Der Party-Nihilist @NeinQuarterly auf der #rp15

Fast wäre mir entgangen, dass Eric Jarosinski auf der re:publica eine Rede hält. Als @NeinQuarterly hat er auf Twitter 107.000 Follower – Tendenz steigend.

Jarosinsky ist Germanist und hat in Deutschland studiert. Die deutsche Sprache sieht er als Beobachter, kann sie auf eine Weise sezieren und wieder zusammensetzen, die den meisten Muttersprachlern verschlossen bleibt.

Es scheint, dass US-Amerikaner unsere Sprache lieben, das aber nicht offen zugeben wollen. Schon Mark Twain hat sich an ihr abgearbeitet und in Wien eine Rede zu ihrer Vereinfachung gehalten.

Jarosinski versteht sich als gescheiterter Intellektueller, als Nihilist, als Vertreter der Kritischen Theorie, als jemand, der uns erklären will, was wichtig ist – und warum nicht.

Ich war gespannt, was er uns bieten würde.

Es war ein Galopp durch seine Tweets, garniert und kontrapunktiert mit Screenshots, Grafiken, und zugleich ein Abriss aktueller politischer Themen, die Jarosinski wahrgenommen hat.

Das Tempo war leider der Todesstoß für das Verständnis des Inhalts, wie ich schon während des Vortrages schrieb:

Das irritierte nun viele, mich auch erst, aber andererseits hatten wir auch Spaß daran.

Wer von Jarosinski eine Vorlesung erwartet, wie sie ein Professor halten würde, liegt falsch.

Wer ihn jedoch nur als Clown sieht, springt zu kurz.

Jarosinski nutzt das deutsche NEIN, um Dinge zu negieren, damit wir ihre Berechtigung evaluieren. Er ist Nihilist, weil er die Gültigkeit jeder Aussage negiert, um ihre Wahrheit zu hinterfragen.

Und beispielsweise die politischen Dimensionen des NSA-Skandals bleiben ihm weder verborgen noch verbirgt er sie. So lobt er beispielsweise den Artikel von Sascha Lobo aus der FAZ über die Digitale Kränkung, den ich seinerzeit für wichtig hielt und heute für sehr wichtig halte. Denn Sascha Lobo hat in der FAZ ein Publikum über die Tragweite des NSA-Skandals aufgeklärt, das bislang nicht vom Thema erreicht werden wollte.

Und auch das kann @NeinQuarterly erreichen: Menschen erreichen, die für ein Thema nicht empfänglich sind, indem die Kunstfigur des nihilistischen Aphoristikers das Thema als intellektuelle Wortspiele verkleidet. Als Karl Kraus des digitalen Zeitalters, als Party-Nihilist, der über die Popkultur Denk- und Glaubensmuster aufbricht.   


Nein.

There are currently no comments highlighted.

Dein Senf dazu?