussperrt. Aber die Verbindungen zwischen den Netzen sind immer wieder gern gesehene Nadelöhre, die durch dickere Leitungen oder Content Delivery Networks behoben werden können. Gerade Amazon hat ein Interesse, bei Internetkunden des Kabelfernsehanbieters Unitymedia perfekte Streamingleistung anzubieten, denn die Box, über die man das Streaming-Programm von Unitymedia abrufen kann, ist ja per se vorhanden.

Während der 16jährige in den Sommerferien tagsüber Breaking Bad von vorne bis hinten zu Ende gucken konnte, hatten wir abends mit Supernatural und Dr. Who Probleme. Aber hey, wir streamen die gratis auf Flatrate, da meckert man weniger schnell.

Als wir das nicht im Prime-Paket enthaltene “Catch me if you can” dann für Bargeld sehen wollten und die WII immer wieder abbrach, lustige Fehlernummern ausgab und auch mehrfacher Neustart der gesamten Hardware bis zum Router nichts daran änderte, reklamierte ich den Film und bekam das Geld sofort und ohne Diskussion erstattet.

So kennen wir den Kundendient von Amazon: Im Großen und Ganzen schnell und zuvorkommend. Da machte es dann nicht viel aus, dass eine Folge Supernatural oder Dr. Who zur Streamingprimetime nach 20 Uhr mitunter 15 Mal zum Buffering oder gar Neustart der App unterbrochen wurde.

Gestern wollten wir dann nach einer Woche Pause Dr. Who fortsetzen und dann das:

drwho1Auf einmal ist der Doktor nicht mehr in den kostenlos streambaren Serien enthalten! Ein Fehler? Neustarten? Neu anmelden?

Alles half nichts. Ich googelte und fand auf Mobiflip.de Hinweise:

Witzigerweise hatte ich mich bei Ankündigung von Prime Instant Video durch das Angebot von Lovefilm Video-on-Demand geklickt, und dort gesehen, dass bei einigen Serien dabei stand, dass sie nur noch einige Tage verfügbar seien. So zum Beispiel bei „Doctor Who“: Dort war die Rede davon, dass die Serie noch 56 Tage für das Streamen verfügbar ist. Bei Amazon Prime Instant Video habe ich nun die gleiche Staffel gesucht, dort befindet sich der entsprechende Hinweis aber nicht. Ich wette aber, dass die Serie einfach in knapp zwei Monaten sang- und klanglos aus dem Angebot verschwindet.

Tatsache – diese Zeit war jetzt um. Auch ich habe auf Amazon Prime Instant Video keine Hinweise auf das Verfallsdatum gesehen, was das Anschauen der komplett mit allen Staffeln dort verfügbaren Serien vermiesen kann.

Wenn ich heute mit Staffel 1 anfange – wie weit werde ich kommen? Nach welchem Cliffhanger (und davon leben Serien) ist Schluss mit Umsonst?

Und was dann? Lustigerweise zahlt man Amazon Prime, um Instant Videos gucken zu können. Bis die Serien dann in die Bezahlschranke laufen. Aber wenn man Dr. Who mit Pay Per View streamen will, ist jede Folge bei iTunes 50ct billiger. Und die Serien bei Amazon komplett digital zu “Kaufen” mangelt am gleichen Problem wie bei vielen eBooks: Der Preis.

Während Amazon bei der Preisgestaltung von eBooks eine sehr realistische und kundenfreundliche Einstellung hat, klappt das bei den gestreamten Serien ziemlich genau gar nicht:

31,64€ für die DVD oder für 29,99€ abhängig von Netz und Anbieter streamen?  Keine leichte Entscheidung.

31,64€ für die DVD oder für 29,99€ abhängig von Netz und Anbieter streamen?
Keine leichte Entscheidung.

Wenn ich die Serie in Prime Instant Video für 29,99€ bekomme (von HD ist nach Klicken auf den Artikel übrigens nicht mehr die Rede, da ist das Bild irreführend) und für 1.65€ mehr die DVD, dann ist das schon ziemlich absurd. Denn die DVD kann ich nach dem Anschauen bei eBay oder Momox weiter verkaufen, ich kann sie anderen ausleihen oder jemandem schenken.

Die bei Amazon “gekauften” Streamingangebote kann ich nur ansehen, solange Amazon als Streaming-Anbieter noch existiert und der Urheber nicht die Rechte widerruft. Und ich kann sie weder verleihen noch verschenken.

drwho2

iTunes verlangt 50ct weniger pro Folge als Amazon Instant Video.

Serien sind mir über Amazon Prime Instant Video jetzt schon deutlich vermiest.

Fang ich mit Breaking Bad noch ernsthaft an, um dann irgendwann Sonntagabend vor einer Bezahlschranke zu stehen und nicht zu wissen, wie es mit Walther und Jessy weiter geht, so wie es mit gerade mit dem Doktor und Rose passiert ist?

Hey, Amazon. Ein solches Angebot muss für uns schon kalkulierbar sein. Jeder Kunde, der mitten in der Staffel so von der Zahlungspflicht überrascht wird, ist ein unzufriedener Kunde. Weist doch bitte wenigstens drauf hin, wann der kostenlose Zeitraum endet. Oder noch besser: Beendet ihn gar nicht.

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One thought on “Amazon, wir müssen reden.

  1. Peter Lustig

    Update von mir am 1.1.2016 bin heute aufgewacht und wollte breaking Bad weiter gucken und auf einmal sind alle Staffel nicht mehr im gratis streaming Dienst enthalten eine Frechheit finde ich

    Reply

Dein Senf dazu?