BER ist kein Einzelfall. Echt nicht.

Der Flughafen Berlin-Brandenburg ist seit Monaten ein andauernder Treppenwitz. Immer wieder neue Pannen, zuletzt stellte sich heraus, dass Wartungshallen der Lufthansa der Rollbahn im Weg stehen.


Kann ja mal passieren.

Denn das ist bei öffentlichen (also staatlichen) Bauvorhaben völlig normal.

Beispiel gefällig? Gerne.

Ende des letzten Jahrtausends stellte sich in einer kleinen Stadt am Niederrhein heraus, dass das Schwimmbad hinüber ist. Eine Sanierung rechnete sich nicht, aber man wollte sich eh verbessern und von den Nachbargemeindeen absetzen.

Ein Grundstück war frei, auf dem ein Schwimmbad und eine Fernwärmeheizwerk für ein Neubaugebiet entstehen sollten. Man dachte groß: Das Heizwerk wurde als Blockheizkraftwerk geplant. Bei einem solchen BHKW wird für je zwei Kilowattstunden Wärme eine kWh Strom erzeugt, ohne, dass mehr Brennstoffe benötig werden.

Ein BHKW rechnete sich zumindest damals schon durch die Einspeisevergütung für den Strom, die der Stromerzeuger zahlen musste, von dem die Stadtwerke den Strom bezogen.

Die Bauarbeiten waren im vollen Gange, da fragten Ratsmitglieder nach dem Sprungturm. Wo käme der denn hin?

Ups. Abgeshen davon, dass der Architekt Ende der 1990er Jahre ein Spaßbad im Stil der 1980er geplant hatte, fehlte der Sprungturm.

Kein Dreimeterbrett? Geht ja gar nicht. Die anderen Gemeinden lachen uns aus.

Also plante man einen Turm klassisch am tiefsten Punkt des Beckens. Das Dach war aber ausgerechnet an dieser Stelle so tief, dass ein Sprungturm dort nicht möglich war. Der Sprungturm musste also  an eine andere Stelle, an der das Becken dann halt tiefer gebaut werden müsste.

Allerdings war das Becken zu diesem Zeitpunkt schon fertig und gefliest, aber egal. Sprungturm ist Pflicht.

Wenige Monate nach der Eröffnung musste das Bad dann wieder geschlossen werden, weil in der Dusche Fliesen von den Wänden gefallen waren. Die Wände waren aus Rigips und die Fliesen hätten mit Flexkleber verklebt werden müssen, aber anscheinend hatte der  nachweislich angeschaffte Kleber es wohl nicht bis an die Wand geschafft. Der Standardkleber hielt an den recht elastischen Wandveschalungen halt nicht lange.

Den Fliesenleger in Regress nehmen? Äh, also, nun, das Gewerk hatten wir an einen örtlichen Betrieb  vergeben, wegen der Arbeitsplätze in der eigenen Stadt. Der hatte zwar, weil er nicht genug Personal hatte, EU-Saisonkräfte angeheuert, aber wenn wir ihn jetzt in Regress nehmen gefährdet das Arbetitsplatze sowaskannmannichtmachen!

So gab es mehrere Fehlplanungen und Baupannen im Bad. Doch auch die Fernwärme war nicht ohne. Zwar existiert die Technik seit der Römerzeit und wird in Europa seit dem 19. Jahrhundert praktiziert, aber die Rohrleitungen ins Neubaugebiet funktionierten nicht.

Was man erst offiziell zur Kenntnis nahm, als die AnwohnerInnen die nicht bei ihnen ankommende Fernwärme per Anwalt reklamerten.

Ein Gutachten ergab, dass die Abzweigungen von der Ringleitung zu den Endabnehmern leider keine Fernwärmee abzweigten: Fehlkonstruktion. Und das, obwohl die Planung einem angesehenen örtlichen Ingenieurbüro übertragen worden war. Äh, Regress? Arbeitsplätze und so.

Die Geschichte könnte noch weiter gehen. Beispielsweise: Stadtwerke und Bäderbetrieb waren in einer Holding, damit der absehbare Verlust des Bades die Stadtwerke steuerfrei machen kann. Die Mehreinnahmen der Stadtwerke waren dann ein jährlicher sechsstelliger Zuschuss zum Bäderbetrieb. Also wären gewesen.

Zu dumm, dass zwischendurch Kommunalwahl war und der neue Stadtrat die Stadtwerke auf halbem Weg an den großen Stromerzeuger verkauft hat. Und die Holding samt Steuerersparnis damit tot waren. Und der Stromerzeuger, der damals noch dezentrale Stromerzeugung verhindern wollte, das Blockheizkraftwerk so umplante, dass es nur noch genügend Strom  zum Betrieb von Fernwärme und Schwimmbad erzeugte und nichts ins öffentliche Netz eingespeist wurde.

Das sind schon die Unwägbarkeiten, die bei einem läppischen Schwimmbad einer Kleinstadt Schlagzeilen verursachen. Was erwarten wir da bei Großvorhaben wie Hauptstadtflughäfen, Elbphilharmonien oder bald einem verbuddelten Großstadthauptbahnhof?

Wie wir aus der Nummer rauskommen?

Indem wir die Politiker aus dem Spiel bringen.

Die persönlichen Wünsche, Seil- und Freundschaften, Vorstellungen, Unfähigkeiten der Entscheider und die Tatsache, dass zur nächsten Legislaturperiode (und Großprojekte dauern immer länger als 4 oder 5 Jahre) die Karten neu gemischt werden und die Verursacher inzwischen andere Aufgaben haben, die verursachen schonmal viele Probleme.

Aber ach.

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