How to fight Fake News #rp17

Gestern hatte ich schon geschrieben, dass die re:publica sehr oft Fake News als Thema hatte. Und das ist nicht unproblematisch. Warum?

Im ARD-lastigen Panel “Survival of the Fakest” hat Niddal Salah-Eldin es sehr deutlich auf den Punkt gebracht: Der Begriff Fake News ist unbrauchbar geworden. Er wurde erst groß, als Donald Trump alle Medien, die nicht Breitbart oder Fox heißen, als Fake News bezeichnet hat, und ist nun Kampfbegriff vieler Akteure mit unterschiedlichsten Intentionen.

 


Wenn wir die übergeigten, verfälschten oder gar völlig ausgedachten “Nachrichten” von RT, Epochtimes & mit demselben Begriff belegen, den Donald Trump & Co für die NYT benutzt, erheben wir diese Propagandaschleudern nur in den Adelsstand. In Deutschland ist vor Trumps Wahlsieg eher der Begriff Systempresse bzw. Lügenpresse verbreitet gewesen, und obwohl Sputnik News und Russia Today nichts anderes als Pro-Putin-Propaganda verbreiten und damit eben die wahre Systempresse sind, nennen wir sie ja auch nicht so.

Aber was tun wir gegen Fake News Falsch- und Propagandameldungen?

Zunächst sollten wir, wie ich gestern schon schrieb, gegen die Boulevardisierung der Medien angehen. Es kann nicht sein, das Nachrichtenmagazine wie der SPIEGEL oder auch der STERN im Internet Klicks generieren wollen, indem sie übergeigte Stories publizieren, die sie von anderen Medien abgeschrieben haben, die ihrerseits wieder irgendwo etwas gefunden und nur halb verstanden haben.

Denn jede übergeigte Überschrift und jede unscharfe, dadurch möglicherweise  diskriminierende oder zur Schau stellende Meldung in einem für Nachrichten, Hintergrund und Reherche bekannten Medium macht die komplett erlogenen Propagandameldungen ein bisschen glaubwürdiger.

Kurz gesagt, lieber SPIEGEL: Videos von einem Mountainbiker, der einen Bären trifft, von einer Familie, die im Auto von starkem Hagel überrascht wird oder einer Frau, die beim Einparken Probleme hat, sind auf dem Niveau von Ostfriesen- oder Blondinenwitzen stecken geblieben. Die geben zwar Klicks, aber um welchen Preis?

Sascha Lobo hatte ja von seinen Erfahrungen in der Diskussion mit “Wutbürgern” berichtet. Was ich auch festgestellt habe: Bleibt man höflich und sachlich trotz der Beleidigungen und Unterstellungen der Gegenseite, liefert man freundlich Argumente, dann verändert sich die Diskussion.

Ich hab auf Twitter in den letzten Jahren schon mehrfach erlebt, dass beispielsweise Holocaustleugner, die ihre Standardargumente vorbringen, sehr schnell derailen oder noch ausfallender werden, sobald man diese sachlich mit Quellenangaben widerlegt. In beiden Fällen ist das eine Kapitulation, die man dann auch deutlich entlarven kann. In manchen Fällen wird man sogar geblockt.

Ich empfand es wie Sascha Lobo, dass ich in vielen Fällen jemandem die Bühne gestohlen habe. Sie stellen sich selbst dar, oft als Kämpfer für die “Wahrheit”, benutzen Twitter und Facebook als Bühne, um Menschen zu erreichen und auf ihre Seite zu ziehen.

Der Historiker Moritz Hoffmann hat im Panel “Von AfD-Troll bis Zeppelinfetisch” über verbogene Geschichtsbilder im Netz davon gesprochen, dass es in den von ihm beobachteten Gruppen Menschen gibt, deren verqueren Ansichten so gefestigt sind, dass man sie nur schwer zurück in unsere Realität bekommt.

Andere jedoch kann man vor dem Abgleiten in unsinnige Gedankengebäude retten, indem man den erstgenannten die Bühne entzieht – durch freundlich vorgebrachte Fakten.

AIm Panel der ARD hat Richard Gutjahr die Kommunikationsebenen erwähnt. Er bezieht sich auf die Beziehungsebene, wie sie in Freuds Eisbergmodel oder etwas komplexer dem Vier-Seiten-Modell von Schulz von Thun erklärt wird.

Grob gesagt enthält die Kommunikation nicht nur die sachlichen Inhalte, sie enthält immer einen Subtext zur Beziehung der Kommunikationspartner. Warum, beispielsweise, will eine von mir eher liberal bis links eingeschätzte Betriebswirtin (mit Uni-Diplom) mit mir über Chemtrails reden und mich davon überzeugen, dass die in den letzten Jahrzehnten gestiegene Aluminiumkonzentration im Blut natürlich nur von diesen unverantwortlichen, geheimen Wettermanipulationen der Regierung kommen kann.

Meine Antwort, dass die kontinuierlich verbesserten Analysemethoden und der Anstieg an geliefertem oder Take-Away-Essen, das in Aluminium verpackt ist, zur Erklärung ausreichen und man keine geheimen Verschwörungen konstruieren muss, reichte ihr, den Kontakt abzubrechen, ich werde den Subtext daher wohl nie herausfinden.

An dieser Stelle, denke ich, müssen wir ansetzen. Verschwörungstheorien, Fakten- und Geschichtsverfälschung gedeihen im Internet in teilweise geschlossenen Communities, Gruppen und Foren. Wir könnten das ignorieren, wenn es nicht bereits durch das Erstarken rechter Parteien Auswirkungen auf die Politik hätte.

 

Übergeigte Propagandameldungen aus Rechten Blogs und Medien durch übergeigte Meldungen über AfD-Politiker in seriösen Medien zu beantworten ist einfach Bullshit, wie Stefan Niggemeier schreibt.

 


 
Wir müssen unsere Filterbubble (oder -wolke, eine Filterwolke trifft die Realität meiner Meinung nach besser) verlassen und uns organisieren. Wir müssen die Kränkungen und Ängste erkennen, die Menschen in solche Phantsiewelten abtauchen lassen, in denen Falschmeldungen und gezielte Propaganda verbreitet werden.

Wir müssen Argumentationen erarbeiten, um diese teilweise wahnhaften Gedankengebäude einstürzen zu lassen, egal, ob sie von einer Islamisierung Deutschlands, Chemtrails, einer BRD-GmbH, einer Neuen Weltordnung oder reptilioiden in der Hohlerde handeln.

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