Captain Obvious, der alte Facebook-Alarmist.

Die CHIP berichtet darüber und Wired auch: Ein Student aus den USA hat herausgefunden, dass der Facebook Messenger unsere Standortdaten nutzt. Nein! Doch! Ohhh!

Wired schreibt:

Mit den richtigen Mitteln können eure Freunde im Facebook Messenger herausfinden, wo ihr schlaft, wo ihr arbeitet und wen ihr gern besucht. Möglich macht das ein US-Student — er hat herausgefunden, wie er Menschen mithilfe der Chat-App überall hin verfolgen kann.

Und bei CHIP:

Bis auf 1 Meter genau: Chrome-Erweiterung macht Standorte sichtbar

Überrascht von seiner Entdeckung schrieb Khanna eine Erweiterung namens Marauders Map für den Chrome-Browser, welche die Standortdaten auf einer Landkarte anzeigt.

Hallo Redakteure. Ich hab schlechte Nachrichten für Euch.

In einer breit angelegten Studie im Redaktionschat des Techniktagebuchs haben wir herausgefunden:

Das ist ein Feature.

Und es funtkioniert auch nur, wenn der Absender der Chat-Nachricht den mobilen Messenger benutzt.

Der Chat sieht zum Beispiel so aus:

fmkoord1

Tippt man auf eine der Nachrichten, erscheint unter bestimmten Bedingungen der Standort des Schreibenden:

fmkoord2

Diese “bestimmten Bedingungen” lauten: Der Absender nutzt ein mobiles Device und hat das Feature aktiviert.

Ja, kann man jetzt argumentieren. Den Kartenausschnitt. Der ist ja nur grob. Aber der Student hat die Koordinaten ermittelt!

Stimmt. Tippen wir auf die kleine Karte, dann erwartet uns…

Screenshot_2015-05-28-11-55-37

Korrekt: Ein Aufruf der App Google Maps (jedenfalls unter Android) mit Angabe der exakten Koordinaten. Man braucht nicht einmal die Chrome-Erweiterung, die der Student geschrieben hat, um aktuelle Position der Chat-Partner auf einer Karte anzuzeigen, das ist bereits ein Feature. Und bei Google Maps kann man auch ranzoomen, bis man einzelne Pflastersteine erkennen kann.

Und man kann nicht nur die aktuelle Position sehen, sondern auch zurückblättern und die Positionen ermitteln, an denen jede beliebige Nachricht mit aktivierter Positionsübermittlung geschrieben wurde.

Aber die diabolische Genauigkeit der GPS-Daten bis auf einen Meter! Das ist der Skandal!

Nein, das ist Unsinn. Denn GPS ist zwar toll aber eben nicht in Hogwarts entwickelt worden. Seit dem Jahr 2000 ist zwar die komplette hohe Genauigkeit der Positionsbestimmungen auch zivilen Nutzern zugänglich, aber eine Bestimmung auf den Meter genau ist unmöglich,…

[…] da der Messfehler nun in mindestens 90 % der Messungen geringer als 10 m ist.

Man sollte also aus der Tatsache, dass die Position des Partners im Bordell oder die der Partnerin im Büro des Scheidungsanwalts angezeigt wird, nicht schließen, dass sie oder er wirklich dort war. Vielleicht wurde die Nachricht während eine Busfahrt abgeschickt und man war gerade im Umkreis von 10 Metern.

Was bleibt übrig? Die Erinnerung daran, dass Facebook auch Positionen ermittelt und im Chat anzeigt, wenn man per mobilem Device chattet.

Exklusiv habe ich Insiderinformationen bekommen, wie man diese Funktion deaktiviert. Das ist schwieriger als gedacht – wer rechnet schon damit, dass direkt neben dem Eingabefeld für Chat-Nachrichten ein entfernt an eine Windrose erinnerndes Symbol diese ungeheure Übermittlung der Geo-Koordinaten an die Chatpartner ein und aus schaltet?

fmkoord3

 

There are currently no comments highlighted.

One thought on “Captain Obvious, der alte Facebook-Alarmist.

  1. Pingback: #Briefing: Das Dilemma des Online-Journalismus

Dein Senf dazu?